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Lutz Schumacher: „Wenn möglich, bitte wenden“

Am: | Oktober 21, 2009

Lutz Schumacher: "Wenn möglich, bitte wenden"Lutz Schumacher ist Eisenbahnfan. Seine Liebe zur Bahn ging nach der Schulzeit sogar so weit, dass er ein Jahr lang als Schlafwagenschaffner auf den Strecken Düsseldorf-Venedig und Düsseldorf-Rijeka arbeitete, bevor er dann – Gott sei Dank – den journalistischen Berufsweg eingeschlagen hat. Sonst gäbe es weder den mit Mark Spörrle geschriebenen Bestseller „Senk ju vor träwelling“ über die täglichen Katastrophen bei der Bahn, noch sein neues Buch „Wenn möglich, bitte wenden“, in dem sich Lutz Schumacher mit dem Auto, des Mannes liebstem Kind, beschäftigt.

Waren die Texte in „Senk ju vor träwelling“ noch von den eigenen Erfahrungen der Autoren geprägt und in eine angenehm unterhaltende, satirisch-dokumentarische Form gefasst, so gebraucht Schumacher in seinem neuen Buch den Schutzschild einer fiktiven Person – Harald Grützner, einen Handelsvertreter für Süßwaren der Luxusklasse -, um seine eigenen Erfahrungen mit dem Wunderwerk der Technik in amüsanter Form zu kleinen Geschichten zu verdichten.

Über die gesamte Länge der fast 190 Seiten des Buches stößt der Autor seinen Protagonisten erbarmungslos auf die Straße und mitten in den Verkehr. Herrlich erfrischend beschreibt Schumacher die Tücken der Technik unserer überzüchteten Stau-Bolliden, die Bevormundung und Entmündigung des Fahrers durch Navi-Systeme und Bordcomputer, die doch viel besser als wir selbst wissen, welche Informationen wir gerade in diesem Moment brauchen (Öltemperatur, durchschnittlicher Benzinverbrauch, favorisierter Reifendruck,…).

Dabei überzeichnet er die haarsträubenden Situationen, in die er Harald Grützner treibt, derart stark, dass man beim Lesen oft ähnlich peinliche oder ausweglose Situationen wie bei Mr. Bean oder Loriot vor seinem geistigen Auge hat.

Harald Grützner ist stets wach und durchaus bemüht, sich aktiv mit der Situation auseinander zu setzen, und er meint es eigentlich immer gut. Dadurch macht er aber alles nur noch schlimmer und manövriert sich selbst in eine Lage, die den Leser neugierig auf die Auflösung macht.

Dabei fantasiert Lutz Schumacher nicht einfach nur ins Blaue hinein. Oft weiß er ganz genau, wovon er schreibt: In seinem Gespräch mit kulturbuchtipps gesteht er, dass er in seinem Autofahrerleben schon fast 190 Mal „Kontakt“ mit der Polizei hatte, und nur selten ging es um Geschwindigkeitsüberschreitungen. Selbst durch diese hohe Anzahl an Kontrollen das „Gesetz der Reihe“ bestätigend, war es oft eine Kette von unglücklichen Zufällen, wie Schumacher beteuert. Wir wollen das mal glauben.

„Wenn möglich, bitte wenden“ ist bei Goldmann erschienen und natürlich nicht nur allen Autofahrern zu empfehlen. Lesen sollten es auch alle Fußgänger, damit sie es nicht persönlich nehmen, wenn sie das nächste Mal fast von einem Auto überrollt werden. Es hat nichts mit ihnen zu tun, sondern wahrscheinlich war der Fahrer nur gerade wieder mal damit beschäftigt, den Ausschaltknopf des Radiosystems in seinem neuen „Epremo Brillianza“ zu suchen. Und dabei kann er sich nun nicht wirklich auch noch auf den Verkehr, geschweige denn auf die Fußgänger konzentrieren…

Mehr Umsicht und gegenseitige Rücksicht ist also gefragt, nicht nur im Straßenverkehr! Und mit diesem Buch haben Sie alle wichtigen Fakten in der Hand. Nach der unterhaltsamen Lektüre von „Wenn möglich, bitte wenden“ werden Sie die Wunder der Autotechnik mit anderen Augen sehen.

 

Autor: Lutz Schumacher
Titel: „Wenn möglich, bitte wenden“
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-10: 3442312094
ISBN-13: 978-3442312092

 

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