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Marina Lewycka: Interview auf der Leipziger Buchmesse am 21.03.10

Am: | März 31, 2010

Marina Lewycka: „Das Leben kleben“
Interview auf der Leipziger Buchmesse am 21.03.10
(Freie Übersetzung aus dem Englischen)

KULTURBUCHTIPPS: Marina Lewycka, bitte beschreiben Sie in ein paar Sätzen die Geschichte Ihres neuen Romans „Das Leben kleben“.

MARINA LEWYCKA: Wenn ich über meinen Roman spreche, benutze ich einen Sprachwitz, der vielleicht nur im Englischen funktioniert, ich sage dann immer: „It’s a story about bonding.“ (Es geht um Bindung.) Dies ist ein ziemlicher Weitwinkel-Blick auf die Geschichte; es geht um menschliche Gefühle, die uns zusammen halten und uns ermöglichen, Bindungen miteinander einzugehen. Natürlich geht es auch um die Frage, was passiert, wenn diese Bindungen zerbrechen. Zum Beispiel bei Georgie, der Ich-Erzählerin: Ihre Ehe zerbricht am Anfang der Geschichte. Danach geht sie eine neue Form der Bindung mit der alten Mrs. Shapiro ein. Beide sind Frauen, die irgendwie am falschen Platz sind – Georgie stammt aus Yorkshire, Mrs. Shapiro aus Deutschland, und beide leben jetzt in London. Mrs. Shapiro ist eine sehr alte Lady, und sieht ein wenig wie eine „Bag Lady“ aus (die in vielen Plastiktüten ihre Habe bei sich trägt)… doch wenn Georgie sie besser kennen lernt, merkt sie, dass Mrs. Shapiro ein Geheimnis mit sich trägt. Ein Teil der Geschichte handelt davon, wie Georgie Mrs. Shapiros Geheimnis mehr und mehr enthüllt. Es geht um die ernsteren Dinge: was während des Krieges in Europa passierte, was mit den Juden geschah, welche Umstände zur Gründung des Staates Israel führten und was mit den Palästinensern geschah… Es gibt also auch diese eher dunklen Geschichten in meinem Roman. Aber natürlich sind auch sehr witzige Passagen in meinem Buch. Da gibt es zum Beispiel diese beiden Makler, Immobilien-Entwickler, die sofort sehen, dass diese alte Frau in einem Haus lebt, das sehr wertvoll ist. Das Grundstück liegt in einer sehr guten Lage, ist dabei aber sehr vernachlässigt. Ich weiß nicht, ob es so etwas auch in Deutschland gibt, aber die beiden versuchen, die alte Dame so schnell und preiswert wie möglich vor die Tür zu setzen…

KULTURBUCHTIPPS: Doch, so etwas gibt es leider auch hier bei uns…

MARINA LEWYCKA: Und Georgie möchte gern der alten Mrs. Shapiro helfen, dort wohnen zu bleiben. Aber Mrs. Shapiro möchte auch Georgie helfen. Denn sie sieht, dass Georgie Probleme mit Männern hat. Sie ist der festen Überzeugung, dass Georgie nur etwas mehr Wert auf gute Kleidung legen sollte, dann würde sich der passende Mann schon finden. Mrs. Shapiro weiß also ganz genau, welcher Mann gut für Georgie ist, aber die beiden scheinen diesbezüglich nicht immer derselben Meinung zu sein. Ihre Bindung besteht also aus dem gegenseitigen Wunsch sich zu helfen. Das entwickelt sich dann noch weiter. Aber ich denke, das sollte erst einmal als kurze Beschreibung genügen…

KULTURBUCHTIPPS: Diese Parallelen zwischen den menschlichen Bindungen und den Klebstoffen – die Bindungen, das Kleben, zusammen halten usw. – kommen ja nicht von Ungefähr. Georgie schreibt ja freiberuflich für ein Klebstoff-Magazin…

MARINA LEWYCKA: Ja, sie schreibt für „Adhesives in a modern World“ (Klebstoffe in einer modernen Welt), aber sie träumt davon, eine Schriftstellerin zu sein und romantische Liebesgeschichten zu schreiben. Ich gebe offen zu, dass darin schon ein paar autobiographische Elemente zu finden sind.

KULTURBUCHTIPPS: Wie viel von Marina steckt denn in Georgie?

MARINA LEWYCKA: Es findet sich natürlich einige autobiographische Element: dass Georgie davon träumt, eine Schriftstellerin zu werden, oder dass sie wie ich aus Yorkshire kommt; obwohl sie nicht aus einer Minen-Arbeiterfamilie stammt, ich jedoch schon – ich kenne viele Minen-Arbeiter in Yorkshire. Also hat Georgie schon ein wenig von meiner eigenen Vergangenheit. Die Leser denken oft, nur weil die Geschichte in der Ersten Person geschrieben ist, sind Ich-Erzählerin und Autorin identisch. Aber in Wahrheit bin ich auch Mrs. Shapiro sehr ähnlich. Ich liebe es, im Trödel zu kramen, alte Dinge zu sammeln, und ich bin wie sie eine leidenschaftliche Schnäppchenjägerin im Supermarkt. Und so bin ich eigentlich beiden Protagonisten in Teilen sehr ähnlich.

KULTURBUCHTIPPS: Aber das ist schließlich auch Ihre Freiheit als Autor.

MARINA LEWYCKA: Das ist richtig. Ich kann von einer Figur zur nächsten springen und in alle hinein schlüpfen…

KULTURBUCHTIPPS: Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Buch?

MARINA LEWYCKA: Eine solche Geschichte mit einer alten Lady und den Maklern hat sich wirklich in der Nähe meines Hauses in London zugetragen. Außerdem wohnte in meiner Gegend auch eine alte Dame, die Mrs. Shapiro sehr ähnlich sah. Allerdings war sie noch glamouröser als Mrs. Shapiro. Sie stammte aus einer sehr eleganten, jüdischen Familie aus der Modebranche. Sie war, wie gesagt, sehr elegant und schon um die 80. Eines Tages war sie zu alt und musste in ein Altenheim umziehen. Als man ihr Haus räumte, landeten alle Sachen in einem Container. Und weil ich ein wenig wie Mrs. Shapiro bin, war ich diejenige, die in diesem Container kramte. Ich rette wunderschöne Hüte aus den 1930-1940er Jahren aus dem Müll – mit Schleiern und so – und auch High Heels, wie sie damals nur die Filmstars trugen. Ich habe das alles nach Hause getragen und lagere es seitdem auf meinem Dachboden. Als ich jetzt so viele Jahre später die Geschichte schrieb, veränderte ich diesen Teil so, dass Mrs. Shapiro immer alles Mögliche aus dem Container fischt.

KULTURBUCHTIPPS: Als ich Ihr Buch zu lesen begann, fühlte ich mich unweigerlich an eine schöne Erzählung von Alan Bennett erinnert: „Die Lady im Lieferwagen“…

MARINA LEWYCKA: Ich kenne die Geschichte leider nicht, aber Alan Bennett kommt auch als Yorkshire.

KULTURBUCHTIPPS: In Bennetts Geschichte lebt die alte Dame allerdings in einem Lieferwagen vor seiner Haustür.

MARINA LEWYCKA: Das klingt interessant… Aber es geht wohl um eine ähnliche alte Dame wie in meiner Geschichte.

KULTURBUCHTIPPS: In Deutschland nennen wir solche Leute „Messie“; die alte Lady sammelt alles und kann nichts weg werfen…

MARINA LEWYCKA: Wie Mrs. Shapiro: Sie muss ihre Geheimnisse bewahren. Sie ist sehr unabhängig. Wenn Sozialarbeiter sie an einen netten Ort bringen möchten, weigert sie sich. Sie braucht ihre Katzen, ihre Familie und ihre Beschützer – vor allem ihren Liebling „Wonder Boy“…

KULTURBUCHTIPPS: Wenn man versucht, sich einen Überblick über die komplexe Geschichte von „Das Leben kleben“ zu machen, kommt man zu der Überzeugung, dass Georgie zwar die Hauptfgur ist; sie ist die Ich-Erzählerin und treibt die Handlung voran. Aber Mrs. Shapiro ist auch sehr wichtig.

MARINA LEWYCKA: Als ich die Geschichte schrieb, wollte ich sie eigentlich im Stil von Philip Roth oder Henry James schreiben – mit einem anonymen Ich-Erzähler. Aber irgendwie ist mir dies nicht gelungen. Vielleicht liegt es daran, dass meine Ich-Erzählerin einfach zu viel von mir selbst hat; meine Erzählerin wurde von selbst lebendig, und so musste ich sie selbst in die Geschichte integrieren.

KULTURBUCHTIPPS: Georgie schreibt also für das Magazin „Klebstoffe“. Aber diese Klebe-Verbindungen sind eine hübsche Metapher für…

MARINA LEWYCKA: … das menschliche Miteinander, nicht wahr? – Wir brauchen den Klebstoff und wir müssen uns verbinden können, aber manchmal ist das ein Problem. Dieses Thema zieht sich durch das ganze Buch.

KULTURBUCHTIPPS: Wie lautet eigentlich der Originaltitel der Romanze, die Georgie immer wieder zu schreiben versucht? In der deutschen Übersetzung heißt es: „Das verspritzte Herz“…

MARINA LEWYCKA: Es heißt „The splattered heart“. Das ist nicht sehr romantisch, gebe ich zu. Normalerweise sagt man „Das gebrochene Herz“ (broken heart) oder „Das erschütterte Herz“ (shattered heart). Aber Georgie möchte, dass es nach mehr Gewalt klingt, als wenn man ein rohes Ei gegen die Wand wirft.

KULTURBUCHTIPPS: Dieses Bild spiegelt auch ein wenig die Lebenssituation von Georgie wider.

MARINA LEWYCKA: Ja, das ist die Situation ihrer gescheiterten Ehe. Anfangs ist sie ein sehr schwacher Charakter, aber indem sie Mrs. Shapiro unterstützt, hilft sie sich auch selbst und findet zum eigenen Selbstvertrauen zurück.

KULTURBUCHTIPPS: Die Geschichte ist sehr witzig und humorvoll geschrieben, aber es finden sich auch sehr ernste Themen darin. Es schwingt auch immer viel von der Vergangenheit mit. Mrs. Shapiro ist, wie sich später herausstellt, gar nicht wirklich Mrs. Shapiro… sie ist eine deutsche Jüdin…

MARINA LEWYCKA: Ja, sie hat ein Geheimnis… Die Vergangenheit lässt uns nie los, sie reicht immer bis in unsere Wirklichkeit hinein und erfordert immer unsere Aufmerksamkeit.

KULTURBUCHTIPPS: Ziemlich bald zu Anfang taucht eine weitere Figur auf: der Handwerker Mr. Ali.

MARINA LEWYCKA: Oh ja, man denkt zunächst, er sei ein Pakistaner; aber schon bald stellt sich heraus, dass er aus Palästina kommt. Zuhause in Sheffield kenne ich einen Installateur, der Pakistaner ist, aber für die Geschichte dachte ich, dass er aus Palästina kommen sollte, um das Ganze etwas interessanter zu gestalten. Damit öffnete sich ein ganz neues Feld an zusätzlichen Themen, über die ich schreiben konnte.

KULTURBUCHTIPPS: Wie ist das, wenn Mr. Ali über die „nakba“ spricht und von Lydda erzählt…

MARINA LEWYCKA: Da müssen Sie aufpassen, denn im Englischen ist Lydda auch ein Frauenname, und in der Tat denkt Georgie zunächst, dass Mr. Ali von einer Frau namens Lydda erzählt. Aber wir wollen hier nicht zu viel erzählen…

KULTURBUCHTIPPS: Wie haben Sie diese Passagen geschrieben? Haben Sie viel recherchiert?

MARINA LEWYCKA: Ja, sehr viel. Viele Quellen stammen jedoch von jüdischen Historikern und sind somit vielleicht politisch gefärbt. Aber es geht hier um einen Zeitabschnitt der Weltgeschichte, über den man allgemein kaum etwas weiß. Ich zumindest wusste überhaupt nichts davon. Ich komme mir da zwar sehr ignorant vor, aber es geht anderen Leuten offenbar genauso. Und gerade junge Leute haben keine Ahnung von diesen Ereignissen(, die die Gründung des Staates Israel begleiteten). Aber Sie können die furchtbare Situation und diesen ewigen Konflikt, der heute in Israel und Palästina herrscht, nicht verstehen, ohne diese Hintergründe der Vorgeschichte zu kennen. – Und so wollte ich persönlich mehr darüber erfahren. Ich bin auch selbst ins Heilige Land gefahren und habe mir die Orte angeschaut. Und genau dies müssen Sie als Autor tun. Nicht so sehr wegen der Fakten, sondern Sie müssen einfach das gleißende Licht sehen, die Luft riechen, mit ihren Füßen auf dem staubigen Boden stehen. Das habe ich getan, und dich bin auch zu jener Kirche gegangen, die in meinem Buch beschrieben wird. Es war eine sehr interessante Reise.

KULTURBUCHTIPPS: Von jenen Vertreibungen vor der Staatsgründung wusste auch ich nichts. In der Schule wurde uns erzählt, dass auf dem Gebiet des heutigen Staates Israel einfach nur eine menschenleere Wüste war…

MARINA LEWYCKA: … und das ist nicht wahr. Und es waren Israelis, die mir bestätigten, dass es nicht wahr ist. Ein junger Mann, den ich in Tel Aviv kennen lernte, arbeitete als Wächter in einem öffentlichen Park, und die Juden hatten überall diese schönen Bäume gepflanzt. Dieser junge Mann führt die Leute durch den Park und wunderte sich immer wieder über die Steinhaufen, die hier und da im Park zu sehen waren. Also wurde er neugierig und recherchierte ein wenig. Er fand heraus, dass diese Steine die Überreste eines alten Dorfes waren. Niemand hatte ihm vorher davon erzählt. Er war ein junger Israeli, und man hatte ihm erzählt, dass Gott selbst die Juden in dieses Land geführt hätte, dass es ein Brachland gewesen sei und dass dort zuvor niemand gelebt habe. – Aber dies war nicht die Wahrheit. Dies veränderte sein Leben völlig, und er wurde ein Aktivist, der diese dunkle Vergangenheit ans Licht bringen möchte.

KULTURBUCHTIPPS: Eine sehr ernste Geschichte.

MARINA LEWYCKA: Eine schreckliche Geschichte! Aber ohne diese Geschichte kann man den aktuellen Konflikt in Palästina nicht verstehen.

KULTURBUCHTIPPS: Sprechen wir noch über eine weitere Figur: Ben, Georgies Sohn. Er ist auch ein seltsamer Typ, der sich für Weltuntergangs-Szenarien interessiert und stundenlang im Internet surft.

MARINA LEWYCKA: Wissen Sie, ich habe früher als Lehrerin gearbeitet, und Ben ist wie ein ganz spezieller Junge, den ich damals unterrichtete. Jugendliche in Bens Alter haben es wirklich schwer, sie fühlen sich schnell diskriminiert, sie wollen an etwas glauben. Und obwohl es für Georgie erst wie ein Witz klingt, wird Ben von diesen Phantasien sehr schnell vereinnahmt. In Amerika gibt es Millionen von Menschen, die an die Zweite Wiederkunft und der Armageddon wirklich im Heiligen Land stattfinden wird. Plötzlich bekommt das alles eine sehr politische Dimension, die wir in Europa gar nicht so wahr nehmen. Aber in Amerika gibt es sehr viele Menschen, die sich vor dem Weltuntergang, dem Armageddon, gar nicht fürchten, sondern ihn vielmehr geradezu herbei sehnen… Denn sie werden dann von Ihrem Herrn in den Himmel getragen, um dort mit ihm in Ewigkeit zu leben… – Für einen jungen Menschen sind diese Endzeit-Phantasien sehr attraktiv.

KULTURBUCHTIPPS: Die Message ist sehr klar und simpel.

MARINA LEWYCKA: Aber auch ziemlich durchgeknallt. Denken Sie nur an das Detail mit den Barcodes: Es gibt wirklich Leute, die die  Barcodes aller Produkte, die sie kaufen wollen, kontrollieren, ob nicht die Zahlenreihe „666“ darin vorkommt, was sie als ein Zeichen des Teufels interpretieren!

KULTURBUCHTIPPS: Hm. Lassen Sie mich auf die Rückseite Ihres Buches sehen, ob Ihr Barcodes vielleicht auch…

ARINA LEWYCKA: Diese Fakten sind schon sehr abgedreht, aber sie sind wahr. Sie sind seltsame Aspekte der Realität, die uns umgibt. Im Fall jenes Jungen, den ich einst unterrichtete, war es tragisch; er versuchte sich das Leben zu nehmen. Daran war nicht direkt die Armageddon-Geschichte schuld, sondern er wurde in eine Selbstmörder-Community gezogen, in der sich Jugendliche über den Selbstmord unterhielten… So etwas ist leider gar nicht so selten heutzutage. – In meinem Buch versteht Georgie lange gar nicht, was mit ihrem Sohn passiert. Sie denkt sich, er liest in der Bibel, was ist so gefährlich daran? Er könnte ja auch Drogen nehmen oder gewalttätig sein, und dann ist die Bibel doch ganz okay.

KULTURBUCHTIPPS: Lassen Sie uns noch kurz über Ihren Schreibprozess sprechen. Wie schreiben Sie? Machen Sie sich einen Plan?

MARINA LEWYCKA: Nein, ich habe eine ungefähre Vorstellung davon, wo meine Geschichte enden soll und ich habe eine Art Anfangspunkt, von dem aus ich beginne. Dazwischen folge ich wirklich meinen Figuren. Die Geschichte von „Das Leben kleben“ wurde immer wieder neu geschrieben. Mein Schreibprozess ist so schmerzvoll, ich würde meine Art zu schreiben niemandem empfehlen. Es muss einen einfacheren Weg geben, eine Geschichte zu schreiben. Ich schreibe experimentell, ich schreibe einfach drauf los. Dann ändere und ändere und ändere es, bis das Kapitel dem entspricht, was ich eigentlich schreiben wollte. Ich brauche also sehr viel Zeit, aber es macht bei aller Anstrengung auch viel Spaß, mit en Figuren in ihre Welt einzutauchen. Für zwei Jahre habe ich so ein völlig anderes Leben gelebt. Normalerweise beginne ich immer mit einer Reihe von Dingen, die scheinbar gar nichts miteinander zu tun haben: Ich hatte mit der Geschichte dieses Jungen begonnen. Die war in meinem Kopf. Dann traf ich eines Tages im Zug einen Mann, der mir von diesen Armageddon-Websites erzählte und auch von dem Zusammenhang zwischen Blitzlicht und Epilepsie. Dann war diese Geschichte mit den Maklern, die in meiner Nachbarschaft passierte… und jedes Mal, wenn ich den Fernseher einschaltete, berichtete man über den israelisch-palästinensischen Konflikt… All diese Einzelteile waren in meinem Kopf und eines Tages trafen sie zusammen und ergaben eine Geschichte. Und dann wusste ich auch, wie ich diese Geschichte erzählen musste. Ich bewegte mich aus mehreren Richtungen auf den Kern der Story zu. Nehmen wir zum Beispiel Mrs. Shapiro: Ich liebe Mrs. Shapiro, aber es dauerte wirklich bis zum Ende des Buches, bis ich sie wirklich kennen lernte. Daraufhin musste ich die Geschichte noch einmal völlig umschreiben, zum Anfang zurück kehren und Mrs. Shapiro in die Geschichte einarbeiten. Während ich schrieb, offenbarte sich Mrs. Shapiro und vertraute sich mir an, und so musste ich sie nachträglich noch in die Geschichte bringen.

KULTURBUCHTIPPS: Es ist wirklich eine tolle Geschichte!

MARINA LEWYCKA: Dankeschön!

KULTURBUCHTIPPS: Haben Sie schon einen Film-Vertrag für das Buch? Denn meiner Meinung nach schreit es geradezu nach einer Verfilmung…

MARINA LEWYCKA: Es ist interessant, dass Sie das sagen. In der Tat habe ich bereits einen Vertrag mit einer Independent-Film-Firma in Großbritannien abgeschlossen. Ich hoffe, dass es auch ein guter Film wird.

KULTURBUCHTIPPS: Da bin ich sicher. – Letzte Frage: Haben Sie schon neue Projekte?

MARINA LEWYCKA: Ja, ich arbeite zurzeit an meinem vierten Buch, das sehr anders wird. Das Schreiben ist auch für mich sehr spannend. Es ist eine Geschichte, die zwei sehr verschiedene Dinge zusammen bringt. Als Kind der 68er-Generation lebte ich in einer Kommune, ging mit auf die Märsche und Demonstrationen und gehörte zu dieser Ära. Darüber wollte ich schon immer mal schreiben. – So wie man heute niemals dem Konflikt im Nahen Osten  entkommen kann, so kann man auch nicht der globalen Finanzkrise entfliehen. Ich überlegte, wie ich diese beiden Stories zusammen bringen könnte? Doch dann fand ich den Schlüssel: Die Geschichte spielt über zwei Generationen – die Eltern, die zu den 68ern gehörten und immer noch Hippies sind, die Frieden, Liebe und Gleichheit für alle wollen, und ihr Sohn, der als Banker in der City of London arbeitet, sich aber nicht traut, dies seinen Eltern zu erzählen… – Die Recherche für diesen neuen Roman ist ganz anders, ich spreche viel mit Bankern…

KULTURBUCHTIPPS: Wir sind sehr gespannt! – Marina Lewycka, vielen Dank für das Gespräch.

MARINA LEWYCKA: Vielen Dank!




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