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Krischan Koch: „Pannfisch für den Paten“

Am: | August 3, 2018

Ein Küsten-Krimi. Einer von vielen? Mitnichten! Die Abenteuer, die Krischan Koch aus Fredenbüll — einem winzigen Dorf hinterm Deich an der Nordsee — berichtet haben es in sich.

Man glaubt gar nicht, was in solch einem kleinen Nest passieren kann! Wie gut, dort einen fähigen Dorfpolizisten — pardon: Polizeiobermeister — Thies Detlefsen zu haben. Er bildet sich immer fort, ist theoretisch bestens vorbereitet. Da kann man gerne den ratlosen Kuhblick bzw. die beinahe immer vergessene Dienstwaffe verzeihen.

Dafür hat er schließlich in brisanten Fällen — und die gibt es in jedem der Bücher! — seine Kollegin, die Kieler Kommissarin Nicole Stappenbek, samt Team dabei. Gemeinsam kommt man jedem Betrüger, Einbrecher, Erpresser, Geißelnehmer und Mörder auf die Spur. In diesem Buch sogar einem Paten und dem Abgeordneten eines anderen Clans.

Ja, auch die Mafia hat sich hierher verschlagen! So ist ganz schön Tempo und Spannung in der Geschichte. Noch ein wenig mehr als sonst. Ein beinahe blinder Schütze (Louis, the Lobster) muss einen Mann erschießen, der bei dem Mord an den Köpfen des Clans mehr Glück als Verstand hatte.

Tony fällt in dem Dorf auch kaum auf: attraktive italienische Erscheinung. Ein Charme, der sprichwörtlich ist. Und als Nachname wurde „Petersen“ gewählt. Dennoch ein wenig Al Pacino mit Reibeisenstimme, begleitet von einem hechelnden Mops und immer auf dem Fahrrad unterwegs. Passt doch! Die Damenwelt ist hingerissen. Vito, der Mops, hat bei der Imbisshündin Susi keine Chancen trotz Schock-Verliebtheit.

Natürlich gibt es in der Geschichte ein Wiedersehen mit allen Bekannten – Althippie „Bounty“, Hühnerbaron und Gauner Dossmann, Oma Ahlbeck — übrigens mit neuer Liebe —, die total stolz auf ihren Sohn ist. Er ist der Edeka-Marktleiter des Ortes, läuft auch meist im Kittel herum. In der Hauptsache ist er aber auch der Bürgermeister.

All diese und der Rest der Stammkundschaft im Imbiss „Hidde Kist“ helfen einander — und allen, die sie mögen. Und lösen letztendlich auch den Fall unter Weglassung von nicht weiter erwähnenswerten Vorfällen — wie beispielsweise das Versenken einer Leiche im Windrad-Fundament. Fotos werden gemacht, aber nicht weiter gezeigt.

In Sachen Foto gibt es hier auch immer mal wieder eine Situation wie vor einigen Jahren in der Werbung für einen bekannten Schokoriegel: Der Fotograf — hier meist Kurt, Oma Ahlbecks Liebe — wartet geduldig auf schöne Tierfotos. Vornehmlich von der Rotbauchunke, um die es in diesem Buch geht. Wenn sie dann beispielsweise endlich (sogar mit Zement an den Pfoten) vor ihm sitzt, hat er gerade ein ganz anderes Motiv im Visier … oder weiß vor lauter tollen Angeboten gar nicht, was oder wen er zuerst knipsen soll.

In der Geschichte wird vor allem nach dem Mörder von Norwin gesucht. Ein Ingenieur des Windkraftanbieters, der ausgerechnet auf dem Grund der Rotbauchunken eine Windrad-Anlage errichten möchte. Er wurde vom Motorrad geschossen und versank im feuchten Beton des Fundaments. Nach und nach kommen Gaunereien ans Tageslicht.

In diesem Roman werden noch mehr reale Orte an der Nordsee erwähnt. So macht es für Leute, die die Gegend kennen, noch ein wenig mehr Spaß. Hier ist beispielsweise eine korrupte Beamtin aus Bredstedt mit im Spiel.

Zwischenzeitlich gibt es eine große Demo gegen Windkraft und für Rotbauchunken. Es haben sich viele in Grün gekleidet — eine Hommage an das Tierchen. Die Teilnahme an diesem „Sitz-In“, wie Oma Ahlbeck es nennt, ist beachtlich. Die Transparente eher ein Scherz. Aber Thies ist nervös und möchte sicherheitshalber den „grünen Block“ isolieren und die Demo räumen. Leider sehen die Kollegen aus Kiel und Husum den Ernst der Lage nicht. So verspricht die örtliche Feuerwehr, den Wasserwerfer bereit zu stellen.

Solche Sachen, der feine Witz und dazu ein ganz klein wenig (noch verständliche) Mundart machen einfach Spaß und sorgen mitunter eben auch für richtige Lacher. Grausamkeiten werden nicht weiter ausgeführt.

Hinweise auf die brisanten Beweise für Tricksereien hatte Norwin versteckt. Viele Leute sind auf der Suche danach. Einige finden Teile davon eher zufällig. Auch wenn es absurd klingt, ist der Showdown logisch. Und so rennen zwei Mafiosi hinter einem Kapuzenpulli-Träger auf dem Deich hinterher, während Klaas, der Bruder dieses Opfers, sich Sorgen um die Plattenhülle macht. Ist es doch eine aus seiner Stones-Sammlung!

Alle finden sich im riesigen Hühnerstall wieder. Kleine Anklage der Massentierhaltung. Die Mafia arbeitet mit der Polizei zusammen. Wer keine Waffe hat, reißt seine Klappe am weitesten auf. Gemeinsam fasst man den Mörder.

Es ist schön, auch die Weiterentwicklung des Dorfes mitzubekommen. Die „Hidde Kist“ mit Wirtin Antje ist ja immer am Puls der Zeit. „Coffee 2 go“ mit zweifelhafter Rentabilität war gestern. Heutzutage sind es regionale Rezepte, auf die man erst mal kommen muss! Die Mädels von Thies sind nun auch älter und drücken sich in Jugendsprache aus. Die Friseuse Alexandra ist selbstbewusster geworden und wehrt sich gegen Bürokratie mit einer gefärbten Racheaktion. Solche Sachen eben.

Dazu die Beschreibung und Erwähnung realer Orte, stimmungsvolle und genaue Beschreibungen einzelner Situationen — der Leser ist mittendrin. Befriedigend ist auch der Abgesang, das letzte Kapitel. Man erfährt die Auflösung kleinerer Geheimnisse. Wie es den Beteiligten geht. Und kann sich als Leser beruhigt schon auf den nächsten Band freuen.

Ganz hinten im Buch gibt es nun auch ein paar Rezepte. Aus der „Hidden Kist“ á la Tony. Es hat wieder sehr viel Freude gemacht, einen Roman um Polizeiobermeister Detlefsen in Fredenbüll zu lesen. Eine Ablenkung und Erheiterung für den Alltag. Dazu eine Brise Thrill. Und wieder einmal ist es dem Autor gelungen, sich eine in allen Details fantastische Story auszudenken.

(C.S.)

 

 

Autor: Krischan Koch
Titel: „Pannfisch für den Paten“
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423217219
ISBN-13: 978-3423217217




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