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Klaus-Peter Wolf: „Totentanz am Strand — Sommerfeldt kehrt zurück“

Am: | Juli 10, 2018

Dr. Bernhard Sommerfeldt in Ostfriesland – viel geachtet und auf viele Arten geliebt. Aufgrund seines persönlichen Gerechtigkeitsempfindens mussten einige Menschen ihr Leben lassen. Die Gedanken dazu und die Vorgehensweisen waren interessant und teils auch zum Schmunzeln. Ein Mann von Ehre. Belesen, intelligent, auf seine Lebensgefährtin konzentriert, sportlich und vieles Gute mehr.

Leider – er war gar kein Arzt. Hieß auch nicht wie vorgegeben. Flog auf. Und ergriff clever die Flucht. Der Leser wartete gespannt auf seinen weiteren Lebensweg. Der kam nun im Juli 2018 ans Tageslicht.

Herr Rudolf Ditzen taucht in Gelsenkirchen auf. Künstlertyp, Spitzbart. Radfahren ist noch immer ein Bedürfnis, wird aber eher am Rande als Hobby betrieben. Er liest noch immer gerne. In diesem Buch gibt es jedoch wenige literarische Hinweise oder Zitate. Ein paar Liederzeilen, Gedichtzeilen – das war es.

Der Ruhrpott wird mit Sympathie geschildert. Ganz nett zu lesen. Aber dieser Mensch ist anstrengend. Die nächsten 191 Seiten darf man mitlesen, wie sehr er eine Couch beim Facharzt braucht. Geht natürlich nicht so einfach. Deutschlands gesuchter Serienkiller kann nicht nebenbei von seinen Zweifeln und Ängsten reden.

Also sitzt er alleine in seiner Wohnung und der Leser muss mit auf diese Tour. An jeder dritten Ecke sieht er ein mobiles Einsatzkommando. Er ist zerrissen zwischen der Erkenntnis, er habe sein Leben durch seine Taten eingeschränkt, weil nun auf der Flucht, — und dem Wahn, sich sein Können als Killer weiter beweisen zu wollen.

Seine Kindheitsfamilie ist nun stark im Vordergrund. Nicht nett, fair oder liebevoll. Aber sie ist präsent im ganzen Buch. Wer also über die Kindheit und das junge Leben eines Serienkillers lesen mag, wird zufrieden sein. Wie er sie alle umbringen will, ist auch zur Genüge beschrieben. Es gibt sogar schon einen Versuch.

Ansonsten hat der Kerl echte Probleme. Macht blödsinnige Fehler, ist so gar nicht mehr clever. Trifft aber eine frühere Verehrerin, die wahrscheinlich im Grunde auch durchgeknallt ist. Das ahnt er und bedenkt auch dies ausführlich aus verschiedenen Standpunkten. Derweil machen die beiden auf „Ostfriesen-Gangsterpaar“.

Der Mord dazu ist dann schon auch nicht mehr so spannend. Die Umstände nicht logisch, auch nicht interessant. Sie werden zwar erklärt, es klingt aber unglaubwürdig – aber sie werden aufgespürt von einer ostfriesischen Kommissarin. Und er gestellt. Im Ruhrpott. Dort sitzt er ein, hört, wie die Geliebte alles auf sich nimmt. Macht sich wieder schwerwiegende, umständliche und einfach langweilende Gedanken. Und beschließt auszubrechen, um alles auf sich zu nehmen und endlich seine Familie umzubringen.

Alles zusammen: Die Psychograbungen eines Menschen. Banal. Wiederholend. Und die weitere Handlung wird angekündigt. Aber wer will das lesen? Nicht die Fans von diesem Sommerfeldt. Es ist eine Fortsetzung und liefert genau das, was man meistens von Fortsetzungen erwartet, und nicht mehr.

(C.S.)

 

 

Autor: Klaus-Peter Wolf
Titel: „Totentanz am Strand — Sommerfeldt kehrt zurück“
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 2 (20. Juni 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596299195
ISBN-13: 978-3596299195




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