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Rebecca Fleet: „Das andere Haus“

Am: | September 4, 2018

Ziemlich nervenzerfetzend angekündigt: „Dieser Haustausch wird teuer. Bezahlt wird mit dem Leben.“ Auch der Text der Beschreibung macht Lust auf Spannung total.

Ein Paar – Caroline und Francis – hat die Möglichkeit zum Haustausch und kommt in ein Haus mit unguter Atmosphäre. Die Kleinigkeiten, die die beiden dann sehen — und nur Caroline kann sie wirklich einordnen — sind besorgniserregend. Die Buchklappe sagt „… jemand will sie terrorisieren …“, das scheint denn doch zu hoch gegriffen.

Aber ich greife vor. Die ersten beiden Seiten bauen sehr gut Spannung auf. Unklar, wer da denkt, aber es verheißt die Eröffnung eines spannungsreichen Spieles. Was dann folgt ist eine Geduldsprobe für den Leser.

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. In den letzten Jahren machen das einige Schriftsteller, und es ist immer dasselbe: Kaum ist man gedanklich in der einen Geschichte drin, muss man sich wieder zurückbesinnen auf die andere Geschichte, in diesem Fall die Vorgeschichte, die Geschichte spielt 2013 und 2015.

Die ersten hundert Seiten schildern durchaus interessant, aber etwas langatmig, die Geschichte dieses Ehepaares. Sie gingen durch schwierige Zeiten und das wird in verschiedenen Geschichten sehr ausführlich dargelegt.

In kursiver Schrift dazwischen immer einmal einige wenige Seiten, in denen jemand seine perfiden Gedanken zu Caroline äußert. Alles in allem stellt man sich die Frage, wann denn nun der Psychothriller beginnt. Psycho kommt vor — aber mehr im Sinne der Analyse einer Ehe bzw. der Entwicklung zweier Menschen.

Denn auch heutzutage ist die Stimmung fragil, man bemüht sich. Unter der Oberfläche ist einiges weiterhin im Argen. In der Beziehung, aber auch in jedem für sich. Langsam wird immerhin klar, von wem Caroline meistens redet, wer der Mensch ist. Auch darf der Leser von einer stückweisen Erkenntnis der merkwürdigen Ungereimtheiten mit diesem fremden Haus profitieren. Und fragt sich noch mehr als Caroline, wer das wohl ist.

Bis ziemlich gegen Ende die ganze Geschichte herauskommt. Jemand, den man als Leser nicht erdenken konnte, da diese Geschichte in der Vergangenheit nicht wirklich kommuniziert wurde.

Der Akteur im Hintergrund wird klarer. Es kommt zu einem Spannungsaufbau, denn der Plan dieser Figur ist natürlich perfide. Und dieser Mensch ist raffiniert, weiß auch Chancen zu nutzen. Man muss also mit zittern, ob nun jemand zu Schaden kommt oder nicht. Dabei handelt es sich aber um wenige Seiten und ziemlich am Ende.

Der Akteur, der Strippenzieher, hat sich geschickt und mit viel Mühe in das Leben von Caroline geschlichen, um ihr zu schaden. Sie selbst ist zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Und es zeigt sich wieder einmal, Rache bringt nicht die Erleichterung, die sich viele davon erhoffen. So ist es eher traurig nach all der Mühe für den Menschen im Hintergrund. Francis und Caroline können danach weiterhin mit ihrem Sohn an ihrem Familienglück arbeiten. Es ist weiterhin nicht einfach, obwohl nun die Luft reiner ist und einige Dinge ausgesprochen wurden.

Für die beiden sieht es letztendlich aus wie für den Roman auch: Möglicherweise hätte man den Dingen eine andere Bezeichnung geben sollen. Dann wäre die Erwartungshaltung eine andere. Und möglicherweise wäre es besser, das vorhandene Potential, die Möglichkeiten auch wirklich zu nutzen.

Der Plot war sehr gut. Der „Täter“ verdient durchaus Respekt für so viel akribische Arbeit und Geduld. Obwohl einige Stellen nun nicht glaubhaft sind — aber das fällt kaum auf. Jedoch wurde diese Grundlage nicht wirklich genutzt. Und es „Psychothriller“ zu nennen, war sehr gewagt. Da gibt es anderes. Kommt eventuell auf die Messlatte an.

(C.S.)

 

Autor: Rebecca Fleet
Titel: „Das andere Haus“
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-10: 344220559X
ISBN-13: 978-3442205592




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