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Anne Østby: „Zartbitter ist das Glück“

Am: | September 14, 2017

So etwas Aufregendes, Überraschendes und letztendlich auch Schönes wie einen Brief von einer alten Freundin sollte jeder bekommen: Eine Freundin schreibt ihren vier ehemaligen besten Freundinnen aus der Jugend überraschend eine Einladung — in einer liebevollen und wissenden Art, wie der Leser später feststellt.

Sie sind alle über 50 und haben, jede auf ihre Weise, einen wichtigen Abschnitt ihres Lebens hinter sich. Und nun kommt also ein Brief, der liebevoll auf die jeweilige Freundin und auf ihre Eigenarten eingeht oder auch Vermutungen anstellt: So zum Beispiel wird bei der einen ganz richtig unterstellt „…du hast dir sicher den Brief zunächst beiseitegelegt und dir eine Tasse Kaffee gemacht…“; oder es wird eine Vermutung geäußert: „…vielleicht ist das Leben mit dem Prinzen nicht immer märchenhaft…“. Die Formulierungen treffen immer. Und jeder Brief ist formuliert als eine vorsichtige Einladung. Als altmodischer Brief, denn er könnte ja verloren gehen und die Adressatin braucht nicht reagieren, er könnte ja gar nicht angekommen sein.

Letztendlich reagiert jede. Und kommt nach Fidschi! Um mit Kat, der Absenderin, zusammen zu schauen, was noch im Leben steckt. Dabei macht jede ihre eigenen Erfahrungen und wächst am Ende über die eigenen Grenzen hinaus. Im positiven Sinne, denn es werden nur die Persönlichkeiten erweitert. Sie erfahren mehr in dieser fremden Kultur über sich und andere Menschen.

Es gelingt. Die Hoffnung von Kat, es möge nicht nur eine Episode werden und dass man diese Reise auch bei den ersten Schwierigkeiten als Leben und nicht als Urlaub begreifen möge, erfüllen sich. Es ruckelt. Verschiedene Seilschaften klären sich. Geheimnisse werden gelüftet. Und eigene Lebensentwürfe werden neu geordnet und tatsächlich wagemutig auch gelebt!

Ein wirklich schönes Buch. In ruhiger und schöner Sprache werden die Erlebnisse erzählt, in kurzen und wiederkehrenden Kapiteln, die jeweils einer der Frauen gewidmet sind. Dazwischen bekommen wir ein kurzes und anrührendes Gespräch der Hausdienerin mit Gott zu lesen. Wie sie sich Gedanken um die Fremden macht, erbittet, was sie doch bitte begreifen mögen.

Übersichtlich geschildert, hat man Teil am Leben der Damen und der Dorfgemeinschaft auf einer der Fidschiinseln, aber auch der wichtigen Romanfiguren in Norwegen. Es wird ruhig erzählt, und der Leser darf teilhaben an der Weisheit der Hauptfigur Kat (die als solche gar nicht groß auftritt, aber immer im entscheidenden Moment); gleichwohl wird er Zeuge eines neuen Zusammenhaltes, den keine der Frauen bewusst erarbeitet hat. Da macht sogar die Schilderung eines Überfalls ein gutes Gefühl: keine Brutalität, eher sachliches Schildern des Vorgehens und der Hintergründe. Präzise in einer Seite.

Solche Romane liest man gerne. Zum Träumen, Lernen und Wünschen!

(cs)

 

 

Autor: Anne Østby
Titel: „Zartbitter ist das Glück“
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Wunderraum
ISBN-10: 3336547911
ISBN-13: 978-3336547913

 

 




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