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Florian Meimberg: „Auf die Länge kommt es an. – Tiny Tales. Sehr kurze Geschichten“

Am: | Dezember 2, 2011

Die Idee ist nicht neu. Kürzestgeschichten sind eigentlich eine Prosaform der deutschen Gegenwartsliteratur und waren in den 1950er und 1960er Jahren Mode. Wahrscheinlich gab es auch schon früher Kürzestgeschichten, nur nannte sie damals niemand so. Im Grunde erzählt auch jedes gute Gedicht eine Geschichte, vielleicht sogar besser als mancher lange Roman, und die visuelle Kraft eines japanischen Haikus ist ebenfalls den Meisten bekannt. – Wozu also jetzt noch „Tiny Tales“ im Twitterformat?

Blättert man durch dieses Büchlein mit Kürzestgeschichten, so erlebt man einen sehr interessanten Effekt. Das Kopfkino kommt innerhalb von nur vier groß gedruckten Zeilen in Gang und lässt die Geschichte im Kopf weiter laufen. Das ist witzig und zeigt nur, wie stark die eigene Fantasie an der Entwicklung einer guten Geschichte beteiligt sein könnte, wenn der Autor dem Leser die nötigen Assoziationsfreiheiten lässt.

Das ist ein schöner Effekt, aber mehr auch nicht. Diese Tiny Tales sind nichts weiter als Effekthascherei. Sie geben einen ersten Impuls, der eine bestimmte Stimmung beim Leser aufbaut, Assoziationen weckt und dann – und dann ist Schluss. Ende der Durchsage und Ende der „Message“. Warum erzählt Florian Meimberg diese Geschichtchen? Welchen Antrieb hat er und welche Aussage macht er?

Florian Meimbergs berufliche Heimat ist, so steht es in der Autoren-Info, die Welt der Werbung. Er hat schon mehrere Kreativpreise eingeheimst und reist als Creative Director für seine Werbefilm-Produktionen rund um den Globus. Das ist schön für ihn, und wahrscheinlich hätte er auch gar nicht die Zeit, eine echte Erzählung, geschweige denn einen Roman, zu schreiben. Muss er auch nicht und will er wahrscheinlich auch gar nicht. Deswegen twittert er ja auch seine Teaser, jene hier versammelten und sogar mit dem ehrenwerten Grimmepreis ausgezeichneten „Twitter-Storys“.

„Auf die Länge kommt es an“ ist nur scheinbar das ideale Buch für die junge, kurzatmige Lesergeneration. Die Jungen und Erfolgreichen im Lande sind „Zeitknappen“ geworden, das sind diese Leute, die wie der gestresste Hase in „Alice im Wunderland“ hektisch durch die Gegend rasen, ständig auf die Uhr schauen und jammern: „Keine Zeit, keine Zeit!“. – Das Problem jener Zeitknappen ist ja nicht das Lesen dieser kurzen Häppchen, sondern die Tatsache, dass jene drei, vier Zeilen im Kopf weiter laufen und eine Geschichte ins Rollen bringen, die man so schnell nicht wieder los wird.

Am besten geeignet sind diese Teaser wohl als Kreativimpuls für die Teilnehmer eines Workshops für Kreatives Schreiben. Nach dem Motto: „Schreiben Sie diese Geschichte weiter und hören Sie erst auf, wenn Ihnen die Finger abfallen!“

Fazit: Tiny Tales sind eine nette Idee, muss aber nicht sein.

Autor: Florian Meimberg
Titel: „Auf die Länge kommt es an. Tiny Tales. Sehr kurze Geschichten“
Broschiert: 192 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
ISBN-10: 3596192374
ISBN-13: 978-3596192373

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