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Achim Achilles: „Der Vollzeitmann“

Am: | Juni 20, 2010

Wer noch immer den süßen Einflüsterungen der Medien zuhören und ihrem Loblied auf den neuen Mann und seine angebliche Fähigkeit, auch seine weiblichen Eigenschaften auszuleben, Glauben schenken mag, dem sei ein letztes Mal gesagt: Da draußen herrscht Krieg. Die dramatischen Folgen jener feministischen Gehirnwäsche, die seit Jahrzehnten das Land fest im Griff hat und die Männlichkeit freundlich aber bestimmt bei den Eiern packt, wird vielleicht in keinem zeitgenössischen Roman besser veranschaulicht als in Achim Achilles’ neuem Roman „Vollzeitmann“.

Fünf Männer treffen sich morgens um fünf an der Tanke, einem der letzten Reservate des modernen Mannes. Fünf Männer, fünf Bier. Fünf Männer, fünf Schicksale. – Lars, der Abschlepper, Attila, der Erfolgsmann mit der Vorzeigefrau aus der Ukraine, Jochen, der chauvinistische Radiomann, Maik, der Gartenbauer aus dem Osten, der den hohlen Westen längst durchschaut hat, und Martin, der Haus- und Kindermann, der eigentlich ein erfolgreicher Werbetexter ist.

Achilles schreibt bissig. Ob diese Art Humor bei Frauen gut ankommt, wer weiß?! Aber darauf kommt es auch nicht an. Das Buch ist wuchtig, temporeich und riecht nach Motoröl. Auf 300 Seiten gibt es eine einzige Message: „Wir sind Männer, und das ist gut so!“. Der Untertitel gibt die Richtung vor: „Wie wir uns unser eigenes Leben zurückerobern“. Und genau darum geht es doch!

Männer sind keine Männer mehr. Sie dürfen es nicht sein, denn die zwanghafte Überanpassung an die „gender correctness“ wurde bereits im Kindesalter verinnerlicht. Wehe, wenn man den Mann raushängen lässt. Kriegt man richtig Probleme heutzutage. Wer heute männlich und unter fünfzig ist, hat das eigentliche Mannsein vielleicht niemals erlebt, denn spätestens seit 1968 war „Schluss mit lustig“, und die Umerziehung der Männer zu Handtaschen tragenden und Müll trennenden Mutanten nahm ihren Lauf.

Eigentlich darf man so etwas gar nicht sagen. Aber es tut „mann“ irgendwie gut, auch einmal die Kehrseite unserer gleichberechtigten und aufgeschlossenen Gesellschaft wenigstens im Roman zu Gesicht zu bekommen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Geteiltes Bier, ist halbes Bier.

Aber sind die Frauen wirklich so schlimm? – Ja, in diesem Roman sind sie es. Die Männer tun einem Leid; sie animieren zu Solidaritätsbezeugungen wie dieser.

Achim Achilles ist in seinen Beschreibungen der parallelen Tagesabläufe seiner fünf Protagonisten von fünf Uhr morgens bis vier Uhr nachts sehr direkt. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Wozu auch?! Was gesagt wird, ist so wahr, dass es weh tut.

Männer sind einfache Wesen, und sie zerschellen täglich an dem Komplexitätsanspruch der Frauen. Tägliches Scheitern führt zu einer Komplexität der Anpassung und zu raffiniertem Guerilla-Verhalten, jedoch nicht zu einer Evolution männlicher Kommunikationswilligkeit im weiblichen Sinne. – Pech gehabt, liebe Frauen. Wir spielen Euch etwas vor, um unsere eigenen Ziele zu verfolgen.

Ja, es ist Krieg, aber wir haben eine Menge Spaß dabei.

„Der Vollzeitmann“ liest sich wie ein Kompendium für den Mann von heute. Der Roman ist ein Spiegelbild unserer kaputten Gesellschaft, die den Rollentausch von Mann und Frau derart perfektioniert hat, dass keiner mehr weiß, auf welcher Position er sich befindet und was er vom Anderen erwartet.

Wer das im Stehen Pinkeln als einen mutigen Akt der Konter-Revolution versteht, hat eine Menge verstanden. Die Indianer werden sich ihr Land zurück holen. – „Ein echter Kerl tut, was er tun muss, basta. Und die Frau hat ihn zu lieben oder nicht. Auch basta.“

Knapper und besser könnte man dieses Buch nicht zusammen fassen.

„Der Vollzeitmann“ – ein Buch, das gut tut. Bereits während der Lektüre werden Sie einen neuen Blick auf die bislang verborgenen Zusammenhänge zwischen Mann und Frau bekommen. Sie sehen plötzlich ganz klar, wie sehr Sie in Ihrem Rollenspiel einem albernen Hampelmann gleichen. Diese Erkenntnis ist nicht angenehm, aber heilsam.

Autor: Achim Achilles
Titel: „Der Vollzeitmann“
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Südwest Verlag
ISBN-10: 3517085316
ISBN-13: 978-3517085319

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