Aktuelle Rezensionen
belletristiktipps.de veröffentlicht regelmäßig Rezensionen von neuen Büchern aus dem Bereich Belletristik.
Hier die aktuellen Rezensionen bei belletristiktipps.de:
Florian Meimberg: “Auf die Länge kommt es an – Tiny Tales”
Die Idee ist nicht neu. Kürzestgeschichten sind eigentlich eine Prosaform der deutschen Gegenwartsliteratur und waren in den 1950er und 1960er Jahren Mode. Wahrscheinlich gab es auch schon früher Kürzestgeschichten, nur nannte sie damals niemand so. Im Grunde erzählt auch jedes gute Gedicht eine Geschichte, vielleicht sogar besser als mancher lange Roman, und die visuelle Kraft eines japanischen Haikus ist ebenfalls den Meisten bekannt. – Wozu also jetzt noch „Tiny Tales“ im Twitterformat?
Heinrich von Kleist – 200. Todestag am 21. November 2011
Am 21. November 1811 erschoss Heinrich von Kleist zunächst seine Geliebte, die an Krebs leidende Henriette Vogel, und danach sich selbst. Er starb als ein Mensch, der an seinen Leidenschaften zerbrach, und als ein erfolgloser Schriftsteller, dessen Werk seinerzeit nur wenig Beachtung erfuhr.
Heute kennen wir natürlich „Die Marquise von O“, den „Zerbrochenen Krug“, das „Käthchen von Heilbronn“, die „Herrmannsschlacht“, den „Prinz Friedrich von Homburg“, den „Amphitryon“ und die „Penthesilea“ aus dem Schulunterricht. Kleist, der König der Schachtelsätze, ist ein fester Bestandteil des Kanons der deutschen Klassiker.
Interview mit Christoph Poschenrieder zu “Der Spiegelkasten”
Auf der Frankfurter Buchmesse hatten wir Gelegenheit, mit Christoph Poschenrieder über seinen neuen Roman “Der Spiegelkasten” zu sprechen. Die Geschichte spielt im Ersten Weltkrieg und schafft es auf eindrucksvolle Weise, den Wahnsinn des Krieges erfahrbar zu machen und zu zeigen, wie unsere Sicht der Wirklichkeit letztlich immer nur in unseren Köpfen konstruiert wird.
In diesem ausführlichen Gespräch erfahren Sie, was diese Geschichte mit seiner Familie zu tun hat und wie er die Fakten für seinen Roman recherchiert hat.
Christoph Poschenrieder: “Der Spiegelkasten”
In seinem zweiten Roman erzählt Christoph Poschenrieder seine eigene Geschichte. Natürlich sind die Fakten verschleiert, die Namen zum Teil geändert und das ganze mit einer fiktiven Geschichte des Ich-Erzählers garniert.
Der Kern des Romans beruht jedoch auf Tatsachen. Seit seiner Kindheit kennt Poschenrieder die alten Fotoalben, die sein Großonkel Ludwig Rechenmacher aus dem Ersten Weltkrieg von der Westfront in Nordfrankreich mitgebracht hatte.
Diese gestochen scharfen Schwarzweiß-Aufnahmen und die mit weißer Tinte in der für ihn damals unentzifferbaren Sütterlin-Schrift geschriebenen Beschreibungen übten schon früh eine starke Faszination aus.
Volker Braun: “Die hellen Haufen – Erzählung”
Dieser Aufstand hat nicht stattgefunden. In einer kargen Sprache beschreibt der Erzähler ein Aufbegehren gegen die Umwälzungen der Nachwendezeit auf dem Boden der ehemaligen DDR. Die großen Bergbau-Kombinate, darunter auch die von Bitterrode und Mansfeld, werden von der mächtigen Kali und Salz AG aus dem Westen bedroht Treuhand abgewickelt.
Die Menschen kommen mit dem Kapitalismus in Berührung und erleben die vollständige Umwertung ihrer bisherigen Welt. Waren Sie nicht die Eigentümer dieser Werke? Waren es nicht ihre eigenen Produktionsmittel, mit denen sie arbeiteten? War das nicht ihre Arbeit, die sie für das Volk machten und die sie gut machten?
Interview mit Harald Martenstein auf der Frankfurter Buchmesse 2011
Harald Martenstein hat ein neues Buch mit den schönsten Kolumnen der letzten Jahre herausgebracht. Das nahmen wir zum Anlass, uns mit ihm auf der Frankfurter Buchmesse 2011 zu treffen und uns mit ihm ausführlich über seine Kolumnen, seine Inspiration und seine Art zu schreiben zu unterhalten. in den 30 Minuten unseres Gesprächs erzählt Harald Martenstein eine Menge über sich und sein Leben in Berlin.
Harald Martenstein: “Ansichten eines Hausschweins – Neue Geschichten über alte Probleme”
Von A wie Altersvorsorge bis Z wie Schnecken dürfen wir in dem neuen Buch „Ansichten eines Hausschweins“ in den gesammelten Kolumnen der letzten Jahre lesen, wie Harald Martenstein die Welt sieht. Um es für alle, die Harald Martenstein nicht kennen (solche Leute soll es tatsächlich noch geben), ganz deutlich zu sagen: Harald Martenstein gehört zu den witzigsten und dabei auch scharfzüngigsten Zeitkritikern weit und breit.
Axel Hacke: “Das Beste aus meinem Liebesleben”
Axel Hacke ist ein Spalter. Die Männer mögen seine Bücher, weil sie ihnen durch die Lektüre seiner larmoyanten Kritik an den Zuständen der ungleichgeschlechtlichen Beziehungen die Möglichkeit einer unterhaltsamen zeitlichen Expansion der gruppentherapeutischen Dienstagabend-Sitzungen mit den Kumpeln sowie im Rahmen der gesellschaftspolitischen Strukturen eine sogar leicht kathartische Verarbeitung der wiederholten repressiven Erlebnisse häuslicher Gewalt ermöglichen.
Doris Dörrie: “Alles inklusive”
Wenn man die Tochter einer Hippie-Mutter ist, kann es schon mal passieren, dass man „Apple“ heißt. Doch damit nicht genug, alle Versuche Apples, der chaotischen Kindheit und Jugend zu entfliehen und es im eigenen Leben geordneter und ruhiger zugehen zu lassen, scheitern, weil Apples Liebesleben von einem Desaster ins nächste schlittert.
Nie mehr soll es so schlimm sein wie damals, im Sommer 1976, als in Spanien die Hippie-Kommune von Torremolinos die freizügige Kulisse abgab für Ingrid, Apples Mutter, und Karl, einem biederen Bankangestellten aus Hannover, der mit Frau und Kind zugfällig am selben Strand Urlaub machte.
Wells Tower: “Alles zerstört, alles verbrannt”
Man erweist einem Autor einen Bärendienst, wenn man in den Klappentext schreibt: „Dieser Autor schreibt so wie xy“. Damit legt man sowohl den Autor als auch die Lektüre von vornherein auf einen Rezeptionsausschnitt fest, den der Autor selbst vielleicht niemals beabsichtigt hat.
Wenn er so schreibt wie xy, dann kopiert er lediglich dessen Stil. Ein bisschen besser wäre es dann noch, wenn er den Stil und die Art und Weise der Annäherung an den Stoff von einem berühmten Vorgänger adaptieren und auf die heutige Zeit anwenden würde.
Willem Frederik Hermans: “Das heile Haus”
„Das heile Haus“ ist ein wilder, zorniger Bericht aus dem letzten großen Krieg. Desillusioniert und gleichgültig nimmt der Ich-Erzähler an diesem Krieg teil. Er ist Partisan und unterscheidet nicht mehr zwischen töten und überleben, leben lassen und getötet werden. Alles ist gleich, und alles ist unwichtig. Der Tod hat seinen Schrecken verloren, und er kennt keine Angst mehr.
Lakonisch berichtet er, wie direkt neben ihm eine Bombe einschlägt oder wie er deutsche Soldaten aus dem Hinterhalt erschießt: „Sie krümmten sich wie Schmetterlinge, die aufgespießt werden, ich erstach sie mit einer zweihundert Meter langen Nadel.“
Dorothy Parker: “Morgenstund hat Gift im Mund – New Yorker Geschichten”
Dorothy Parker war eine erstaunliche und interessante Frau. Wie interessant, das kann man in einer hervorragenden neuen Biografie von Michaela Karl („Noch ein Martini, und ich lieg unter dem Gastgeber“, erschienen im Residenz Verlag) nachlesen.
Genau so spannend und turbulent wie das Leben der amerikanischen Schriftstellerin und Theater- und Literaturkritikerin lesen sich auch ihre Kurzgeschichten. Dorothy Parker stand ständig unter Strom. Ihre Geschichten klingen oft wie die Monologe einer ennuyierten Lady aus den besseren Kreisen.
Ruth Klüger: “unterwegs verloren”
Ruth Klüger hatte in den 1990er Jahren mit ihrer Biografie „weiter leben“ über ihre Kindheit im Wien der Dreißiger Jahre und über die traumatischen Erlebnisse im Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz geschrieben. Ihr Buch fand international große Beachtung und machte Ruth Klüger zu einer bekannten Schriftstellerin.
Im zweiten Teil ihrer Memoiren, wenn der romantisierende Ausdruck für die Aufzeichnung dieses bewegten und von vielen Hindernissen gezeichneten Lebens erlaubt ist, erzählt die Autorin von der Zeit ihrer Emigration in die USA 1947 bis zu Besuchen ihrer alten Heimat Wien in heutiger Zeit.


