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Gayle Forman: „Manchmal musst du einfach leben“

Am: | September 8, 2017

Zu viel zu tun; nicht wissen, woher Kraft und Zeit kommen sollen, allen Ansprüchen genügen wollen und doch immer hinterherhinken – das ist Überforderung. Kennt jeder, nicht nur Frauen. Aber diese übernehmen ganz gerne noch soziale Aufgaben, das Pflegen der Beziehungen, der Familie usw. Oft aber auch nur im Gedanken, es klappe sowieso nicht so gut oder so, wie es aus eigener Sicht am besten wäre, wenn sie es nicht selber machen.

In dieser Falle sitzt Maribeth Klein, eine New Yorker Mutter, Arbeitnehmerin und Ehefrau die alles zur vollsten Zufriedenheit aller bewältigen will. Der sich ankündigende Herzinfarkt wird als Sodbrennen, Kopfschmerzen eingeschätzt und am liebsten ignoriert. Erst eine auch noch zu erledigende Untersuchung bei einem Facharzt ergibt den Verdacht darauf und die sofortige Einweisung in die Klinik.

Mit dem Zeitpunkt ist dann auch alles im Zusammenbrechen. Und Aufbrechen. Denn es kommen für die Hauptperson, ihren Ehemann und die Leser eine Menge Sachen ans Licht. Gewohnheiten, die Frage nach Verlässlichkeit, eine erlernte Anspruchshaltung. Alte Wunden und der Schmerz kommen dazu, denn wo sind die Liebe, dieses Prickeln, das Gerne-füreinander-da-Sein (und nicht nur aus Pflicht) hingekommen?

Es wird zuhause auch immer schlimmer. Da kommt noch die Mutter zu Hilfe – und alte Mutter-Tochter-Verhaltensweisen drehen auch dem Leser den Magen um. Die Tochter (Ehefrau und Mutter) packt. Sie nimmt einen kleinen Koffer, hebt etwas Geld ab und haut einfach ab. Weil sie nicht mehr kann.

Der erste Bus ist der Beste, das Ziel eine zufällige Stadt, nicht unsympathisch. Kein Handy, kein Laptop – nichts und auch nicht der echte Name. Ein Neubeginn. Der sich auch ohne moderne Hilfsmittel gut einfädeln lässt. Barzahlung ist Trumpf. Es fragt sich nur, ob sie überhaupt zuhause vermisst wird.

Bevor nun der Leser denkt, es geht nur um Probleme. Nein! Es geht um Leben. Phasen, die jeder kennt und auf eigene Weise bewältigt. Nur traut sich kaum einer wirklich abzuhauen. So lässt sich auch schmunzeln. Und staunen, was passiert, wenn andere Wege eingeschlagen werden. Die Reaktion der Menschen ist auch nicht de, die erwartet wird.

So lernt Maribeth erstaunliche Menschen kennen. Jeder hat seine Pakete zu tragen, keine Päckchen. Keiner spricht darüber. Man bildet sich Vor-Urteile im Umgang und belässt es zunächst dabei. Und in der gemeinsamen Geschichte ergeben sich Hintergründe, neue Zukunftsoptionen und Erklärungen.

So gibt es auch ein höchst erstaunliches und wunderbares Ende. Das Ende eines Buches, von dem man sich gerne noch weitere Fortsetzungen wünschen würde! Was die Protagonisten wohl aus dieser und jener Vorlage machen, wie es weitergeht? Das Ehepaar kommt auf schlichte, vertraute und doch eher zufällige Art und Weise wieder in Kontakt.

Sie lernen sich neu und alt kennen. Auch Freunde und Familie sind nicht, was feststand. Und trotz der rigiden Vorgehensweise ist nicht alles kaputt. Vor allem die Gesundheit nicht. Schön mitzuerleben, wie sie in sehr kleinen Schritten wieder Gesundheit, Kraft und Mut erlangt.
Ein Buch für alle, in klarer und schöner Sprache geschrieben. So schön kann ganz Normales anzusehen sein!

(cs)

 

 

Autor: Gayle Forman
Titel: „Manchmal musst du einfach leben“
Broschiert: 368 Seiten
Verlag: FISCHER Krüger
ISBN-10: 3810525294
ISBN-13: 978-3810525291

 

 




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