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Kurt Gawlitta: „Ausbruch“

Am: | Januar 4, 2010

Kurt Gawlitta: "Ausbruch"Wenn etwas zum Ausbruch kommt, dann passiert etwas. Gefühle brechen aus, Vulkane brechen aus. Wenn man aus seinem Alltag oder aus den gewohnten Bahnen der Konventionen seiner Umwelt ausbricht, passiert ebenfalls etwas. Gawlittas neuer Roman spielt mit diesen Bedeutungen und lässt seine Protagonisten aufeinander los.

Silvia Falk, auf Italienisch Silvia Falcone, was zweifellos besser klingt, ist von Deutschland, von ihren Freunden und ihrem Leben enttäuscht. Da kommt ihr das Angebot einer Gastprofessur im Ausland ganz gelegen. Sie beschließt, in Italien, genauer in Neapel, einen Neuanfang zu wagen. Dort lernt sie den Vulkanologen Giorgio Casella kennen. Aus den beiden wird ein Paar.

Silvia fühlt sich zu dem verschlossenen Mann hingezogen. Aber er verhält sich seltsam. Casella ist überzeugt, der Vulkan breche in Kürze aus. Der Leiter seines Observatoriums jedoch folgt seiner Prognose nicht. Giorgio Casella ist ein Einzelgänger. Silvia weiß nicht genau, woran sie ist, und zweifelt an ihrer Liebe.

Wir schreiben das Jahr 2012, und der Vesuv gefällt dem Vulkanologen gar nicht. Kurz gesagt und vorsichtig ausgedrückt: Die Messungen deuten darauf hin, dass ein Ausbruch des Vulkans in der nächsten Zeit möglich ist. Doch der Chef des Observatoriums ignoriert Casellas Berichte einfach.

Dann verlässt Giorgio ohne Ankündigung die Stadt. Von Wien aus wendet er sich an die Presse seiner Heimatstadt und informiert sie über die schwebende Gefahr. Später kehrt er wieder nach Neapel zurück, meidet aber den Kontakt mit Silvia. Er verhält sich noch seltsamer. Andeutungen am Telefon versetzen sie in Angst. Sie fürchtet um sein Leben.

So steigert sich die Handlung dieser schönen und flüssig geschriebenen Geschichte zum Ende hin, die Spannung – oder besser: der Druck – steigt, bis am Schluss dann… – doch das soll hier nicht verraten werden.

Der Ende 2007 erschienene Roman von Kurt Gawlitta spielt vor dem Hintergrund des brodelnden Lebens der süditalienischen Großstadt, in der die Folgen der Globalisierung viele Menschen in Not stürzen. Der Autor arbeitet Fakten und Hintergründe unterhaltsam auf, so dass der Leser dem anspruchsvollen Stoff leicht folgen kann. Es gibt zwar durchaus einige Berührungsflächen mit seinem vorigen Roman „Der verkaufte Mund“ (2004), es handelt sich bei „Ausbruch“ allerdings um eine durchaus eigenständige Erzählung.

Das Buch ist im kleinen IFB-Verlag erschienen. Wenn ein Buch von einem kleinen Verlag heraus gebracht wird, ist dies kein Nachteil. Im Gegenteil. Der Kontakt zum Autor ist in der Regel viel enger als bei einem großen Verlag, und die Wünsche des Autors können besser berücksichtigt werden.

Allerdings ist das Schriftbild doch etwa altbacken und erinnert an das vergangene Jahrhundert. Aber dies tut der Geschichte vom „Ausbruch“ keinen Abbruch.

Gawlitta schreibt intelligent und unterhaltsam. Eine schöne Lektüre über eine süditalienische Szenerie – genau das Richtige für die kühlen und grauen Wintertage in unseren nördlichen Breiten.

Autor: Kurt Gawlitta
Titel: „Ausbruch“
Broschiert: 380 Seiten
Verlag: Ifb Verlag
ISBN-10: 3931263738
ISBN-13: 978-3931263737

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