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		<title>Interview mit Arnon Grünberg auf der Leipziger Buchmesse 2012 über &#8220;Mit Haut und Haaren&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Apr 2012 13:35:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Interview Arnon Grünberg auf der Leipziger Buchmesse 2012]]></category>

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		<description><![CDATA[RALPH KRÜGER:  Herr Grünberg, auch Ihr neuer Roman &#8220;Mit Haut und Haaren&#8221; ist wieder einmal eine sehr komplexe Gerschichte. können Sie unseren Lesern in ein, zwei Sätzen erklären, worum es in Ihrem neuen Buch geht? ARNON GRÜNBERG: Es geht um Roland Oberstein, einen Ökonom, und um die Geschichten um ihn herum. Da sind viele Frauen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/arnongrunberg2012-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1238" title="Arnon Gruenberg (C) 2012 Ralph Krueger Berlin" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/05/arnongrunberg2012.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>RALPH KRÜGER:  Herr Grünberg, auch Ihr neuer Roman &#8220;Mit Haut und Haaren&#8221; ist wieder einmal eine sehr komplexe Gerschichte. können Sie unseren Lesern in ein, zwei Sätzen erklären, worum es in Ihrem neuen Buch geht?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Es geht um Roland Oberstein, einen Ökonom, und um die Geschichten um ihn herum. Da sind viele Frauen und ein Kind: seine Exfrau Sylvie, seine Freundin Violet; dann lernt er auf einer Konferenz über die Shoa in Frankfurt am Main Lea, seine Geliebte, kennen&#8230; Wenn er dann am Ende des Buches wieder aus den USA nach Holland zurück kehrt, um wieder mehr Zeit mit seinem Sohn verbringen zu können, begegnet er Gwenny, einer jungen Studentin. In meinem ganzen Buch geht es eigentlich um Beziehungen und um die Verknüpfungen, durch die die eine Beziehung die folgende Beziehung hervorruft. Es geht darum, wie diese Beziehungen wie ein Netzwerk sind. Und natürlich geht es um die Ökonomie von Liebesbeziehungen und Freundschaften!</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Roland Oberstein ist ein bekannter Wirtschaftswissenschaftler, und wie er immer wieder gern betont, ist er ein Forscher, wobei die Forschung seine eigentliche Heimat ist. In Ihrem Buch gibt es auch einen sehr schönen und charakteristischen Satz, der diese Geisteshaltung der akademischen Welt verdeutlicht: &#8220;Was ist schon ein Privatleben, wenn man seine Studenten hat und seine Forschung?!&#8221; &#8211; Das ist auch das Credo Roland Obersteins.</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ja, das ist richtig. ich möchte nicht sagen, dass Roland ein typischer Akademiker ist, aber er ist ein typischer Mann, der vor allem in und für seine Untersuchungen und Forschungen lebt. Eigentlich versucht er die ganze Zeit &#8211; und es ist schon eine Ironie, dass ihm das nicht gelingt -, die Leute, die er ja trotzdem braucht, denn sonst würde er auch keine Beziehungen knüpfen oder geschehen lassen, auf einer gewissen Distanz zu halten und seine Arbeitszeit zu verteidigen. Aber das gelingt ihm nicht. Doch er ist jemand, der meint, in und für seine wissenschaftliche Arbeit zu leben.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Im Laufe der Geschichte wissen auch alle Frauen voneinander und kommunizieren auch aktiv miteinander. Das ist ja auch eine erstaunliche Situation, die die Frage nach der Ökonomisierung der Liebesbeziehungen auf eine eindrucksvolle Weise beantwortet.</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ich hatte auch schon, als ich das Buch begann, dass dieser Mann ein Ökonom sein musste. Für diesen Roman musste ich auch eine Menge in der Welt der Ökonomie recherchieren, von der ich noch nicht viel wusste. Das war und ist ein wichtiges Thema für mich.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Wie sind Sie an diese Geschichte heran gegangen? Gab es irgendwelche Vorbilder, an denen Sie sich orientiert haben?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Für einen Schriftsteller spielt alles eine Rolle &#8211; was er miterlebt, was er sieht, was er beobachtet&#8230; Was auch nicht unwichtig war: Ich habe selbst 2005, 2008 und 2009 an verschiedenen Universitäten ein Semester doziert. Ich habe selbst nie studiert, aber auf diese Weise habe ich die Welt der Universitäten aus der Sicht der Dozenten mitbekommen. Damals dachte ich, dass es eigentlich schade sei, dass ich über diese Welt noch nie etwas geschrieben hatte, denn darüberr lohnte es wirklich mal zu schreiben. Was mich dann besonders gereizt hat, war die Tatsache, dass man zwar ein sehr guter Experte auf seinem Fachgebiet, andererseits jedoch sozial vollkommen ohnmächtig sein kann. Das fand ich interessant: intelligent und erfolgreich und trotzdem diese soziale Ohnmacht. Ich dachte immer, die Welt der Schriftsteller sei voller Intrigen; aber die Welt an der Uni, das ist ja mit einiger Übertreibung nur so von Hass und Neid aufeinander erfüllt, das ist ja unheimlich, wie da um Positionen gekämpft wird. Da wird mit Ellbogen und allen Tricks gekämpft. Und gleichzeitig ist man doch an den Universitäten in einer Welt, in der es um höhere Angelegenheiten geht als die eigenen Ambitionen. Oder besser: es sollte nicht um die eigenen Ambitionen gehen; aber es wird auch immer wieder vertuscht und unter dem Tisch geregelt&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Man liest das ja auch immer wieder, um mal ein Gegenbeispiel zu bringen, aus christlichen und kirchlichen Kreisen. Gerade dort, wo man sich der Unterstützung der Höheren Mächte einigermaßen sicher zu sein scheint, geht es doch mitunter sehr menschlich zu.</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Das klingt ja interessant. Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, dass es auch in der Kirche so ablaufen könnte. Jetzt bringen Sie mich auf eine Idee, der ich vielleicht einmal nachgehen sollte&#8230;! (lacht)</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Ich habe auch bei der Vorbereitung auf unser Gespräch auf Ihrer Website gesehen, dass Sie ja neben dem Schreiben eine Menge anderer Dinge machen &#8211; Sie haben unter anderem in einem Speisewagen gearbeitet&#8230;</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ja, das habe ich 2008 in der Schweiz gemacht. Ich finde, diese Sachen machen nicht nur Spaß, sie sind auch für mich wichtig, um wirklich eine andere Welt aus der Nähe kennen zu lernen. Ein Schriftsteller wie Alain de Botton hat ja auch am Londoner Flughafen gearbeitet. Ich glaube, dass es wichtig für einen Schriftsteller ist, wie ich es sein will, dass er nicht nur die literarische Welt sieht, sondern auch einmal woanders hingeht, wo er die Menschen beobachten und lernen kann, wie es dort abläuft.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Herr Grünberg, können Sie in diesem Zusammenhang ein bisschen über sich selbst erzählen: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ich wollte einmal Schauspieler werden. Das ist nicht gelungen. Ich hatte das Gymnasium verlassen, weil ich dachte, warum soll ich das Gymnasium fertig machen, wenn ich Schauspieler werden will? Ich habe dann versucht, an verschiedene Schauspielschulen heran zu kommen, das ist nicht gelungen. Dann habe ich angefangen mit 17 zu arbeiten. Da bin ich dann auch rausgeflogen und habe dann einen eigenen Verlag gegründet. Ich habe immer schon sehr gern gelesen, war dann auch einmal auf der Frankfurter Buchmesse und war ziemlich beeindruckt und habe mir gesagt, ja, Verleger werden, das möchte ich wirklich. Ich habe dann auch einige Bücher verlegt.. Ich glaube, umso weniger man weiß, desto eher versucht man neue Sachen zu machen. Dieser Verlag hat dann Pleite gemacht, ich hatte noch versucht, den Verlag zu verkaufen. Ein holländischer Verleger wollte ihn nicht kaufen, aber hatte mich selbst dann gedrängt und ermutigt zu schreiben. Der war ziemlich wichtig, denn obwohl ich schon vorher meine Stücke und viele Briefe geschrieben hatte, kam ich nie auf die Idee, jetzt schreibe  ich einen Roman&#8230; Aber der hat an mich geglaubt und mich dann stimuliert, meinen ersten Roman (&#8220;Blauer Montag&#8221;) zu schreiben. Der wurde dann ein Erfolg, und seit dieser Zeit im Mai 1994, als er in Holland publiziert wurde, lebe ich von meiner schriftstellerischen Arbeit. Jetzt kann ich mir eigentlich nicht mehr vorstellen, dass ich noch etwas anderes tun werde als Schreiben.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Sie können also schon lange vom Schreiben leben.</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ja, seit dem ersten Romanerfolg lebe ich davon. Aber es geht ja nicht nur um die Ökonomie, sondern es geht auch um das, was ich machen will und seit 15 Jahren mache und auch weitermachen werde.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Und sie leben in New York?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ja, allerdings bin ich auch viel in Amsterdam. 1995 bin ich wegen der Liebe nach New York gezogen und dort geblieben. In der letzten Zeit reise ich sehr viel und bin deshalb nur etwa fünf bis sechs Monate pro Jahr in New York. Aber ich bin jetzt auch viel in Amsterdam, weil meine Mutter dort lebt und ziemlich krank war, und ich möchte mehr Zeit mit meiner Mutter verbringen. Doch ich habe zum Beispiel keine Wohnung in Amsterdam. Wenn ich dort bin, wohne ich in einem kleinen Hotel.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Kommen wir zurück zu Ihrer Hauptfigur, Roland Oberstein. Das ist ja eigentlich ein komischer Typ und doch eine faszinierende Persönlichkeit. Seine Freundin Antoinette sagt, er sei wie ein Fisch, der sich überall geschmeidig durchwindet. Und doch ist er ambivalent. Er wirkt zunächst sehr rational und gut durchstrukturiert, gerade was seine Liebesbeziheungen betrifft. Immer wenn es um Liebe geht, tut er sich schwer, eine eindeutige Stellung zu beziehen und die Gefühle der anderen zu deuten. Er ist in diesem Bereich nahezu autistisch, könnte man sagen. Er hat Schwierigkeiten, eigene Gefühle wahrzunehmen, aber auch, die Gefühle seines Gegenübers zu deuten, fällt ihm nicht leicht.</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Jemand hat Roland beschrieben als einen Menschen, der an einem Asperger-Syndrom leidet. Das passt ganz gut, denn damit hat er wirklich Probleme. Wie oft beim Asperger-Syndrom können diese Leute aber eine Sache ganz besonders gut, sie sind sehr spezialisiert. Aber Roland macht das Gefühlsleben auch Angst, und er weiß auch nicht, was seine eigenen Gefühle in ihm bewirken. Deswegen braucht er auch immer wieder diese Distanz und versucht, sekundär zu reagieren und sich nicht von seienn Gefühlen beherrschen zu lassen.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Was ihm jedoch nicht so ganz gelingt&#8230;</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Nein, es gelingt ihm nicht.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Aber die Eroberung ist für ihn sehr wichtig. Wir haben ja auch gegen Ende Ihres Buches die Figur der Gwenny, die jedoch zu seinem Stolperstein wird.</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: In dieser Frau hat er sich geirrt und das wird ihm zum Verhängnis. Jedoch nicht nur weil er Gwenny und ihr Spiel nicht durchschaut, sondern weil er sich selbst nicht versteht. Roland hat seine eigene Eifersucht nicht im Griff.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Wie gehen Sie mit Ihrem Stoff um? Wie schreiben Sie?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ich habe zunächst eine Idee und eine Hauptfigur. Und dann habe ich Disziplin. Dann kommt der Zeitpunkt, an dem ich sage: Jetzt habe ich genug gesammelt und im Kopf, und jetzt fange ich an zu schreiben. Dann schreibe ich 800-1000 Wörter pro Tag. Wenn ich zwischendurch eine Reise mache, dann gelingt mir das natürlich nicht, und dann bleibt es eben zwei Wochen liegen, aber dann schreibe ich weiter, korrigiere und lese parallel weiter. Solch ein Buch wie &#8220;Mit Haut und Haaren&#8221;, das sind etwa 18 Monate Arbeit, würde ich sagen. Dann kommen natürlich noch die Recherchen dazu, aber das ist ja die eigentlich schöne Arbeit eines Schriftstellers. Ich habe für diesen Roman zum Beispiel mit vielen Ökonomen gesprochen, mit dem Bezirksbürgermeister von Brooklyn &#8211; also mit vielen Figuren des Buches. Ich war auch auf dem Campus für 3-4 Tage zu Gast. Denn ich denke, wenn man gewisse Orte in einem Roman als Schauplätze benutzt, dann sollte es auch alles irgendwie stimmen.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Schreiben Sie dann von A bis Z &#8211; also vom Anfang bis zum Ende &#8211; oder haben Sie vorher eine Gliederung des Stoffes in einzelne Kapitel vorgenommen?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ich schreibe immer von A bis Z. Ich fange an und schreibe dann weiter.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Das ist ja immer wieder eine spannende Frage, denn manche Autoren arbeiten ja völlig strukturiert. Die arbeiten dann mit einer Kapitelübersicht und schreiben dann &#8211; je nachdem &#8211; zum Beispiel ein Kapitel mit letzten Drittel, dann wieder eines aus der ersten Hälfte und so weiter.</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Nein, nein, das könnte ich gar nicht so machen. Das ist ja in etwa so, als ob man einen Film drehte und sagte: So, jetzt machen wir Szene 7 und morgen Szene 24. Das könnte ich so nicht schreiben. Aber natürlich gab es für diesen Roman eine Struktur, und natürlich braucht man auch eine Vorstellung davon, wohin das Ganze gehen soll. &#8211; Das ist dann, wenn Sie so wollen, die &#8220;Ökonomie des Erzählens&#8221;. Aber ich habe noch nie ein Buch von seinem Ende her geschrieben. Schließlich bin ich ja auch mein erster Leser, und ich möchte die Geschichte miterleben. Bevor ich schreibe, weiß ich auch noch nicht alle Details einer Geschichte. Man kann auch zuvor alles richtig geordnet im Kopf haben, und trotzdem ist es etwas völlig Anderes, wenn man es aufschreibt.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Wie sehr verändert sich der Text nach der Rohfassung?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Sehr. Es gibt Kapitel, die sind aus einem Guss geschrieben, aber an vielen Kapiteln habe ich eine Menge geändert.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Wo und in welchen Sprachen wird &#8220;Mit Haut und Haaren&#8221; verkauft?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Die deutsche Übersetzung ist die zweite, danach kommen Frankreich und Italien. Mein Buch ist in 25 Sprachen übersetzt, aber natürlich sind nicht alle meine Bücher in 25 Sprachen übersetzt worden. Bei &#8220;Haut und Haaren&#8221; kommt wahrscheinlich auch noch die USA hinzu.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Was sind Ihre nächsten Projekte?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ich bin jetzt gerade dabei, einen kleinen Roman zu schreiben, der Ende Mai in Holland erscheinen wird. Im Herbst gehe ich nach Afghanistan, um darüber zu schreiben. Dann schreibe ich ja jeden Tag &#8211; also sechs Mal die Woche &#8211; eine Kolumne für eine holländische Tageszeitung, das geht auch weiter. Und im Sommer habe ich eigentlich immer ein Projekt, wo ich eine Zeitlang in einem neuen Umfeld arbeite, so wie damals im Schweizer Speisewagen. Ich weiß noch nicht genau, was ich in diesem Sommer machen werde, das ist noch offen. &#8211; Vielleicht gehe ich ja zur katholischen Kirche&#8230; (lacht)</p>
<p>RALPH KRÜGER:  In diesem Sinne: vielen Dank, Herr Grunberg!</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ich bedanke mich auch.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Arnon Grünberg: „Mit Haut und Haaren“</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Apr 2012 13:19:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[arnon grunberg mit haut und haaren kritik]]></category>
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		<category><![CDATA[rezension Arnon Grünberg Mit Haut und Haaren]]></category>
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		<description><![CDATA[Roland Oberstein ist Wissenschaftler. Die Forschung steht bei ihm an erster Stelle. Als Wirtschafts-wissenschaftler interessiert er sich für die „Geschichte der Blasenbildung“, an der er seit langem schreibt. Daneben findet er durchaus auch die Untersuchung des Völkermords unter wirtschaftwissenschaftlichen Aspekten interessant. Seine Familie hat er der Wissenschaft geopfert. „Was ist schon ein Privatleben, wenn man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/gruenberg-hauthaaren-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1233" title="Arnon Grünberg: „Mit Haut und Haaren“" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/05/gruenberg-hauthaaren.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Roland Oberstein ist Wissenschaftler. Die Forschung steht bei ihm an erster Stelle. Als Wirtschafts-wissenschaftler interessiert er sich für die „Geschichte der Blasenbildung“, an der er seit langem schreibt. Daneben findet er durchaus auch die Untersuchung des Völkermords unter wirtschaftwissenschaftlichen Aspekten interessant. Seine Familie hat er der Wissenschaft geopfert.</p>
<p>„<em>Was ist schon ein Privatleben, wenn man seine Studenten hat und seine Forschung.</em>“ – O-Ton Roland Oberstein. Der Niederländer ist als Dozent auf die Universität von Fairfax berufen worden. Fairfax nahe Washington, ein kleines Kaff, das außer dem Campus nicht viel zu bieten hat. „<em>Wenn das Leben eine Vorbereitung auf den Tod sein sollte, war ein Aufenthalt in Fairfax geradezu ideal.</em>“ Noch einmal O-Ton Roland Oberstein.</p>
<p>Von solch lakonischen Sätzen wimmelt es in Arnon Grünbergs neuem Roman „Mit Haut und Haaren.“ Er erzählt die Geschichte Roland Obersteins, eines mittelalten Mannes aus dem gutbürgerlichen Milieu, der für seine Forschung lebt und dabei zwar seine Familie vernachlässigt und dennoch nicht ganz auf Liebschaften verzichten will.</p>
<p>Seine Ex-Frau Sylvie lebt mit dem Sohn Jonathan in Amsterdam, seine Freundin Violet ebenfalls. Doch er ist in den USA und kommuniziert nur per Handy, E-Mail und Skype mit ihnen. Auf einer Holocaust-Tagung in Frankfurt lernt er Lea kennen, eine Rudolf Höß-Forscherin und Holocaust-Expertin, eine unzufriedene, weil unbefriedigte Ehefrau des amtierenden Bezirksbürgermeisters von Brooklyn.</p>
<p>Irgendwie bekommt man den Eindruck, alle Charaktere dieses Romans haben Wichtigeres zu tun, als sie um ihre Familien und Beziehungen zu kümmern, wollen jedoch keinesfalls auf sexuelle Abenteuer verzichten. Da man sich interessant findet, ist es auch nur eine Frage der Zeit und der Möglichkeiten, bis Roland mit Lea eine Beziehung anfängt.</p>
<p>Jeder betrügt letztlich jeden: Lea betrügt ihren Mann Jason, der sie mit einem schwulen UPS-Boten betrügt. Roland betrügt nicht nur seine Ex-Frau Sylvie, sondern auch seine Freundin Violet, die ihn wiederum mit einem Satellitentelefon-Verkäufer namens Wytse betrügt. Als dann auch noch die junge Studentin Gwenny Roland verführt und die sexuellen Abenteuer auf Facebook stellt, ist Rolands Karriere in den USA beendet.</p>
<p>Das alles liest sich so banal wie im richtigen Leben. Das Leben ist meist nicht hübsch und spannend wie im Film. Letztlich betrügt jeder jeden und vor allem sich selbst. Die große Lüge vom erfüllten Leben, das Arbeit, Partnerschaft und aufregenden Sex als permanentes Spannungsverhältnis aufrecht zu erhalten vermag, wird in Arnon Grünbergs neuem Roman auf unspektakuläre Weise entlarvt.</p>
<p>Die Protagonisten stellen sich selbst ein Bein, sind unachtsam oder einfach nur müde. Bei Roland Oberstein schwingt aber noch eine andere, fast autistische Komponente mit. Er scheint auf seltsame Weise nicht zu Gefühlen fähig, handelt so, wie man doch handeln sollte, und betrachtet sich selbst wie den Akteur eines lebenslangen Theaterspiels.</p>
<p>Was er bei seinen Abenteuern empfindet? Nichts. Auch die Gefühle seines Gegenübers zu deuten, fällt ihm unendlich schwer. Er ist wie abgetrennt von seinen Empfindungen und den Empfindungen der Anderen.</p>
<p>Wie eine tickende Zeitbombe bewegt sich die Hauptfigur des Romans durch das Leben der anderen Protagonisten und richtet seine emotionalen Verwüstungen an. Erst die blutjunge Studentin Gwenny, die ihn wegen einer Wette verführt, hält Oberstein den Spiegel vor. Gegen Ende scheint er langsam wie aus einem langen Traum aufzuwachen. Ob der Neuanfang an andrem Ort gelingt, bleibt offen.</p>
<p>„Mit Haut und Haaren“ ist eine Geschichte unserer Zeit. Die Schauplätze Amsterdam und Fairfax, Frankfurt und New York sind die Kulisse für die Beschreibung eines hoch angesehenen Wissenschaftlers, der ein beruflich erfolgreiches, aber sinnentleertes Leben führt, der das Gefühl für seine Gefühle verloren hat und dadurch eine Menge Schaden in seinem sozialen Umfeld anrichtet.</p>
<p>Dass diese Geschichte eines Anti-Helden trotzdem spannend und lehrreich zu lesen ist, verdankt der Leser dem schriftstellerischen Talent Arnon Grünbergs, dem es immer wieder gelingt, Sympathien für seinen Protagonisten zu wecken und ihn nicht einseitig darzustellen.</p>
<p>680 Seiten sind eine Menge Stoff. Die Hälfte hätte vielleicht auch gereicht, aber die Komplexität des Romans und die Vielzahl von Erzählsträngen erforderten mehr Ausführlichkeit. Trotz des großen Umfangs wird einem „Mit Haut und Haaren“ niemals langweilig, sondern man wird durch seine Neugier immer weiter vorwärts getrieben, bis man am Ende angelangt ist. Dann fragt man sich, wie die Geschichte weitergeht.</p>
<p>Die Antwort muss jeder selbst finden.</p>
<p>Das <a title="Interview mit Arnon Grünberg auf der Leipziger Buchmesse 2012 über “Mit Haut und Haaren”" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/1237">vollständige Interview</a> mit Arnon Grunberg auf der Leipziger Buchmesse 2012 finden Sie <a title="Interview mit Arnon Grünberg auf der Leipziger Buchmesse 2012 über “Mit Haut und Haaren”" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/1237">hier</a>.</p>
<p>Autor: Arnon Grünberg<br />
Titel: „Mit Haut und Haaren“<br />
Gebundene Ausgabe: 682 Seiten<br />
Verlag: Diogenes<br />
ISBN-10: 3257068131<br />
ISBN-13: 978-3257068139</p>
<p><em>Hat Ihnen die Rezension weiter geholfen? – belletristiktipps ist ein unabhängiges Medium für Rezensionen von belletristischen Neuerscheinungen. Damit dies auch so bleiben kann, brauchen wir Ihre Unterstützung: Wenn Sie dieses Buch kaufen möchten, benutzen Sie bitte den folgenden Link zu unserem KULTURBUCHLADEN oder unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer kleinen <a href="https://www.paypal.com/cgi-bin/webscr?cmd=_s-xclick&amp;hosted_button_id=4GPDC4C8K532W" target="_blank">Spende</a>. – Vielen Dank!</em></p>
<p><a href="http://astore.amazon.de/kulturbuchtipps-21/detail/3257068131" target="_NEW"><img src="http://www.kulturbuchtipps.de/images/kulturbuchladen.jpg" alt="" width="200" height="65" /></a></p>
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		<title>Interview mit Andrej Kurkow auf der Leipziger Buchmesse 2012 über &#8220;Der Gärtner von Otschakow&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Apr 2012 13:55:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[andrej kurkow]]></category>
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		<description><![CDATA[RALPH KRÜGER:  Herr Kurkow, als wir uns das letzte Mal trafen &#8211; das war vor zwei Jahren, als gerade &#8220;Der Milchmann in der Nacht&#8221; in Deutschland erschienen ist &#8211; erzählten Sie mir, dass Sie gerade an einer neuen Geschichte &#8211; über den &#8220;Gärtner von Otschakow&#8221; &#8211; schreiben. Nun ist das Buch fertig. Wie lange haben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/andrejkurkow2012-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1249" title="Andrej Kurkow (C) 2012 Ralph Krüger Berlin" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/05/andrejkurkow2012.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>RALPH KRÜGER:  Herr Kurkow, als wir uns das letzte Mal trafen &#8211; das war vor zwei Jahren, als gerade &#8220;Der Milchmann in der Nacht&#8221; in Deutschland erschienen ist &#8211; erzählten Sie mir, dass Sie gerade an einer neuen Geschichte &#8211; über den &#8220;Gärtner von Otschakow&#8221; &#8211; schreiben. Nun ist das Buch fertig. Wie lange haben Sie insgesamt an diesem Buch geschrieben?</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Ungefähr zwei Jahre, aber die ersten Kapitel habe ich schon früher angefangen. Vor vier Jahren habe ich die geschrieben, aber dann schrieb ich etwas Anderes &#8211; nämlich &#8220;Der Milchmann in der Nacht&#8221; &#8211; und danach bin ich dann zurück zum &#8220;Gärtner&#8221; gekommen.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Können Sie unseren Lesern in ein, zwei Sätzen erzählen, worum es im &#8220;Gärtner von Otschakow&#8221; geht?</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Das ist eine mystische und abenteuerliche Geschichte mit einer Zeitreise. Es spielt in der heutigen Ukraine, aber es geht auch um das Leben im Jahre 1957 &#8211; in der kleinen ukrainischen Stadt Otschakow. Ich versuchte einfach, die Atmosphäre und das Leben in zwei verschiedenen Zeiten zu vergleichen. In meiner neuen Geschichte gibt es auch ein Krimi-Element, weil die Hauptfigur zufällig herausfindet, wie sie den Weg in die Vergangenheit antreten kann, indem er eine Milizuniform von 1957 benutzt. Die Uniform hatte er nach einem Abenteuer als ein Geschenk bekommen. Danach reist er regelmäßig in die Vergangenheit und verliebt sich dort in eine Frau, die verheiratet ist, und trifft dort auf einige gefährliche Leute.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Und das ist dann wieder die Verbindung zu dem Gärtner in unserer heutigen Zeit&#8230;</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Genau. Alles beginnt mit einem ungefähr sechzigjährigen Mann, der auf dem Hof von Igor und seiner Mutter auftaucht. Die beiden sind von Kiev weg aufs Land gezogen und wohnen in einem Privathaus. Dieser Mann darf bei ihnen als Gärtner im Schuppen leben und dort zu arbeiten. Igor bemerkt eines Tages, dass der Gärtner ein nichtlesbares Tattoo auf dem Oberarm hat. Er findet dann heraus, dass diese Tätowierung von Stepans Vater gemacht wurde, als Stepan fünf Jahre alt war und eine Botschaft überbringen sollte. Als Stepan jedoch aufgewachsen war, war die Tätowierung herausgewachsen und nicht mehr zu entziffern. Igor ist aber sehr neugierig, macht ein digitales Foto von der Tätowierung, versucht es zunächst selbst zu entschlüsseln, schafft es aber nicht. Doch er hat einen Freund, der Computerspezialist ist, und dem gelingt es, die Tätowierung zu restaurieren. Und mit diesem Text beginnt die Reise, denn auf der Tätowierung war zu lesen: &#8220;Otschakow 1957, Jefim Tschagins Haus&#8221;.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Und so machen sich die beiden auf den Weg nach Otschakow und finden auch das Haus, in dem einst Jefim, der Onkel, gelebt hatte. Und dort in der Wand des verlassenenen Hauses finden Sie ein Versteck, in dem die Uniform und viele wertvolle, gestohlene Sachen aufbewahrt sind.  &#8211; Ich habe mich während des Lesens gefragt, wie Sie auf die Idee mit der Unifrom als Zeitmaschine gekommen sind?</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Eine Uniform ändert immer die Persönlichkeit. Wenn ein Mann schwach ist, liebt er Uniformen, denn eine Uniform verleiht ihm mehr Persönlichkeit und mehr Macht.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  In Ihrer Geschichte sind die Reisen in die vergangenheit parallel montiert. Immer in der Nacht geht die Reise zurück ins Jahr 1957. Doch mit der Zeit verstrickt sich Igor immer mehr in die verwickelte Geschichte Otschakows, die er in den Nächten besucht.</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Igor ist plötzlich in einem Leben mit anderen Regeln engagiert, und er übernimmt diese Regeln und wird auf diese Weise immer mehr ein Teil dieser vergangenen Geschichte.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Das ist wirklich sehr schön geworden. Was machen Sie aktuell? Gibt es neue Projekte?</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Ich habe vor einem Monat einen neuen Roman auf Russisch und Ukrainisch veröffentlicht. Der Roman heißt &#8220;Jimi Hendrix&#8217; Tournee nach Lemberg&#8221;. Das ist ein Roman mit zwei Handlungslinien. Es gibt sechs Helden, aber drei von diesen Helden sind reale Personen mit realen Namen und Adressen &#8211; die waren einverstanden, dass ich sie benutze. Es ist die Geschichte eines Hippies, der ist bis heute Hippie geblieben und war früher einer der Organisatoren der Hippie-Bewegung in der Westukraine. Es geht also um diesen Mann und um einen KGB-Offizier, der für Hippies verantwortlich war. Es gibt auch eine erfundene Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann, der nicht ganz bis zum Ende Medizin studiert hat, aber eine interessante Möglichkeit gefunden, Geld zu verdienen, und einer Frau, die in der Nacht in einer Geldwechselstube arbeitet, dabei jedoch immer lange Handschuhe trägt. Er denkt, dass sie besonders modisch ist, aber sie hat nur eine Geld-Allergie und kann kein Geld berühren. Das ist eine leicht verrückte Geschichte aus Lemberg, aber ich wollte auch einfach mal einen Roman über Lemberg schreiben.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Und Jimi Hendrix spielt auch eine wichtige Rolle?</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Ja, eine sehr wichtige Rolle sogar! Aber ich möchte nicht jetzt schon alles verraten&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Dann sind wir gespannt. Aber zunächst wünsche ich Ihnen viel Erfolg mit dem aktuellen Buch &#8220;Der Gärtner von Otschakow&#8221; und danke Ihnen für dieses Gespräch!</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Ich danke Ihnen auch.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Andrej Kurkow: „Der Gärtner von Otschakow“</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Apr 2012 13:49:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
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		<category><![CDATA[kritik andrej kurkov]]></category>
		<category><![CDATA[kurkow gärtner buch kritik]]></category>
		<category><![CDATA[liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension Andrej Kurkow Der Gärtner von Otschakow]]></category>
		<category><![CDATA[ukraine]]></category>
		<category><![CDATA[zeitreise]]></category>

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		<description><![CDATA[Igor lebt mit seinem Mutter in einem kleinen Vorort von Kiew. Das beschauliche Leben auf dem Lande ist ohne große Ereignisse. Igor ist 30, arbeitslos und eigentlich auch nicht wirklich arbeitswillig. Als Kind hat er einmal durch die Unachtsamkeit eines Verwandten ein Kettenkarussell an den Kopf bekommen und leidet seitdem immer mal wieder unter starken [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/kurkow-otschakow-b.jpg"><img class="alignleft  wp-image-1245" title="Andrej Kurkow: „Der Gärtner von Otschakow“" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/05/kurkow-otschakow.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Igor lebt mit seinem Mutter in einem kleinen Vorort von Kiew. Das beschauliche Leben auf dem Lande ist ohne große Ereignisse. Igor ist 30, arbeitslos und eigentlich auch nicht wirklich arbeitswillig. Als Kind hat er einmal durch die Unachtsamkeit eines Verwandten ein Kettenkarussell an den Kopf bekommen und leidet seitdem immer mal wieder unter starken Kopfschmerzen. Ansonsten ist von dem Unfall zum Glück nichts zurück geblieben, aber als Entschuldigung für seine Arbeitsunlust darf der Vorfall schon mal herhalten.</p>
<p>Eines Tages stellt die Nachbarin einen älteren, aber noch recht rüstig wirkenden Mann vor, der sich bei Igor und seine Mutter gern als Gärtner nützlich machen würde – gegen Kost und Logis, versteht sich. Das ist Stepan, ein Mann um die sechzig und mit einer verwaschenen Tätowierung am Unterarm.</p>
<p>Mit Hilfe seines Hacker-Freundes Koljan und dessen Photoshop-Künsten können sie die Tätowierung entschlüsseln: „Otschakow 1957, Jefim Tschagins Haus“. Was hat die Tätowierung mit Stepans Onkel Fima zu tun? Igor und Stepan machen sich auf die Suche und fahren in den kleinen ort am Schwarzen Meer, finden das ehemalige Haus von Fima Tschagin und entdecken dort einen Schatz. Eine Menge Diebesgut war hinter einer Wand eingemauert, darunter auch ein Koffer mit einer alten Milizuniform. Die bekommt Igor als seinen Anteil des gefundenen Schatzes.</p>
<p>Mehr aus Langeweile zieht er diese Uniform eines Abends an, weil er zu einer Sowjet-Retro-Party bei Koljan eingeladen ist. Während er sich im Dunkeln auf den Weg zum Bahnhof macht, geschieht etwas Seltsames. Er geht in die dunkle Nacht hinein und steht plötzlich in Otschakow! Noch absurder: Er befindet sich plötzlich im Jahr 1957!</p>
<p>Ein kleiner Dieb, Wanja, wird von ihm beim Wein-Klauen erwischt und muss ihm helfen, die ganze Sache zu verstehen. Solange Igor die Uniform trägt, bleibt er im Jahre 1957 und macht sich auf die Suche nach den Spuren von Stepans Onkel Fima.</p>
<p>Wie sich schon bald herausstellt, ist der alles Andere als ein Kleinkrimineller, sondern der Anführer einer gut organisierten Bande, die im Otschakow der Fünfziger ihr Unwesen treibt.</p>
<p>Wäre da nicht die schöne Rothaarige, die mit einem Fischer verheiratete Walja, die Igor den Kopf verdreht, so gäbe es keinen Grund für Igor, mit Hilfe der Milizuniform immer wieder in die Vergangenheit zu reisen, doch so kommt er immer wieder zurück in die kleine Stadt am Schwarzen Meer.</p>
<p>Wanja hat den Spezialauftrag, alles über Fima herauszufinden und Fotos zu machen. Diese Fotos lässt Igor bei einem kleinen Fotostudio in Kiew entwickeln. Die Aufnahmen sind auch künstlerisch wertvoll, und so wird aus dem Taugenichts Igor am Ende sogar noch ein bekannter Fotograf. Die Geschichte spinnt sich in typisch Kurkowscher Manier weiter, lässt der Erzählfreude des Autors viel Raum für Ausschmückungen und findet dann am Ende eine dramatische Zuspitzung, die sogar noch in einen Mord endet. Auf diese Weise ist für gute und hochqualitative Unterhaltung gesorgt.</p>
<p>Andrej Kurkow schrieb bereits vor zwei Jahren an dem „Gärtner von Otschakow“, wie er uns damals im Frühjahr 2010 in dem <a title="Interview mit Andrej Kurkow in Berlin am 27.02.10" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/564">Gespräch</a> über seinen Roman „<a title="Andrej Kurkow: „Der Milchmann in der Nacht“" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/561">Der Milchmann in der Nacht</a>“ verriet. „<em>Jetzt ist gerade in der Ukraine ein neues Buch von mir erschienen</em>“, sagt er während unseres <a title="Interview mit Andrej Kurkow auf der Leipziger Buchmesse 2012 über “Der Gärtner von Otschakow”" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/1248">Interviews auf der Leipziger Buchmesse</a>. Dort kennt man den „Gärtner von Otschakow“ schon seit einem Jahr. „Das neue Buch heißt: <em>Jimi Hendrix&#8217; Tournee nach Lemberg</em>“, verrät er uns in Leipzig. Das ganze Gespräch mit Andrej Kurkow können Sie hier lesen.</p>
<p>„Der Gärtner von Otschakow“ ist eine spannende Kriminalgeschichte mit einem Mystery-Touch, der durch die wiederholte Reise in die Vergangenheit der Ukraine eine interessante Note bekommt. Für alle Kurkow-Fans sowieso ein Muss, für alle Anderen ein unterhaltsamer Lesespaß von einem der besten Autoren der ukrainischen Literaturszene.</p>
<p>Das vollständige Interview mit Andrej Kurkow auf der Leipziger Buchmesse 2012 finden Sie <a title="Interview mit Andrej Kurkow auf der Leipziger Buchmesse 2012 über “Der Gärtner von Otschakow”" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/1248">hier</a>.</p>
<p>Autor: Andrej Kurkow<br />
Titel: „Der Gärtner von Otschakow“<br />
Gebundene Ausgabe: 342 Seiten<br />
Verlag: Diogenes<br />
ISBN-10: 325706814X<br />
ISBN-13: 978-3257068146</p>
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		<title>Interview mit Werner Bartens auf der Leipziger Buchmesse 2012 zu einem Buch &#8220;Betrügen lernen&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Apr 2012 13:09:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[gespräch werner bartens 2012]]></category>
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		<category><![CDATA[werner bartens im gespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[RALPH KRÜGER: Herr Bartens, die Leser kennen Sie als Wisschenschaftsjournalist und Sachbuch-Autor. Nun ist Ihr neues Buch &#8220;Betrügen lernen&#8221; erschienen. Wie kamen Sie auf die Idee, einen Roman zu schreiben? WERNER BARTENS: Ich habe früher einmal Medizin studiert, aber eben auch Deutsch und Geschichte. Diese Studien habe ich aus Interesse gemacht. Wenn mich jemand gefragt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/wernerbartens-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1224" title="Werner Bartens | © SZ Photo/Regina Schmeken" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/04/wernerbartens.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>RALPH KRÜGER: Herr Bartens, die Leser kennen Sie als Wisschenschaftsjournalist und Sachbuch-Autor. Nun ist Ihr neues Buch &#8220;<a title="Werner Bartens: “Betrügen lernen”" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/1219">Betrügen lernen</a>&#8221; erschienen. Wie kamen Sie auf die Idee, einen Roman zu schreiben?</p>
<p>WERNER BARTENS: Ich habe früher einmal Medizin studiert, aber eben auch Deutsch und Geschichte. Diese Studien habe ich aus Interesse gemacht. Wenn mich jemand gefragt hatte, warum ich denn diese ungewöhnliche Fächerkombination gewählt habe, habe ich immer gesagt, ich möchte später mal Arztromane schreiben. Das war natürlich nur halb ernst gemeint, aber ein bisschen Wahrheit steckt schon dahinter. Es gibt immer auch in den Sachbuchthemen oder auch im Journalismus bei der Süddeutschen Zeitung einen Punkt, an dem ich dachte, man müsste erzählerischer werden. Andere haben dann eher die Neigung, in Richtung Fachzeitschrift zu schreiben, also noch sachlicher und wissenschaftlicher, und ich finde eben das Erzählerische reizvoll. Zudem habe ich schon einmal in den neunziger Jahren für eine Seifenoper im Hörfunk für den WDR zwei Jahre lang die Drehbücher mitgeschrieben. Das war auch etwas, wo es nur um Liebe, Lust und Leidenschaft ging, also völlig weg von der Medizin. Und ich hatte auch schon einmal eine Art Fortsetzungsroman in einer Laborzeitschrift geschrieben. &#8211; Und die kurze Antwort auf Ihre Frage wäre: Als ich an meinem letzten Sachbuch saß, hatte ich die Idee von einem Mann, der Verhaltensforscher ist, was ja auch der Held in meinem Roman jetzt ist, und der immer wieder tragikomisch mit seinen Avancen scheitert, weil er entweder das, was er aus seiner Beobachtung von Tieren kennt, fälschlicherweise auf die Damenwelt überträgt, oder wenn es dann doch so weit ist, dass er einer Dame näher kommen kann, dann gibt&#8217;s andere tragikomische Momente, die das Ganze zum Scheitern bringen. Das Ganze ist eingebettet in die Geschichte einer fast zehnjährigen Ehe. Ich fand diese Kombination interessant, das Tabu mit dem Sex in der Ehe bzw. der Zustand, in den viele Partnerschaften nach langen Jahren geraten, mit jener tragikomischen Figur zu überhöhen und zu versuchen, dem Ganzen noch amüsante Momente abzugewinnen. In dem Moment hat mich das mehr fasziniert als die Arbeit an meinem Sachbuch, und so habe ich zunächst etwa hundert Seiten mit solchen Szenen aufgeschrieben, wo dieser mann mehr oder weniger lustvoll scheitert.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Aus Ihren Sachbüchern kennt man Sie als einen Autoren, der in einem sehr erzählerischen Stil schreibt. Sie haben das ja eben schon selbst angesprochen. Aus Ihrer Vita ist mir bekannt, dass Sie auch in den USA studiert haben. Angloamerikanische Sachbücher sind bekannt für ihre gute Lesbarkeit und für die Fähigkeit der Autoren, auch komplizierte wissenschaftliche Zusammenhänge leicht verständlich zu erklären. Ist Ihnen der Aufenthalt in den USA in dieser Hinsicht vielleicht eine Hilfe oder Anregung gewesen, Ähnliches in ihren eigenen Büchern zu versuchen?</p>
<p>WERNER BARTENS: Das ist eine interessante Frage, über die ich mir eigentlich noch nie Gedanken gemacht habe. In meinem Studium haben wir ganz klar die amerikanischen und englischsprachigen Lehrbücher bewundert und sie zum Teil auch gekauft, weil die besser und anschaulicher waren. Aufs Wesentliche reduziert und trotzdem nicht schlecht, sondern im Gegenteil: einerseits umfangreicher und trotzdem verständlicher. Ein stärkerer Einfluss war wohl eher, dass viele Wissenschaftler und Kollegen, die aus der Physik, Biochemie, Biologie und Medizin kommen, vor allem die Tendenz haben, der Peer Group gefallen zu wollen, aus der sie selbst kommen. Ich freue mich viel mehr, wenn Leute mein Buch verstehen, die nichts mit Medizin zu tun haben. Ich freue mich natürlich auch über Lob aus der Fachwelt, aber wichtiger ist mir, wenn mir die Tante eines Freundes, die nicht studiert hat, sagt, dass sie mein Buch verstanden hat. Der zweite Punkt, der mich schon bei meinem ersten Sachbuch über die Tyrannei der Gene, die Ängste und Hoffnungen, die sich auch jetzt bei der Diskussion über die Gentechnik zeigen, sehr wichtig erschien, war die Tatsache, dass ich sehr viel recherchiert hatte, dann aber beim Zusammenschreiben gemerkt habe, dass die Leser gar nicht wissen wollen, was ich alles weiß, sondern sie wollen möglichst kurz und verständlich gemacht bekommen, worum es mir als Autor geht. Ich habe das Ganze dann radikal zusammengedampft und vor jedem Kapitel mit zehn oder fünfzehn Seiten überlegt, was die Kernaussagen sind, die ich erzählen möchte. Ich selbst habe dazu zwar hunderte Studien und etliche Bücher gelesen, aber ich muss nur eine kurze Geschichte von zehn bis fünfzehn Seiten erzählen&#8230; Darauf kommt&#8217;s an. Das war ein sehr lehrreicher Prozess. Viele Autoren haben eher eine gewisse Angst vorm weißen Blatt und meinen, sie müssten alles aufschreiben, was sie wissen. Doch schon Voltaire hatte dafür einen schönen Spruch: &#8220;Die Kunst zu langweilen besteht darin, alles zu erzählen.&#8221; Als Rat für Autoren ist das sehr schön, und diesen Rat versuche auch ich zu beherzigen und nicht alles zu erzählen.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Ich stelle es mir ziemlich schwierig vor, hier als Autor Disziplin zu halten und die Balance zu finden. Denn auch das Gegenteil kann ja passieren, wenn man so viel Wissen angehäuft hat, dass man vieles voraussetzt, das so gar nicht beim Leser vorhanden ist, und den eigenen Text zu knapp formuliert&#8230;</p>
<p>WERNER BARTENS: Sicher ist das auch eine Gefahr, aber noch gefährlicher ist die Eitelkeit des Autors, sein Wissen auszubreiten und zu sagen, guck&#8217; mal, was ich alles kenne und weiß und so weiter&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER: Das belletristische Schreiben ist aber eine ganz andere Sache als das Schreiben von Sachbüchern. Da geht man doch an den Stoff ganz anders heran. Sie haben ja schon ein bisschen über die Idee zu diesem roman erzählt. Aber wie lief nun ganz konkret das Schreiben selbst ab? Hatten Sie ein Konzept und eine Gliederung für die Geschichte? Oder sind Sie von den Figuren ausgegangen und haben dann die Geschichte sich selbst immer weiter entwickeln lassen?</p>
<p>WERNER BARTENS: Ich hatte eine Gliederung und die beiden Hauptfiguren, also ein Ehepaar, das zwar einerseits sich gerne gegenseitig lieben möchte, aber dem andererseits die Liebe abhanden gekommen ist, deren Beziehung so langsam verwest und wo nur noch Restbestände übrig sind. Ich habe dann schon relativ bald gewusst, wo die beiden hinwollten, und dann habe ich die Geschichten weiter gesponnen. Ich habe bewusst keine Ortsangaben eingebaut und habe auch das Haus, in dem sie leben, nicht näher beschrieben. Ein Bekannter von mir hat gesagt, es wirkt fast wie eine Versuchsanordnung. Aber ich wollte es auf den Kern beschränken und keine epischen Landschaftsschilderungen und Ähnliches einbauen. Ich wollte es reduzieren auf diese seltsame Paarkonstellation: Er will Liebe von ihr, kriegt sie aber nicht. Also fantasiert er sich in seine verhaltensbiologischen Dinge hinein und denkt, dass eine Frau, sobald sie den Hals entblößt und den Kopf schräg, dass sie was von ihm will, nur weil das im Tierreich eine Unterwerfungsgeste ist. Und dann ist auf der anderen Seite die Frau, die eigentlich auch mehr Nähe und Liebe von ihm will, aber das bei ihm nicht findet und dann in ein Paar- und Beziehungsseminar geht. Daraus hat sich dann diese Geschichte weiter entwickelt. Ich habe dann bewusst auf ausschweifende Beschreibungen verzichtet, aber vielleicht wäre es dadurch noch gefälliger geworden, wenn ich noch ein bisschen üppiger die Szenerie drumrum beschrieben hätte&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER: Ich empfand die Beschränkung aufs Wesentliche eher als einen Vorzug Ihres Buches. es geht hauptsächlich um die Gefühle und das Verhalten der beiden Hauptfiguren. Wobei ja beide Charaktere schon einigermaßen vorbelastet sind, was Paarbeziehungen angeht. Alex, der Mann, ist Primatenforscher und geht in gewisser Weise betriebsblind in die Paarbeziehung; seine Frau Clara ist als Urologin täglich mit vielen entblößten Unterleibern und männlichen Schwächen konfrontiert und bekommt auf diese Weise wohl eine ganz andere Sicht auf die Dinge. Das macht es für die beiden sicherlich nicht leichter. &#8211; Mich würde natürlich interessieren, ob es sich bei Ihren beiden Protagonisten und ihrer Geschichte um rein fiktive Personen handelt oder ob es doch reale Vorlagen, ja vielleicht sogar autobiografische Anteile gibt? Ich bin nämlich ein bisschen sutzig geworden, als ich am Ende Ihres Romans eine Danksagung an &#8220;Klaus und Carolin, die immer noch ein glückliches Paar sind und ohne die dieses Buch kaum entstanden wäre&#8221;&#8230; Das kann ja nun vieles bedeuten.</p>
<p>WERNER BARTENS: Das ist gar nicht so spannend, denn Klaus und Carolin sind befreundete Lektoren, die beide bei unterschiedlichen Verlagen arbeiten, denen ich, nachdem ich ungefähr hundert Seiten zunächst für mich geschrieben hatte, das Manuskript gegeben habe, die aber soweit ich weiß, in keinster Weise in dem Roman vorkommen. Ich hatte die beiden dann gefragt, was sie als Freunde, aber eben auch als Lektoren von meinem Text hielten. Er ist Sachbuch-Lektor, und sie ist Belletristik-Lektorin bei unterschiedlichen Verlagen. Beide hatten mir gesagt, dass es oft Sachbuch-Autoren gibt, die versuchen, belletristische Texte zu schreiben, und sie müssten dann überlegen, wie sie es dem Kinde sagten&#8230; In meinem Fall hatten sie jedoch mehr im Spaß gesagt, dass sie sich streiteten, wer von den beiden Verlagsgruppen es denn nun machen solle. Deshalb meine Danksagung an die beiden, weil sie sich beide damit beschäftigt haben. Abgesehen davon, denke ich, dass in Deutschland neben der Fage nach dem Gehalt kaum ein Thema so tabuissiert ist, wie die Frage nach dem Sex in der Ehe und dem Zustand der Beziehungen, die länger dauern. Ich habe zu jener Zeit schon im Freundes- und Bekannntenkreis dieses Thema öfters mal angesprochen und fand es ziemlich überraschend. Denn Männer machen, das war jedenfalls meine Wahrnehmung, wenn sie überhaupt darüber reden, eher Sprüche oder gucken verschämt zu Boden. Und Frauen verdrehen oft die Augen. Es ist anscheinend vollkommen tabuisiert. Mit einigen habe ich dann aber doch darüber gesprochen, und dabei gab es dann doch so einige Geschichten oder Szenen, die ich mit reingenommen habe. zum Beispiel die Geschichte der Nacht im Hotel mit den Taubstummen im Nachbarzimmer: Die hat mir ein Kollege von einem Freund von sich erzählt, dem das passiert ist. das war nur eine ganz kurze Erwähnung, die ich dann zu einer ganzen Szene ausgesponnen habe. Ansonsten gibt es natürlich auch ein paar nebensächliche Anekdoten und Geschichtchen, die auch was mit mir selbst zu tun haben, aber nicht mit dem Hauptstrang. Man kann das wohl auch gar nicht so klar trennen, wenn man schreibt, da vermischen sich immer wieder Teile von selbst Erlebtem mit der Romanhandlung. Aber ich habe sehr darauf geachtet, dass ich nicht meine eigene Beziehung oder Ehe darin erzähle oder was Freunde mir im Vertrauen gesagt haben, dort öffentlich ausbreite.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Sie haben also keinen Prozess zu erwarten und müssen auch nicht mit geschwärzten Passagen in Ihrem Buch rechnen.</p>
<p>WERNER BARTENS: Spontan nein, aber ich staune immer wieder, dass mich selbst bei Sachbüchern Leute ansprachen, die ich nur flüchtig kannte und von denen ich überhaupt nicht viel wusste, die sich da irgendwie beschrieben gefühlt haben. &#8211; Bei Sachbüchern! Wo es nur um die kurze Schilderung einer abendlichen Party geht, bei der etwas gereicht wurde und man auf seine Figur achtete&#8230; Das gibt&#8217;s millionen Mal in der Republik, und die habe ich auch gar nicht gemeint und weiß gar nicht, ob ich bei denen mal auf einer Party war &#8211; und trotzdem heißt es: Na, da hast du doch uns beschrieben&#8230;! &#8211; Also insofern: Wer weiß, was bei dem Roman noch kommt?!</p>
<p>RALPH KRÜGER: Ihr Roman ist auf jeden Fall sehr unterhaltsam geschrieben, und in gewisser Weise ahndelt es sich ja bei &#8220;Betrügen lernen&#8221; um einen satirischen Roman, weil er ein im Grunde ernstes und manchmal sogar tragisches Thema auf eine Art beschreibt, die jene Geschichte sowohl für Frauen als auch für Männer zu einer unterhaltsamen und karthatischen Lektüre macht.</p>
<p>WERNER BARTENS: Das ist auch ein heikleres Thema, als ich es selber zunächst dachte. Einerseits gab es ein paar gute Bekannte, die es zwischen durch gelesen haben. Der eine hat mir dann sehr ausführlich geschrieben und sagte: Es ist wirklich unterhaltsam und lustig, aber an manchen Stellen wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, weil der Text auch so traurige und fast melancholische Aspekte hat. Diese traurigen Aspekte werden natürlich oft von den überspitzten, satirischen Szenen überdeckt. Ich hatte jetzt schon ein paar Lesungen mit dem neuen Buch gehabt, unter anderem auch gestern, und da haben die Leute an manchen Stellen sehr gelacht und hatten wohl einen sehr unterhaltsamen Abend. Nach der Lesung gab es dann für die Zuhörer auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen, und ich hatte mir schon gedacht, dass es nach einer solch satirisch überspitzten Lesung wohl auch schwierig sein würde, ernsthaft über dieses Thema des chronischen Beziehungsversagens von Mann und Frau zu sprechen&#8230; und so war es dann auch.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Wäre dieses Thema für Sie als Autor nicht auch als Sachbuch-Thema interessant? Sie kommen ja eigentlich von der medizinischen Seite, sind aber als Wissenschaftsjournalist auch in einem breiteren wissenschaftlichen Kontext tätig.</p>
<p>WERNER BARTENS: Mir hat es extrem viel Spaß gemacht, an diesem Buch zu arbeiten, und ich fand es auch lustig, diesem eigentlich traurigen Thema seine selbstironischen und amüsanten Seiten abzugewinnen. &#8211; Ich überlege gerade&#8230; In einer überhöhten, unterhaltsamen Sachbuch-Art ginge das Thema natürlich auch, aber dann hätte ich viel mehr Sorge, dass es in diesem Fall auch nicht immer angemessen sein mag, es so leichtfüßig zu machen. Einerseits mag ich es auch selbst, wenn Sachbücher unterhaltsam sind, andererseits bin ich mir nicht sicher, ob ich da auch den richtigen Ton treffen würde&#8230; Ich glaube, es ist einfacher, wenn man jemanden bei seinem Wellness-Wahnsinn und seinen Diät-Bemühungen ein bissche auf die Schippe, als wenn man das Thema meines Romans in einem Sachbuch mit entsprechenden Daten und Untersuchungen unterfüttert. Vielleicht schmunzeln die Leute dann auch über sich, aber ich wäre mir nicht sicher, ob ich dabei den Sachbuch-Ton so gut treffen würde&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER: Weil das Thema auch so heikel ist&#8230;</p>
<p>WERNER BARTENS: Auf der anderen Seite gibt es ja hunderte von Beziehungsratgebern und Büchern über Sex. Da müsste ich noch den Dreh finden, dass ich denke, ja, das braucht die Welt jetzt auch noch von mir&#8230; Das war es auch, was ich mir bei meinen anderen Büchern zu verschiedenen medizinischen Themen gelungen ist: Solch einen Zugang zu jenen Themen gab&#8217;s eben vorher so noch nicht.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Wie lange haben Sie denn an Ihrem Roman geschrieben?</p>
<p>WERNER BARTENS: Der Grundstock an Szenen, wo der Held gescheitert ist, das ging sehr, sehr schnell. Innerhalb von etwa drei bis vier Monaten war das fertig, und dann habe ich eher noch den Stoff reduziert. Aber letztlich hat da s Komponieren der gesamten Geschichte und die Integration seiner Frau, die ja auch eine Entwicklung durchmacht, noch einmal mehr als ein zusätzliches Jahr gedauert. insgesamt hat es also etwas anderthalb Jahre gebraucht, wobei ich ja während jener Zeit nicht nur an dem Buch geschrieben, sondern auch noch meine Redakteursstelle gehabt habe. Und das Schreiben ging auch anders als bei Sachbuchthemen. Da sind meine Gliederungen oft so klar, dass ich auch abends, wenn ich nur mal eine Stunde Zeit habe, dann dieses kleine Unterkapitel von zwei, drei Seiten schreiben kann. Das ging bei dem Roman gar nicht, da brauchte ich schon mehr Zeit am Stück, weil ich das Gefühl hatte, ich müsse erst wieder reinkommen in den Ton und die Entwicklung der Geschichte. Das konnte ich also nicht mal eben eine Stunde lang machen, sondern musste schon einen ganzen Abend oder ein ganzes Wochenende oder einen ganzen Tag frei haben, um damit weiter zu kommen.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Haben Sie dieses Buch auch am Rechner geschrieben? Denn es gibt ja nach wie vor die zwei Fraktionen, gerade bei belletristischen Texten: Die einen bestehen darauf, mit der Hand schreiben zu müssen, weil dies den Schreibprozess sinnlich macht und nur dfas Schreiben per Hand die Kreativität anregt. Die anderen schreiben einfach am Rechner, weil es schneller geht und die Korrekturen viel leichter und angenehmer macht. &#8211; Aber Sie haben den Roman am Rechner geschrieben?</p>
<p>WERNER BARTENS: Ja. ich habe zwar meine medizinische Doktorarbeit damals noch per Hand geschrieben, weil meine damalige Freundin und ich uns den Computer geteilt hatten und sie an einer ewigen Hausarbeit saß und mir das nichts ausmachte. Aber meine erste journalistische Sozialisation war, dass ich all die Texte der Computer-Verweigerer redigiert habe, die Ende der neunziger Jahre in den Medien noch betont haben, warum sie bei der Handschrift bleiben und gar nicht am Computer schreiben wollen&#8230; Ich selbst bin nun nicht so besonders computer-affin, aber ich benutze den Computer sehr gern zum Schreiben. Und ich finde es auch als einen sehr großen Vorteil des Computers empfinde, weil ich keine besonders schöne Handschrift habe, ist die Tatsache, dass man es bei einer Handschrift immer ganz deutlich sieht, wenn jemand etwas gerade noch so auf eine Seite quetscht&#8230; Da sagt das Schriftbild schon sehr viel darüber aus, wie man das selbst findet, was man da geschrieben hat. Da ist der Computer viel unbestechlicher, weil alles gleich aussieht, auch der blödeste Gedanke. Im nachhinein ist das aber besser, weil man alles gleichberechtigt noch einmal lesen und prüfen kann und muss.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Herr Bartens, der Roman ist geschrieben und erschienen. Was sind Ihre aktuellen Projekte?</p>
<p>WERNER BARTENS: Es gibt ein Sachbuch, was hoffentlich und wahrscheinlich im Herbst erscheint, über Medizinthemen: über die Ökonomisierung und Industrialisierung der Medizin. Und das wird nicht nur so theoretisch und gesundheitspolitisch behandelt, sondern geht den Fragen nach, warum das zusehens auch schädlich für die Patienten ist und warum die Medizin, als Wachstumsbranche verstanden, nicht dazu führt, dass die Menschen gesünder werden, sondern eher kränker. Und dann gibt es noch eine weitere Romanidee, abr da habe ich noch gar nicht angefangen&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER: Wie sind Sie eigentlich zum Journalismus gekommen? Sie haben ja Medizin, Germanistik und Geschichte studiert, aber gab es damals schon die Idee, Journalist zu werden?</p>
<p>WERNER BARTENS: Die Neigung für beide Seiten war früh da. Die Unzufriedenheit mit der Medizin wuchs mit der Zeit, obwohl uns immer gesagt wurde, nach dem Physikum wird&#8217;s besser, im Praktischen Jahr wird&#8217;s besser, als Assistenz-Arzt wird&#8217;s besser&#8230; und ich habe eigentlich immer noch mehr die strukturellen Schwächen gesehen, die ich auch nicht als erster entdeckt habe, sondern dachte, dass das ein ziemlich reformunfähiger Haufen, und du wirst es wahrscheinlich, selbst wenn du in diesem System bleibst und dich bemühst, nicht schaffen, alle diese Themen &#8211; Psychosomatik, fehlende Interdisziplinarität, zuviel Bürokratie, zu wenig Zeit für Patienten &#8211; so schnell zu ändern, abgesehen davon, wie sich Ärzte qualifizieren &#8211; nämlich über Forschung und nicht über gute Arbeit mit Patienten. Ich habe ja selbst viel Forschung gemacht und fand das dann umso absurder, dass diejenigen, die sich immer dem Krankenbett entziehen, später jene sind, die später Karriere machen und Chefärzte werden. All das wurde immer stärker, und gleichzeitig gab es so ein Erweckungserlebnis: Als ich in den USA war, habe ich einen Film gesehen &#8211; &#8220;Lorenzo&#8217;s Oil&#8221;, eine wahre Geschichte über einen schwerkranken Jungen, und die Eltern organisieren dann Hilfe- und Selbsthilfe-Organisationen, Kongresse und vermeintliche Therapien. Das beruht auf einer wahren Geschichte. Den habe ich gesehen, und es war so ein melodramatischer Hollywood-Schinken, aber irgend etwas stimmte für mich daran nicht. Abend snach dem Labortag habe ich mich hingesetzt und eine Rezension geschrieben. Und als ich dann wieder auf die Uhr geguckt habe &#8211; etwas pathetisch überhöht -, war es ein Uhr nachts, und ich hatte die Zeit vergessen. nennen Sie es einfach Begeitserung oder &#8220;Flow&#8221; oder wie auch immer, ich hatte damals nur gemerkt: Hoppla, das ist ja etwas, was dir bei deiner Tätigkeit im Labor oder anderswo nicht so widerfährt&#8230; Das ist etwas Kostbares. Dass dann der Text zwei Monate danach auf der Titelseite des Feuilletons der FAZ erschien, war zwar nett, aber nicht das Entscheidende. Ich hatte das Glück, dass der Film in Deutschland etwa zwei Monate später anlief als in den USA. Ich hatte meine Rezension an vier, fünf große Zeitungen in Deutschland geschickt, und als der Film in Deutschland rauskam, hat die FAZ es rausgebracht. Das war also mein erster journalistischer Text, und das ist ja kein so schlechter Erfolg dafür&#8230; Ich habe insgesamt so fünfzehn Texte losgeschickt, und nach der FAZ kamen dann auch die Rundschau und Die Zeit, und bis auf einen text wurden alle in den großen Medien gedruckt. Das war natürlich eine schöne Bestätigung, aber das Entscheidende war wirklich dieses Gefühl, das ich bis heute immer wieder habe, dieses völlige Vergessen der Zeit und die Freude, immer weiter am Text zu arbeiten und ihn zu verbessern. Bis heute komme ich in diesen Schwebezustand &#8211; nicht bei jeder kleinen Meldung, aber doch bei mittelgroßen Texten, die ich im Alltag schreibe.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Schön.</p>
<p>WERNER BARTENS: Eben! und dies bei sich zu merken, war für mich sehr wichtig. natürlich war es dann auch nicht so leicht zu sagen, ich gebe das andere alles auf. ich hatte promoviert und hatte schon einige Fachveröffentlichungen und war eigentlich auf dem Weg zu einer akademischen Laufbahn. Alle haben gesagt, du hörst doch nicht mehr auf, nachdem du so viel investiert hast, aber ich habe es nicht bereut.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Heute sind Sie Leitender Redakteur im Ressort Wissenschaft der Süddeutschen Zeitung. Hat ihnen da geholfen, dass Sie eigentlich nicht aus dem journalistischen, sondern aus dem medizinischen Bereich kommen?</p>
<p>WERNER BARTENS: Na, ich bin schon ein Quereinsteiger, aber man konnte es nicht ahnen und auch nicht planen. Ich war ja vorher bei der Badischen Zeitung in Freiburg. &#8211; Gerade der Wissenschaftsjournalismus ist ja ursprünglich eher von den Physikern geprägt, aber es war dann auch sehr gut, dass ich da reingeraten bin. Das hat sich über die Jahre entwickelt, weil ich regelmäßig für Die Zeit und die Süddeutsche frei geschrieben habe.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Herr Bartens, ich danke Ihnen für das interessante Gespräch.</p>
<p>WERNER BARTENS: Vielen Dank.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Werner Bartens: “Betrügen lernen”</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Apr 2012 12:58:52 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Man kennt Werner Bartens als erfolgreichen Autor von medizinischen Sachbüchern. Seine Bücher gegen den Fitness- und Vorsorge-Wahn, über Gentechnik, Medizin-Irrtümer und Glücks-Medizin sind Bestseller. Hauptberuflich arbeitet der mit vielen Preisen ausgezeichnete Wissenschaftsjournalist als Leitender Redakteur des Ressorts Wissenschaft bei der Süddeutschen Zeitung. Jetzt also ein Roman. Das ist nicht ganz so überraschend wie es zunächst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/bartens-betruegen-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1220" title="Werner Bartens: “Betrügen lernen”" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/04/bartens-betruegen.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Man kennt Werner Bartens als erfolgreichen Autor von medizinischen Sachbüchern. Seine Bücher gegen den Fitness- und Vorsorge-Wahn, über Gentechnik, Medizin-Irrtümer und Glücks-Medizin sind Bestseller. Hauptberuflich arbeitet der mit vielen Preisen ausgezeichnete Wissenschaftsjournalist als Leitender Redakteur des Ressorts Wissenschaft bei der Süddeutschen Zeitung.</p>
<p>Jetzt also ein Roman. Das ist nicht ganz so überraschend wie es zunächst scheint, wenn man sich mit der akademischen Laufbahn von Werner Bartens befasst: „<em>Ich habe Medizin, Germanistik und Geschichte studiert</em>“, erzählt er in unserem <a title="Interview mit Werner Bartens auf der Leipziger Buchmesse 2012 zu einem Buch “Betrügen lernen”" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/1222">Gespräch auf der Leipziger Buchmesse</a>. Der Wunsch, einen Roman zu schreiben, war immer schon da.</p>
<p>Die Geschichte ist schnell erzählt. Es geht um das Problem, mit dem die meisten Ehen früher oder später zu kämpfen haben: kein Sex. Aber bei Alex, dem Verhaltensforscher, und seiner Frau Clara, einer Ärztin, ist der Fall besonders knifflig:</p>
<p>Alex überträgt seine Forschungsergebnisse, die er bei der Beobachtung des Kopulationsverhaltens von Primaten gewinnt, 1:1 auf das menschliche Sexualverhalten, mit den zu erwartenden Schwierigkeiten; die Tatsache, dass seine Frau in ihrer Praxis als Urologin täglich alle Sorten männlicher Geschlechtsteile sieht und befühlt und mit allen Funktionen des menschlichen Unterleibs bestens vertraut ist, macht es auch nicht gerade leichter.</p>
<p>Beide leiden also unter einer ganz speziellen Art von berufsbedingter Komplizierung ihres ehelichen Sexualverhaltens. Das dies jedoch nicht so bleiben soll, ist beiden klar. Während Alex aktiv darüber nachdenkt, sich durch einen (oder mehrere) Seitensprünge selbst zu beweisen und sich seines Mannseins wieder sicherer zu werden, zieht Clara einen Vortragsabend bei dem Wunderheiler Raffael vor, der sich auf Konflikte in Paarbeziehungen spezialisiert hat. Dass beide Herangehensweise so ihre Tücken haben, ist aber ebenso klar.</p>
<p>Werner Bartens gelingt mit „Betrügen lernen“ eine leichtfüßige und unterhaltsame Geschichte, die man auch tragisch erzählen und ausgehen lassen könnte. Aber im Wunderland der Fiktion darf auch das Träumen nicht zu kurz kommen – wie übrigens auch in jeder Ehe oder langjährigen Partnerschaft. Die Geschichte geht gut aus, soviel sei hier schon verraten. Doch bis dahin müssen beide Protagonisten einige Hürden überwinden und über den eigenen Schatten springen.</p>
<p>Aber nur so geht es auch im richtigen Leben zu. Damit eine Ehe dauerhaft glücklich bleibt, müssen beide kräftig mit anpacken. Was wie eine Binsenweisheit klingt, ist alltäglich erfahrbare Wirklichkeit in jeder Partnerschaft. Ist das erste Feuer gelöscht, bleibt die Frage, ob genug Hitze im Holz bleibt, um einen leichten Schwelbrand über viele Jahre durch leichtes und regelmäßiges Pusten aufrecht zu erhalten. Manchmal braucht es auch ein Streichholz, um das Ehebett warm zu bekommen. Die Frage ist nur, wie man das Streichholz richtig hält, denn auch darauf kommt es natürlich an. Man kann nicht einfach das Verhalten der Paviane auf das eigene Verhalten übertragen, ohne Gefahr zu laufen, von der eigenen Frau für verrückt oder aufdringlich gehalten zu werden.</p>
<p>Missverständnisse sind zwischen Mann und Frau nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Was beim schlechten Einparken oder beim Nicht-nach-dem-Weg-Fragen noch witzig sein kann, wird spätestens im Bett zum echten Problem. Wie man von solchen Problemen jedoch lustig und in einer hübschen Geschichte erzählen kann, zeigt Werner Bartens in seinem Debüt.</p>
<p>Mit einer gehörigen Portion Selbstironie wird hier der ewig von sich selbst überzeugte und gleichzeitig immer zweifelnde Mann gezeigt, der die Flaute im Ehebett als eine Aufgabe sieht, die „man“ lösen kann und muss, während ihm seine Frau schon fast abhanden kommt, weil sie sich nicht mehr geliebt und begehrt fühlt.</p>
<p>„Betrügen lernen“ ist ein gelungener Ausflug in die Belletristik und könnte den Autor dazu verleiten, auf diese Weise noch weitere Geschichten erzählen zu wollen. Es wäre keine schlechte Entscheidung.</p>
<p>Das vollständige Interview mit Werner Bartens auf der Leipziger Buchmesse 2012 finden Sie <a title="Interview mit Werner Bartens auf der Leipziger Buchmesse 2012 zu einem Buch “Betrügen lernen”" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/1222">hier</a>.</p>
<p>Autor: Werner Bartens<br />
Titel: “Betrügen lernen”<br />
Broschiert: 224 Seiten<br />
Verlag: Karl Blessing Verlag<br />
ISBN-10: 389667465X<br />
ISBN-13: 978-3896674654</p>
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		<title>Interview mit Tilman Birr auf der Leipziger Buchmesse 2012 zu seinem Buch &#8220;On se left you see se Siegessäule&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Mar 2012 11:21:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[RALPH KRÜGER: Ein schönes Buch haben Sie da geschrieben, Herr Birr. Sie kommen ja ursprünglich aus der Kabarett-Szene &#8211; oder wie würden Sie sich beschrieben? TILMAN BIRR: Ursprünglich komme ich ja aus der Lesebühnen-Szene. Und das merkt man meinen Geschichten sicherlich auch an, allein schon durch die Länge. Kabarett ist etwas, das ich gemacht habe. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.beleltristiktipps.de/images/tilmanbirr-sarah-bosetti-b.jpg"><img class="alignleft  wp-image-1210" title="Tilman Birr (C) Sarah Bosetti | www.tilmanbirr.de" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/03/tilmanbirr-sarah-bosetti.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>RALPH KRÜGER: Ein schönes Buch haben Sie da geschrieben, Herr Birr. Sie kommen ja ursprünglich aus der Kabarett-Szene &#8211; oder wie würden Sie sich beschrieben?</p>
<p>TILMAN BIRR: Ursprünglich komme ich ja aus der Lesebühnen-Szene. Und das merkt man meinen Geschichten sicherlich auch an, allein schon durch die Länge. Kabarett ist etwas, das ich gemacht habe. Das Label habe ich mir gegeben, weil sich die Meisten darunter etwas vorstellen können. Wenn ich sage, ich habe Lesebühnen-Geschichten geschrieben, und die lese ich dann vor, dann sagt der große Teil, die sich mit Lesebühnen nicht auskennen nur: &#8220;Hääh?!&#8221; Aber mein erstes Kabarett-Programm, das ich bislang gespielt habe, waren auch Lesebühnen-Geschichten, die ich dann vorgelesen habe. Die meisten Geschichte habe ich dann, weil sie ja dialogbasiert waren, gespielt und manchmal auch ein paar Lieder dazu gespielt &#8211; und was da am besten als zusammenfassende Bezeichnung passt, ist der Begriff &#8220;Kabarett&#8221;.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieses Buch zu schreiben, und wieviel Autobiografisches steckt da drin?</p>
<p>TILMAN BIRR: Ich habe diesen Job tatsächlich gemacht, und ich war auch in der Situation, in der sich der Protagonist sieht, nämlich: Jetzt habe ich fertig studiert, bin Geisteswissenschaftler und muss mir die Frage stellen, ob ich jetzt auch unbezahlte Praktika machen wie alle meine anderen Freunde? Eigentlich möchte ih doch nur so ein bisschen im Park sitzen und Bier trinken&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER: Was haben Sie studiert?</p>
<p>TILMAN BIRR: Geschichte. &#8211; In dem Buch kommen ja Schlägereien vor, und es gibt Leute, die ausfallend werden, einer springt über Bord usw. &#8211; Das ist natürlich alles literarische Verdichtung. Ich habe keinen Kollegen gehabt, der über Bord gegangen ist, aber im Buch kommt einer vor. &#8211; Ich kannte die Situation, wie sie auf dem Schiff ist. Ich wusste, welche Leute da kommen und wie die Atmosphäre ist. Mit dem, was man halt sonst noch über Menschen weiß, die man mal irgendwo anders gesehen hat, kann man sie einfach auf das Schiff verpflanzen und ein paar Gewürze dazu geben, und so wird es eine schöne Geschichte.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Es ist auf jeden Fall ein sehr unterhaltsames Buch geworden, dass trotz der berüchtigten Berliner Schnauze doch ein gewisses Niveau behält, das glücklicherweise zum Beispiel über das Niveau eines Mario Barth weit hinaus geht&#8230;</p>
<p>TILMAN BIRR: Es gibt natürlich auch diese Episoden, die so ein bisschen &#8220;auf die Kacke hauen&#8221;, wenn zum Beispiel ein Herrentagsgruppe auf dem Ausflugsschiff ist und dann mit Biergläser schmeißt und so. Aber es gibt auch diese Geschichte, die viele toll finden, wenn da ein paar Amerikaner aufs Schiff kommen und fragen: Was ist denn nun eigentlich dieses Preußen? &#8211; Und dann reflektiert der Protagonist vier, fünf Seiten über die Geschichte Preußens und kann am Ende auch nur sagen: &#8220;Das ist Norddeutschland und der Osten&#8221;&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER: Das ist ja das Schöne an Ihrem Buch, dass eigentlich für jeden Leser etwas dabei ist, sowohl für den Akademiker als auch für den durchschnittlichen Leser von Unterhaltungsliteratur.</p>
<p>TILMAN BIRR: Das ist eben so, wie ich schreibe. Ich habe mir da keine große Mühe gegeben, den Text unbedingt massenkompatibel zu machen.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Wie ist denn nun der Text entstanden. Von der Verlagsleiterin Ihres Verlags habe ich gehört, dass die Texte eher unsortiert beim Verlag angeliefert wurden. Wie sind Sie an das Schreiben heran gegangen?</p>
<p>TILMAN BIRR: Das Vormanuskript waren ca. 60 Seiten. Ich hatte versuht, das schon damals in eine Sortierung zu bringen, aber anfangs war noch kein Spannungsbogen drin, und es war im Grunde nur erkennbar, was für einen Stil das hat und welche Geschichten man erwarten kann. Die Idee kam eigentlich daher, dass ich sowieso schon mit einer Literaturagentur zusammen gearbeitet hatte und der meinen Stapel Geschichten geschickt hatte. Und eine Geschichte, die es damals schon gab, spielte auf dem Ausflugsschiff. In dem Buch heißt sie jetzt &#8220;Cerveza&#8221;, ursprünglich hieß sie anders. Aber dann sagte der Agent: &#8220;Ach, das ist ja interessant! das haben Sie wirklich gemacht? Dann machen Sie damit mal weiter&#8230;&#8221; &#8211; Und so habe ich eben angefangen, und dann tauchten immer mehr Geschichten auf, und am Ende stand da ein Buch.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Das war also ein Ferienjob für Sie?</p>
<p>TILMAN BIRR: Ich war tatsächlich in derselben Situation wie der Protagonist dieses Buches, der ja auch zufällig Tilman heißt. Dass ich fertig studiert hatte und irgendwas arbeiten musste, und dann hatte ich zufällig einen Freund eines Freundes, der diese Arbeit machte und meinte: &#8220;Och, bewirb&#8217; dich doch mal. Ich mach&#8217; das, und das ist ganz angenehm&#8230;&#8221; Ich dachte mir: &#8220;Mensch, der hat recht! das ist bestimmt ganz angenehm. Ich kann einfach nur auf dem Schiff sitzen, muss mich nicht bewegen, kann einfach nur reden, das, was ich aus dem Studium ja sowieso schon weiß, und Recherchieren habe ich ja gelernt&#8230;&#8221; Dann habe ich das gemacht, und es war in der Tat ein sehr angenehmer Job.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Mit viel Trinkgeld?</p>
<p>TILMAN BIRR: Ja, es hing natürlich immer darauf ab, wie viele Leute auf dem Schiff waren und wie die allgemeine Stimmung war und das Wetter und so. Aber ich musste während dieser Zeit nicht ein einziges Mal zum Geldautomaten gehen. Ich musste natürlich immer alles mit Münzen bezahlen, aber ich hatte immer Kleingeld in der Tasche.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Vielleicht können Sie unseren Lesern noch etwas über Ihre Aktivitäten bei der Lesebühne erzählen. Sie sind ja der Betreiber der &#8220;Lesebühne Ihres Vertrauens&#8221; in Frankfurt.</p>
<p>TILMAN BIRR: Die Lesebühnen habe ich kennen gelernt, als ich 2000 nach Berlin gezogen bin, und habe mir dann gedacht, warum gibt es das eigentlich nicht auch in Frankfurt? Ich hatte damals schon in Berlin gewohnt, dann aber in Frankfurt angefangen. Anfangs war das Ganze noch sehr wackelig und mit wechselndem Stamm. Seit vier, fünf Jahren sind wir ein fester Stamm. Wir sind insgesamt zu viert und lesen einmal im Monat unsere Texte vor in einem kleinen Laden, der &#8220;Ponyhof&#8221; heißt. Früher war es anders, aber mittlerweile sind wir alle Profis: Severin Groebner ist dabei, ein Kabarettist aus Wien, der lange in Bayern wohnte und jetzt in Frankfurt zu Hause ist; Elis ist auch ein Lesebühnenmensch, der lange in Berlin Lesebühne gemacht hat; und Lisa Danulat, eine Dramatikerin, die aber auch Lesebühne kann und die in der letzten Saison am Staatstheater in Mainz Hausautorin war. Seit ein paar Jahren erfreuen wir uns wachsender Beliebtheit. In den Laden passen 90 Leute rein, wenn wir sie quetschen, aber wir müssen immer wieder welche wegschicken, weil wir sonst Ärger kriegen wegen der Brandschutzbestimmungen&#8230; Da ist also meine künstlerische Heimat und natürlich auch meine emotionale. Das ist wirklich die Veranstaltung, die mir am liebsten ist.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Kann man von so etwas leben?</p>
<p>TILMAN BIRR: Von der Lesebühne allein kann man nicht leben. Wir machen das ja als Veranstaltung in einer Kneipe und nehmen nicht mehr als fünf Euro, und dann kann man sich ausrechnen, wenn 90 Leute reinpassen, was dabei rumkommt. Es war aber natürlich für den Anfang, als ich noch studiert hatte, war das der Ort, an dem ich gelernt habe. Im Gespräch mit Kollegen und mit meinem eigenen Trial &amp; Error-System habe ich mein Handwerk auf jeden Fall auf den Lesebühnen gelernt.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Mit dem neuen Programm zu dem Buch gehen Sie ja auch demnächst auf Tour&#8230;</p>
<p>TILMAN BIRR: Das Programm besteht dann aus Buchlesung mit Musik. Ich lese dann aus dem Buch vor, und dann spiele ich auch noch ein paar Lieder dazu, die thematisch nicht unbedingt was mit dem Buch zu tun haben, aber es lockert die Sache ein bisschen auf. Also eine Buchlesung mit Musik.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Haben Sie das neue Programm denn shon mal aufgeführt?</p>
<p>TILMAN BIRR: Ich habe schon mal ein paar Geschichten aus dem Buch gelesen, aber in Berlin am ersten Aprilwochenende im Kookaburra und am 9. April in der Lach-und-Schieß-Gesellschaft in München geht es dann richtig los. Diese beiden Termine nehme ich für mich als Premieren für das neue Programm wahr. Das Schöne an der Buchlesung ist ja auch, dass es sich immer wieder verändern wird. E wird nicht immer derselbe Text gelesen, und die Musik wird sich wahrscheinlich auch ändern.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Aber Sie haben doch schon öfters Teile aus dem Buch gelesen. Wie waren da die Reaktionen aus dem Publikum?</p>
<p>TILMAN BIRR: Die Reaktionen waren gut. Ich habe ja auch ein Hörbuch aufgezeichnet zu diesem Buch. Das haben wir in Frankfurt, Berlin und München gemacht. In Frankfurt waren die Publikumsreaktionen meine Erwartungen weit übertroffen. Man darf auch das Hörbuch kaufen, dann hört man immer den Kollegen Severin Groebner im Hintergrund immer lachen: &#8220;Hä! Hä! Hä! Hä!&#8221; &#8211; In Berlin war’s auch super. Ich habe bis jetzt noch keinen Abend erlebt, wo ich aus dem Buch gelesen habe und die Leute sagten, naja, war ganz schön, aber phhh &#8211; mehr auch nicht&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER: &#8220;On se left you see the Siegessäule&#8221; ist also jetzt auf dem Markt. Was kommt danach? Haben Sie schon Pläne? Werden Sie jetzt Schriftsteller oder bleiben Sie in der Grauzone zwischen Autorenschaft und Lesebühne&#8230;</p>
<p>TILMAN BIRR: Man will ja immer ganz viel. Ich will natürlich weiter Musik schreiben, ich will auch Bücher schreiben, und ich will auch auftreten. Was jetzt genau passiert, weiß ich auch nicht. Ich würde natürlich auch gern mal einen Roman schreiben, aber das ließe sich eher schwer auf eine Kabarett-Bühne bringen. Da kann man natürlich eine Romanlesung machen, aber das wäre eben etwas ganz Anderes. Das würde ich dann eher nicht in den Kabarett-Läden spielen. Ich kann es selbst nur abwarten und gucken, was passiert. Ich werde natürlich versuchen, in den nächsten ein, zwei Jahren, in denen ich mit dem Programm unterwegs bin, die Musik so weit anzuhäufen, dass ich dann vielleicht so viel Material zusammen habe, dass ich dann eventuell ein Musikprogramm mache&#8230; Vielleicht ziehe ich mich auch ein Jahr zurück und schreibe ein Buch&#8230; Ich weiß es nicht. Ich muss jetzt erst einmal mit dem neuen Programm anfangen und dann sehen wir weiter.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Jetzt muss ich doch einmal genauer nachfragen: Sie reden immer vom Musik schreiben&#8230; Wie muss ich mir das vorstellen?</p>
<p>TILMAN BIRR: Na, ich habe da immer eine Gitarre dabei, und dann singe ich Lieder dazu. Man könnte Liedermacher dazu sagen, die Anderen sagen vielleicht kabarettistische Lieder&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER: So in der Art wie Funny van Dannen?</p>
<p>TILMAN BIRR: (lacht) Ich habe ein Lied im Programm, das auf Funny van Dannen anspielt, weil es genau die Akkordfolge und diese Gesangstechnik benutzt, und bei dem am Anfang immer sage: Ich imitiere gerne Menschen, die ich sehr schätze. Freuen Sie sich auf eine Imitation von Funny van Dannen. Dann kommt ein Lied, das auch ohne diesen Hinweis funktionieren würde, aber dieses (er nölt) &#8220;La-Na-Na-Na-Na&#8221;, das funktioniert da ganz gut. Ja, Funny van Dannen ist einer, der das auch macht, aber da gibt es ja viele davon. Ich könnte jetzt nicht sagen, dass meine Musik so wie der und der ist.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Gibt es Vorbilder?</p>
<p>TILMAN BIRR: Ich finde den Begriff schwierig, weil es so klingt, als wolle ich versuchen, genau so zu sein wie die. Es gibt natürlich Menschen, die ich sehr schätze. Rainald Grebe ist sicherlich einer von denen. Ich selber bin dazu jedoch, glaube ich, nicht fähig oder mache es eben irgendwie anders. Es gibt auch andere Künstler, die ich sehr schätze. Der Kollege Elis ist zum Beispiel so einer, den kennt nur leider niemand. Der hat sich zum Ziel genommen, niemals bekannt zu werden. Der tritt bei meiner Lesebühne auf und sonst nirgendwo. Es gibt also einige, die ich sehr schätze. Aber Vorbilder? Das ist schwierig.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Herr Birr, ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg mit &#8220;On se left you see the Siegessäule&#8221;!</p>
<p>TILMAN BIRR: Vielen Dank!</p>
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		<title>Tilman Birr: “On se left you see se Siegessäule”</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Mar 2012 11:17:00 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[“Wat biste, Stadtaklära?!” – “Stadtbild-Erklärer, ja.“ So nennt man Stadtführer in Berlin. Aber Führer sagt man nicht, auch nicht Stadtführer. Deswegen nennt man das, was Tilman Birr als Aushilfsjob nach seinem Studium machte, eben politisch korrekt „Stadtbild-Erklärer“. Wer einen Ausflug auf einem Berliner Dampfer macht, kann viel erzählen. Tilman Birr könnte auch ein Liedchen davon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/birr-onseleft-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1203" title="Tilman Birr: &quot;On se left you see se Siegessäule&quot;" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/03/birr-onseleft.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>“<em>Wat biste, Stadtaklära?!</em>” – “<em>Stadtbild-Erklärer, ja.</em>“ So nennt man Stadtführer in Berlin. Aber Führer sagt man nicht, auch nicht Stadtführer. Deswegen nennt man das, was Tilman Birr als Aushilfsjob nach seinem Studium machte, eben politisch korrekt „Stadtbild-Erklärer“.</p>
<p>Wer einen Ausflug auf einem Berliner Dampfer macht, kann viel erzählen. <a href="http://www.tilmanbirr.de" target="_blank">Tilman Birr</a> könnte auch ein Liedchen davon singen, denn als Kabarettist steht er auch gern mit der Klampfe auf der Bühne. Doch nun hat er mit „On se left you see the Siegessäule“ seinen ersten Roman vorgelegt.</p>
<p>Doch ist es überhaupt ein Roman? Oder eher die Geschichte eines Sommers auf dem Wasser? Was es auch ist, es ist ein unglaublicher Spaß! Jeder kennt die Berliner und jeder war schon mal dort, wenn er nicht sowieso in Berlin lebt. Die berüchtigte Berliner Schnauze kann man sich auch als Frankfurter aneignen, wenn man Talent hat.</p>
<p>Tilman Birr kommt aus Frankfurt, und der Job des schwimmenden Stadtbilderklärers scheint ihm wie auf den Leib geschrieben. Professionell kommt er auch mit Querulanten, rechten Herrentags-Säufern, ahnungslosen Amerikanern, renitenten Schülergruppen und zugedröhnten Spaniern zurecht. Souverän vermittelt er Wissenswertes über die Stadt Berlin, ihre zahlreichen Sehenswürdigkeiten und schrulligen Bewohner. Dass dabei für alle Beteiligten der Spaß nicht zu kurz kommt, ist seiner Spontaneität und Kreativität zu danken, mit denen er seine Ansagen individuell anpasst und – sagen wir: inhaltlich optimiert.</p>
<p>„<em>Ich musste während dieser Zeit nicht ein einziges Mal zum Geldautomaten gehen. Ich musste natürlich immer alles mit Münzen bezahlen, aber ich hatte immer Kleingeld in der Tasche</em>“, erinnert er sich in unserem <a title="Interview mit Tilman Birr auf der Leipziger Buchmesse 2012 zu seinem Buch “On se left you see se Siegessäule”" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/1206">Gespräch auf der Leipziger Buchmesse</a>.</p>
<p>Schon während seines Geschichtsstudium hatte Tilman Birr die Lesebühne-Szene in Berlin kennen gelernt und dort erste Erfahrungen sammeln können. „<em>Ich habe mir dann gedacht, warum gibt es das eigentlich nicht auch in Frankfurt?</em>“ So entstand die Frankfurter „Lesebühne Ihres Vertrauen“, die einmal monatlich im „Ponyhof“ veranstaltet wird. Zusammen mit drei weiteren Mitstreitern trägt Birr dann neue Texte vor und spielt selbst komponierte Lieder: „<em>Ich habe da immer eine Gitarre dabei, und dann singe ich Lieder dazu. Man könnte Liedermacher dazu sagen, die Anderen sagen vielleicht kabarettistische Lieder&#8230;</em>“</p>
<p>Auf diese Weise ist auch „On se left you see se Siegessäule“ natürlich nicht nur eine Geschichtensammlung in Buchform, sondern auch ein neues Kabarett-Programm, mit dem Tilman Birr auf Tour gehen wird. Veranstaltungsinformationen findet man auf seiner Website (<a href="http://www.tilmanbirr.de" target="_blank">www.tilmanbirr.de</a>)</p>
<p>Wie auch immer man es nennt, es ist urkomisch, und Tilman Birr hat es bereit zu einer gewissen Bekanntheit geschafft, die über die Szene hinaus geht. Dieser Erfolg wird sich garantiert weiter fortsetzen, wenn jetzt „On the left you see the Siegessäule“ auf den Markt kommt.</p>
<p>Ob als Hörbuch, das aus Live-Mitschnitten besteht, oder als Buch sind die Geschichten des Stadtbilderklärers Tilman ein vergnüglicher Lesespaß für alle Altersklassen. Also kommen Sie an Bord! Steigen Sie ein und lassen Sie sich mitnehmen auf eine bunte Ausflugsfahrt auf der Spree!</p>
<p>Das vollständige Interview mit Tilman Birr auf der Leipziger Buchmesse 2012 finden Sie <a title="Interview mit Tilman Birr auf der Leipziger Buchmesse 2012 zu seinem Buch “On se left you see se Siegessäule”" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/1206">hier</a>.</p>
<p>Ein <a href="http://www.randomhouse.de/webarticle/webarticle.jsp?aid=33719&amp;mid=7936" target="_blank">umfangreiches Special</a> zu Tilman Birr und seinem Buch finden sie auch auf der Seite seines Verlags.</p>
<p><em>Hat Ihnen die Rezension weiter geholfen? – belletristiktipps ist ein unabhängiges Medium für Rezensionen von belletristischen Neuerscheinungen. Damit dies auch so bleiben kann, brauchen wir Ihre Unterstützung: Wenn Sie dieses Buch kaufen möchten, benutzen Sie bitte den folgenden Link zu unserem KULTURBUCHLADEN oder unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer kleinen <a href="https://www.paypal.com/cgi-bin/webscr?cmd=_s-xclick&amp;hosted_button_id=4GPDC4C8K532W" target="_blank">Spende</a>. – Vielen Dank!</em></p>
<p>Autor: Tilman Birr<br />
Titel: “On se left you see se Siegessäule“<br />
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten<br />
Verlag: Manhattan<br />
ISBN-10: 3442547024<br />
ISBN-13: 978-3442547029</p>
<p><a href="http://astore.amazon.de/kulturbuchtipps-21/detail/3442547024" target="_NEW"><img src="http://www.kulturbuchtipps.de/images/kulturbuchladen.jpg" alt="" width="200" height="65" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und auch als Hörbuch!</p>
<p>Autor: Tilman Birr<br />
Titel: “On se left you see se Siegessäule“<br />
Medien: 1 CD<br />
Verlag: der Hörverlag<br />
ISBN-10: 3867178321<br />
ISBN-13: 978-3867178327</p>
<p><a href="http://astore.amazon.de/kulturbuchtipps-21/detail/3867178321" target="_NEW"><img src="http://www.kulturbuchtipps.de/images/kulturbuchladen.jpg" alt="" width="200" height="65" /></a></p>
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		<title>Erich Kästner: „De Aemilio et Investigatoribus“</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Mar 2012 13:19:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
		<category><![CDATA[erich kästner]]></category>
		<category><![CDATA[Erich Kästner De Aemilio et Investigatoribus]]></category>
		<category><![CDATA[kästner lateinisch emil detektive]]></category>
		<category><![CDATA[kinder]]></category>
		<category><![CDATA[kinderbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[kritik emil und die detektive auf lateinisch]]></category>
		<category><![CDATA[latein]]></category>
		<category><![CDATA[lateinisch]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein neu entdeckter Roman von Erich Kästner? Mitnichten. Es handelt sich um eine lateinische Version des Klassiker „Emil und die Detektive“ aus den 1930er Jahren. Übersetzt von Ulrich Krauße, dem Verleger des kleinen, aber feinen Verlags MundusLatinus aus Mettingen und mit den Original-Illustrationen von Walter Trier. „De Aemilio et Investigatoribus“ ist eine hübsche Idee, eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/kaestner-deaemilio-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1198" title="Erich Kästner: „De Aemilio et Investigatoribus“" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/03/kaestner-deaemilio.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Ein neu entdeckter Roman von Erich Kästner? Mitnichten. Es handelt sich um eine lateinische Version des Klassiker „Emil und die Detektive“ aus den 1930er Jahren.</p>
<p>Übersetzt von Ulrich Krauße, dem Verleger des kleinen, aber feinen Verlags <a href="http://www.munduslatinus.de/" target="_blank">MundusLatinus</a> aus Mettingen und mit den Original-Illustrationen von Walter Trier.</p>
<p>„De Aemilio et Investigatoribus“ ist eine hübsche Idee, eine amüsante Lektüre nicht nur für Lateinschüler, sondern auch für ältere Semester, die sich ihres einst erworbenen Latinums seit Jahren oder Jahrzehnten nicht mehr bedient haben.</p>
<p>Die auf jeder Seite als Fußnoten angehängten Vokabelhilfen machen die Lektüre für die Alten schon nach wenigen Seiten wieder geschmeidig und für die Jungen zu einem leichten Spiel. Damit auch wirklich keiner im Text stecken bleibt, befindet sich im Anhang ein komplettes Wörterbuch aller in diesem Buch verwendeten Wörter. Besser geht’s nun wirklich nicht.</p>
<p>Mit seinem hübschen Format und dem Hardcover-Einband wird dieses Buch viele Lesestunden und einen häufigen Gebrauch schadlos überstehen. Das ist gut so, denn Kästners Detektivgeschichte aus dem Berlin der Dreißiger Jahre ist immer noch eines der schönsten deutschen Kinderbücher. Jetzt also auch auf Latein erhältlich!</p>
<p>Autor: Erich Kästner<br />
Titel: „De Aemilio et Investigatoribus („Emil und die Detektive“)“<br />
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten<br />
Verlag: MundusLatinus<br />
ISBN-10: 3981389212<br />
ISBN-13: 978-3981389210</p>
<p><em>Hat Ihnen die Rezension weiter geholfen? – belletristiktipps ist ein unabhängiges Medium für Rezensionen von belletristischen Neuerscheinungen. Damit dies auch so bleiben kann, brauchen wir Ihre Unterstützung: Wenn Sie dieses Buch kaufen möchten, benutzen Sie bitte den folgenden Link zu unserem KULTURBUCHLADEN oder unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer kleinen <a href="https://www.paypal.com/cgi-bin/webscr?cmd=_s-xclick&amp;hosted_button_id=4GPDC4C8K532W" target="_blank">Spende</a>. – Vielen Dank!</em></p>
<p><a href="http://astore.amazon.de/kulturbuchtipps-21/detail/3981389212" target="_NEW"><img src="http://www.belletristiktipps.de/images/kulturbuchladen.jpg" alt="" width="200" height="65" /></a></p>
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		<title>Veronika Peters: „Das Meer in Gold und Grau“</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 09:02:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[das meer in gold und grau rezension]]></category>
		<category><![CDATA[glück]]></category>
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		<category><![CDATA[lebensweisheit]]></category>
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		<category><![CDATA[ostsee]]></category>
		<category><![CDATA[peters meer in gold und grau kritik]]></category>
		<category><![CDATA[psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension Veronika Peters Das Meer in Gold und Grau]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine junge Frau findet sich selbst, findet ihre Ruhe und ihren Mittelpunkt wieder. Eine junge Frau, die sich in ein kleines Hotel an der verschlafenen Ostseeküste zurück zieht. Hier erzählt die Autorin von Ruth, ihrer alten Tante, die Spuren im Leben hinterlassen hat. Sie gab der Ich-Erzählerin einen Ort, an dem sie anderen Menschen begegnete. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/peters-meergoldgrau-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1191" title="Veronika Peters: „Das Meer in Gold und Grau“" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/02/peters-meergoldgrau.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Eine junge Frau findet sich selbst, findet ihre Ruhe und ihren Mittelpunkt wieder. Eine junge Frau, die sich in ein kleines Hotel an der verschlafenen Ostseeküste zurück zieht.</p>
<p>Hier erzählt die Autorin von Ruth, ihrer alten Tante, die Spuren im Leben hinterlassen hat. Sie gab der Ich-Erzählerin einen Ort, an dem sie anderen Menschen begegnete. Das Hotel Palau in der Seestraße wird zur vorüber gehenden Heimat und zur Bühne eines Lehrstücks in Sachen Lebensweisheit. Was ist wirklich wichtig im Leben? Worauf kommt es an?</p>
<p>Katia ist fast dreißig, als sie eines Tages fast gleichzeitig Job und Wohnung verliert. Derart ins Nichts gestoßen macht sie sich auf den Weg zur Halbschwester ihres Vaters, von der sie lediglich weiß, dass sie ein kleines Hotel in Ostholstein führt. Diese Reise ins Unbekannte wird zu einer Reise in die eigene Vergangenheit und die ihrer Familie.</p>
<p>Die Autorin Veronika Peters hat selbst ein bewegtes Leben hinter sich, obwohl sie erst Mitte vierzig ist. Sie verbrachte ihre Kindheit in Deutschland und Afrika, verließ bereits mit fünfzehn das Elternhaus, verdiente mit Gelegenheitsjobs das Geld fürs Leben. Nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin arbeitete sie in einem psychiatrischen Jugendheim, bis sie 1987 für zwölf Jahre ins Kloster ging. Heute ist sie verheiratet, hat eine Tochter und lebt als freie Autorin in Berlin. Bekannt wurde sie durch ihr Buch „Was in zwei Koffer passt – Meine Jahre im Kloster“, das 2008 erschien. 2011 folgte ein Roman, der in Afrika spielte, und nun also „Das Meer in Gold und Grau“.</p>
<p>Der neue Roman von Veronika Peters ist ein stilles Buch. Die Sprache ist ruhig und gleichmäßig schwebend. Sie entführt den Leser von der ersten Seite an aus dem Lärm und der Hektik des Alltags. Die Lektüre ist wie ein Tag an der Ostsee: in der Nebensaison, wenn das Wetter kühl, der Himmel bedeckt, aber das Wetter trocken, die Luft rein und die Stimmung gut ist. Getragen von einem leichten, salzigen Wind spaziert man mit einem Gefühl der Leichtigkeit den Strand entlang</p>
<p>und spürt, wie die Lebenskräfte mit jedem Schritt und jedem Atemzug in die ermatteten Körper zurück kehren. Beinahe wie nach einer schweren Krankheit, wenn man wieder die Energie und Zuversicht in sich spürt, die sich so lange aus dem eigenen Leben entfernt hatten, dass man fast meinte, ohne sie auskommen zu müssen.</p>
<p>Bei aller Leichtigkeit des Erzähltons geht es um Katias alte und schwerkranke Tante, die sie erst jetzt wirklich kennen lernt und die sie gleichzeitig bei ihrem Sterben begleiten muss. Die Art und Weise, wie die Ich-Erzählerin von ihrer Zeit mit der resoluten Ruth und von dem langsamen Prozess des gegenseitigen Kennen- und Verstehenlernens berichtet, macht die Anmut und die Schönheit dieses Romans aus.</p>
<p>„Das Meer in Gold und Grau“ ist das perfekte Buch für einen milden Wintertag oder für ein paar stille Tage an der Ostsee während der Vorsaison. Es macht Lust auf das Leben und Mut, Entscheidungen zu treffen.</p>
<p><em>Hat Ihnen die Rezension weiter geholfen? – belletristiktipps ist ein unabhängiges Medium für Rezensionen von belletristischen Neuerscheinungen. Damit dies auch so bleiben kann, brauchen wir Ihre Unterstützung: Wenn Sie dieses Buch kaufen möchten, benutzen Sie bitte den folgenden Link zu unserem KULTURBUCHLADEN oder unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer kleinen <a href="https://www.paypal.com/cgi-bin/webscr?cmd=_s-xclick&amp;hosted_button_id=4GPDC4C8K532W" target="_blank">Spende</a>. – Vielen Dank!</em></p>
<p>Autor: Veronika Peters<br />
Titel: “Das Meer in Gold und Grau”<br />
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten<br />
Verlag: Goldmann Verlag<br />
ISBN-10: 3442311683<br />
ISBN-13: 978-3442311682</p>
<p><a href="http://astore.amazon.de/kulturbuchtipps-21/detail/3442311683" target="_NEW"><img src="http://www.belletristiktipps.de/images/kulturbuchladen.jpg" alt="" width="200" height="65" /></a></p>
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