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		<title>Marcel Reich-Ranicki (Hg.): „Die besten deutschen Gedichte“</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Nov 2012 10:54:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir leben in einer hektischen und ruhelosen Zeit. Wer dennoch nicht auf den Genuss von Literatur verzichten möchte, muss sich etwas einfallen lassen. Statt sich wie früher oft über Tage und Wochen in einen dicken Roman vertiefen zu können, ist man heute gezwungen, sich mit kürzeren literarischen Formen wie Erzählungen oder Kurzgeschichten zu begnügen. Und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/reich-ranicki-bestedeutschegedichte-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1299" title="Marcel Reich-Ranicki (Hg.): „Die besten deutschen Gedichte“" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2013/02/reich-ranicki-bestedeutschegedichte.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Wir leben in einer hektischen und ruhelosen Zeit. Wer dennoch nicht auf den Genuss von Literatur verzichten möchte, muss sich etwas einfallen lassen. Statt sich wie früher oft über Tage und Wochen in einen dicken Roman vertiefen zu können, ist man heute gezwungen, sich mit kürzeren literarischen Formen wie Erzählungen oder Kurzgeschichten zu begnügen. Und wenn die Zeit nicht einmal mehr zum Lesen einer Kurzgeschichte langt, so bleiben uns immer noch die Gedichte als eine der kürzesten literarische Formen.</p>
<p>Gedichte sind, wie der Name schon sagt, verdichtete, komprimierte Wirklichkeit. In manchem Gedicht sind wir in der Lage, die ganze Welt zu entdecken, und doch sind Gedichte meist kurz und schnell zu lesen. Diese Verdichtung des Lesestoffs und die Zuspitzung des Inhalts auf das Essenzielle machen Gedichte so faszinierend.</p>
<p>Wohl gemerkt, wir haben hier ausschließlich gute, ja hochwertige Gedichte im Sinn. Doch mit Marcel Reich-Ranicki haben wir einen Meister der sorgsamen Auswahl zur Seite, der uns in diesem kleinen Taschenbuch des Insel-Verlags „Die besten deutschen Gedichte“ präsentiert. Mit der Verwendung von Superlativen sollte man immer vorsichtig sein, vor allem aber im Bereich der Literatur. Wer darf hier den Kunstrichter spielen?</p>
<p>Wer darf den einen Autor bevorzugen und den anderen verwerfen? &#8211; Reich-Ranicki darf das, und er macht es auch in diesem Fall der Auswahl der schönsten deutschen Gedichte auf überzeugende Weise.</p>
<p>Die von ihm ausgewählten Gedichte entsprechen ganz jenem Spektrum, welches man von einem Kanon der deutschen Lyrik, der vom 12. Jahrhundert bis zur Gegenwart reicht, erwartet: Vom ganz frühen „Du bist mîn“ und Walther von der Vogelweides Minneliedern über Klopstock und Claudius lesen wir ganz viel Goethe, ganz wenig Schiller, ein bisschen Hölderlin, Chamisso und Eichendorff, bevor wieder ganz viel Heine von Lenau, Hebbel und Forntane abgelöst wird, bevor das 19. Jahrhundert mit Keller und C.F. Meyer und Wilhelm Busch seinen Ausklang nimmt. Das 20. Jahrhundert lässt Ricarda, Stefan George und Else Lasker-Schüler auftreten, Morgenstern wird von einem Schwung Hofmannsthal gefolgt, bevor Rilke seinen großen Auftritt hat. &#8211; Hesse, Ringelnatz, Benn, Trakl, Lichtenstein, ja Klabund ist auch dabei; Tucholsky darf natürlich auch nicht fehlen, bevor ein langer Block mit Brecht-Gedichten und mit Kästner den Sprung in die Nachkriegszeit schafft. Günter Eich, Mascha Kaléko und Paul Celan, gefolgt von Ernst Jandl, Ingeborg Bachmann und Grass schlagen die Brücke zur DDR-Lyrik: Sarah Kirsch, Wolf Biermann und Volker Braun sind dabei, bevor wir so langsam in der Gegenwart angekommen sind mit Thomas Brasch, Ulla Hahn und Durs Grünbein.</p>
<p>Die Liste ist nicht vollständig, doch sie zeigt sehr schön Reich-Ranickis Vorlieben, die durchaus literaturgeschichtlich korrekt und in ihrer subjektiven Auswahl vertretbar sind.</p>
<p>Mit diesem über 300 Seiten starken Taschenbuch hat der Leser für günstige Euro 10,00 einen wirklich ausgezeichneten und repräsentativen Querschnitt über die deutsche Lyrik der letzten 800 Jahre. „Gedichte können die Zeit besser überstehen als die prächtigsten Tempel und Paläste“, behauptet Marcel Reich-Ranicki. &#8211; Recht hat er. Diese Sammlung funkelnder Edelsteine gehört auf jeden Nachttisch. Denn es gibt wohl kaum eine schönere Art, einen langen Tag zu beschließen, als mit einem schönen Gedicht.</p>
<p>Autor: Marcel Reich-Ranicki (Hg.)<br />
Titel: „Die besten deutschen Gedichte“<br />
Taschenbuch: 306 Seiten<br />
Verlag: Insel Verlag<br />
ISBN-10: 3458358862 <a href="javascript:"><img style="border: 0px none; height: 16px; width: 16px; display: inline;" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" alt="" /></a><br />
ISBN-13: 978-3458358862 <a href="javascript:"><img style="border: 0px none; height: 16px; width: 16px; display: inline;" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" alt="" /></a> <a href="javascript:"><img style="border: 0px none; height: 16px; width: 16px; display: inline;" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" alt="" /></a></p>
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		<title>Interview mit Kathrin Weßling auf der Frankfurter Buchmesse 2012 über &#8220;Drüberleben&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Oct 2012 14:20:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[RALPH KRÜGER: Frau Weßling, ich muss gestehen, dass ich, als ich Ihr Buch bekommen habe, zunächst ein bisschen ängstlich war. Denn wenn man in Kürze den Inhalt Ihres Buches zusammenfasst &#8211; Jemand leidet seit Jahren an Depressionen und schreibt nun ein Buch über die Therapie in der Klinik &#8211; so kann solch ein Text natürlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/wessling-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1283" title="Kathrin Weßling (C) Ralph Krüger 2012" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/10/wessling.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>RALPH KRÜGER: Frau Weßling, ich muss gestehen, dass ich, als ich Ihr Buch bekommen habe, zunächst ein bisschen ängstlich war. Denn wenn man in Kürze den Inhalt Ihres Buches zusammenfasst &#8211; Jemand leidet seit Jahren an Depressionen und schreibt nun ein Buch über die Therapie in der Klinik &#8211; so kann solch ein Text natürlich fürchterlich gegen die Wand fahren. In Ihrem Fall ist es jedoch hervorragend gelungen, soviel kann ich jetzt schon sagen.</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Dankeschön, das freut mich.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Es ist schon allein deswegen gelungen, weil es nicht diesen larmoyanten und wehleidigen Ton hat, den man bei solch einem Thema erwarten könnte, sondern Ihr Buch strahlt eine große Kraft aus und ist in seiner Form auch spannend gemacht. Denn es changiert ja im Ton, so dass man sich als Leser manchmal fragt, was man denn nun eigentlich vor sich hat &#8211; ein Sachbuch oder einen Roman -, und das ist natürlich viel spannender zu lesen als ein eindimensional strukturiertes Buch. &#8211; Normalerweise frage ich meine gesprächspartner, wie sie auf die Idee zu diesem Buch kamen. In Ihrem Fall erübrigt sich die Frage nach dem Stoff, aber mich würde interessieren, wie Sie darauf kamen, ein Buch zu schreiben, also überhaupt zu schreiben, und nicht auf andere Art und Weise die Erfahrungen Ihrer Depression künstlerisch zu verarbeiten? &#8211; Es gibt da ja wohl eine Vorgeschichte zu dem Buch, nämlich Ihren <a href="http://drueberleben.wordpress.com" target="_blank">Internet-Blog &#8220;Drüberleben&#8221;</a> [http://drueberleben.wordpress.com]&#8230;</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Das hat eine längere Vorgeschichte: Ich schreibe eigentlich schon seit meiner Kindheit. Ich weiß, das sagen immer alle, aber es stimmt eben. Ich habe immer Geschichten geschrieben und habe auch vor dem Buch für Magazine und Zeitungen gearbeitet, ganz viel auf Lesebühnen gelesen und auch mal Poetry Slams mitgemacht. Für mich war jedoch immer klar, dass ich mal eine Therapiegeschichte schreiben möchte, unter Anderem auch weil ich dieses Kammerspielartige total faszinierend fand. In der Therapie hat man ja wirklich einen geschlossenen Raum, und für die Geschichte ist das Setting ähnlich wie bei einem Kammerspiel.</p>
<p>RALPH KRÜGER: So ein bisschen wie bei &#8220;Zauberberg&#8221; von Thomas Mann&#8230;</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Ja, genau! Deswegen fand ich das immer so faszinierend, denn ich mag Kammerspiele auch sehr und wollte ein Buch schreiben, dessen Handlung indieser kleinen &#8220;Blase&#8221; stattfindet. Mit dem Blog ist eine gewisse Popularität um meine Person entstanden, jedoch die Idee, dieses Buch zu schreiben, bestand schon viel, viel länger. Der Blog war, wenn man so will, eigentlich mehr eine Recherche und Vorarbeit zu dem Buch.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Und doch hätten Sie ja, bezogen auf das Thema Depression und Therapie, auch was Anderes schreiben können: Sie hätten eine Ich-Erzählung schreiben oder den Ablauf einer Therapie beschreiben können &#8211; also einerseits noch weiter ins Autobiographische hinein gehen oder das Ganze als ein Sachbuch konzipieren können. Sie haben jedoch den Mittwelweg gewählt und eine fiktive Hauptfigur, Ida Schaumann, erfunden &#8211; ein schöner und vielsagender Namen, übrigens! Aber natürlich fragt sich jeder Leser, wieviel an der Ida Schaumann ist autobiographisch und wieviel ist erfunden?</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Die Handlung im Buch ist weniger real, als man denkt. Es gibt natürlich Parallelen zwischen Ida und mir, aber eigentlich interessant ist natürlich, dass diese Frage gerade bei jener Thematik so oft gestellt wird. Denn im Prinzip könnte man natürlich jeden Autor fragen, wieviele autobiographische Anteile seine Geschichte hat.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Aber genau das mache ich auch!</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Genau. Aber natürlich wird fast alles immer irgendwie wahr sein, weil das alles im Kopf des Autors entsteht. Natürlich habe ich alle meine Erfahrungen in diesem Buch verarbeitet, was mir passiert ist und womit ich mich beschäftige. Wenn man die Frage so beantwortet, dann ist natürlich alles Kathrin Weßling. Wenn es aber jetzt um den strikten Vergleich zum Beispiel der charakterlichen Eigenschaften von Kathrin Weßling und Ida Schaumann geht, dann ist Ida Schaumann nur bestenfalls zur Hälfte Kathrin Weßling.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Ich fand auch die Sprache sehr schön, die Sie in Ihrem Buch finden. So zum Beispiel gleich am Anfang der innere Monolog der Ida Schaumann, als sie Dr. Kropka gegenüber sitzt: Da kommt eine ursprüngliche Wut und Leidenschaft zum Ausdruck, die die Authentizität Ihrer Geschichte sehr verstärkt. Solche Stellen gibt es viele in Ihrem Buch.</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Wir führen ja alle auch ständig diese inneren Monologe und ringen um die richtigen Worte.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Wir filtern und zensieren sehr stark, was wir sagen.</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Das müssen wir auch. Wenn wir ständig sagten, was wir denken, dann hätten wir alle wahrscheinlich schlagartig keine Freunde mehr.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Man nennt dieses Filtern auch Kultur. Man sagt nicht immer das, was man denkt, sondern das, von dem man denkt, dass es dem Anderen besser ins Ohr geht und trotzdem den eigenen Intentionen entspricht. &#8211; Kommen wir mal kurz zu einem anderen Thema. Im Klappentext steht, dass Sie aus Ahaus stammen. &#8211; Wo liegt denn Ahaus?</p>
<p>KATHRIN WESSLING: In NRW. Ahaus ist ein kleines Dorf in NRW.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Ein Möglichst-schnell-weg-von-hier-Dorf?</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Oh ja. Der Teil mit der Bushaltestelle in der Geschichte, der stimmt zum Beispiel. [lacht]</p>
<p>RALPH KRÜGER: Und wie sind Sie dann in Hamburg gelandet? War dies der erste Zug, der fuhr&#8230;?</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Ich bin zunächst zum Studieren nach Köln gegangen für ein Jahr und wollte weder in Köln bleiben, noch mein Studium dort fortführen. Ich wollte eigentlich gleich nach Hamburg, hatte dort jedoch keinen Studienplatz bekommen. Ich habe dann tatsächlich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion meine Sachen gepackt, die Wohnung gestrichen und bin da weg, weil ich Hamburg einen Job am Theater bekommen habe. Das war zwar erst einmal nur für drei Monate, aber mir war klar, dass ich dann dort bleiben wollte. Ich habe Germanistik, klassische Literatur und Philosophie studiert im ersten Magisterstudium, aber das habe ich, wie gesagt, nicht zu Ende gemacht. Und dann habe ich noch einmal ganz kurz Germanistik und Kulturanthropologie studiert, aber auch nicht zu Ende gemacht, ganz einfach weil ich gemerkt habe, dass ich an Unis nicht glücklich werde. Ich werde dieses Studium im nächsten Jahr zu Ende machen, allerdings als Fernstudium.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Kommen wir zurück zu Ihrem Buch. Es teilt sich in drei große Abschnitte: Fallen, Liegen und Steigen. Das ist eine schöne Gliederung, die die Handlung und den Weg in und durch die Therapie korrespondiert. Aber mir ist auch, wie bereits gesagt, die schöne Sprache Ihres Buches aufgefallen. Es gibt auch viele geradezu philosophische Gedanken in Ihrem Buch. Um nur ein Beispiel zu nennen, schreiben Sie auf Seite 264: &#8220;Unsere Erinnerungen und unser Umgang mit ihnen machen uns zu dem Menschen, der wir sind.&#8221; &#8211; Das klingt sehr nach Empirismus, und ich habe mich gefragt, von welchem Philosophen dieser Satz stammt.</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Der Satz ist schon vor mir. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, gerade am Ende des Buches, und mich gefragt, wie die Geschichte enden sollte. Die längste Zeit beim Schreiben habe ich dafür gebraucht zu überlegen, wie das Ende der Geschichte gestaltet wird, und im Rahmen dessen habe ich mich viel mit Erinnerungen beschäftigt. Ich habe mit Ärzten und Psychologen gesprochen und auch viel darüber gelesen, inwieweit Erinnerungen und Erfahrungen einen Menschen beeinflussen. Ich glaube schon, das es genau diese Frage ist, die sich alle am Ende stellen, die solch eine Erkrankung haben: &#8220;Warum habe ich das bekommen und warum nicht die Anderen?!&#8221; Dann wäre natürlich ein möglicher Ansatz darüber nachzudenken, ob es an dem liegt, was mir widerfahren ist, oder habe ich das immer schon in mir drin gehabt.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Aber dieser Satz ist ja wirklich Empirismus pur: Alles was wir wissen und wie wir kommunizieren, beruht auf den Erfahrungen, die wir zuvor gemacht haben.</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Genau.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Jetzt könnte man natürlich sagen, Kant hatte dazu eine etwas andere Meinung&#8230;</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Kant?! Oh, mit Kant tue ich mich ganz schwer&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER: Aber ich denke, der normale Durchschnittsmensch würde diesem Satz durchaus zustimmen. Wir lernen etwas und machen unsere Erfahrungen und versuchen, unser Verhalten anhand des Gelernten oder Erfahrenen zu korrigieren. &#8220;Aus Fehlern lernt man&#8221;, das sind so die typischen Sprüche, die damit einher gehen.</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Für mich stellt sich immer nur die Frage, stimmt das wirklich? Oder ist das nur ein Trick unserer Wahrnehmung, dass wir wirklich glauben, dass wir uns selbst oder dass Dinge uns ändern könnten. Ist nicht vielleicht alles schon in uns angelegt? Wie ich heraus gefunden habe, gibt es dazu auch bei Ärzten oder Neurologen keine einheitliche Meinung. Man ist mittlerweile nur überzeugt, dass die Gene sehr wenig ausmachen und die Erinnerung und die Erfahrung sehr viel. Aber es gibt eben auch Fachleute, die genau die gegenteilige Position vertreten. Man weiß es halt nicht.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Darüber könnten wir uns jetzt noch stundenlang unterhalten. Denken wir zum Beispiel an die Plastizität des Gehirns und seine Fähigkeit, die Fähigkeiten verlorener Areale zumindest teilweise in anderen Bereichen zu rekonstituieren&#8230; Aber wenn wir schon beim Thema Erfahrung sind: Es muss ja für eine Depression keinen externen Auslöser &#8211; wie einen Unfall oder den Tod einer Freundin oder was auch immer &#8211; geben, um die Erkrankung auszulösen. Das ist ja, von außen betrachtet, auch das Spannende an einer Depression, dass es dieser äußeren Auslöser manchmal gar nicht bedarf, um daran zu erkranken. Oft kommt die Depression schleichend und scheint eher endogenen Ursprungs, weil schon immer eine gewisse Disposition zur Schwermut im Charakter angelegt war. &#8211; Wie war es denn bei Ihnen selbst? Gab es bei Ihnen solh einen schweren Enschnitt, der die Depression ausgelöst hat?</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Nein. Bei mir war es ein schleichender Prozess, den ich auch selbst ganz lange nicht verstanden habe. Das kann man, glaube ich, auch nicht wirklich selbst verstehen. Da müsste man schon eine sehr starke Fähigkeit zur Selbstreflexion besitzen, um sich ständig selbst zu diagnostizieren. Bei mir gab es kein einschneidendes Erlebnis. Deswegen habe ich ja in dem Buch den Leser auch ein bisschen an der Nase herum geführt mit der Geschichte der Nebenrolle der Julia. Mir war eben wichtig zu zeigen, seht Ihr, jetzt denkt ihr, es gab diesen Auslöser, aber in Wahrheit gab es den gar nicht, weil die Depression einfach immer schon zu Ida gehörte. Die leute suchen nämlich zunächst immer nach äußeren Gründen: ich habe zuviel gearbeitet, ich bin geschieden worden, was auch immer.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Die Gründe woanders suchen&#8230;</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Genau, aber erstaunlich ist auch, dass bei ganz vielen während der Therapie heraus kommt, dass der scheinbare Auslöser, von dem sie glauben, dass es den gibt, es gar nicht war, sondern dass die Depression schon ganz lange vorher da war und es dann nur irgendwann zu einem Flächenbrand geworden ist. Die Wissenschaft weiß auch bis heute nicht, woran es liegt, dass die Einen es kriegen und die Anderen nicht. Es gibt Leute, die machen unglaublich traumatische Erfahrungen und fallen danach nicht in eine Depression; und dann gibt es viele so wie mich, die ein einigermaßen behütetes Leben haben, und die werden schnell krank.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Man weiß es nicht.</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Genau, man weiß es nicht. Damit enden gerade alle unsere Antworten&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER: Das stimmt. Aber wahrscheinlich gibt es eine gewisse Grunddisposition zur Depression &#8211; einen schwermütigen Charakter&#8230;</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Aber selbst da stellt sich doch die Frage, woher man diese Disposition hat. Es gibt zum Beispiel Untersuchungen an Zwillingspaaren, von denen der eine es hat und der andere nicht, obwohl sie beide gleich aufgewachsen sind. Dann muss man sich natürlich fragen, sind es die Erfahrungen oder die Gene&#8230; In solch einem Fall kann es ja keines von beidem sein.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Vielleicht ist ja auch die Frage falsch: Vielleicht sollte man nicht nach dem &#8220;Warum&#8221; fragen, sondern nach dem &#8220;Wozu&#8221; der Erkrankung?</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Das ist was die Psychologen immer gerne fragen: Wozu dient die Krankheit? Und da gibt es auch das ganz gemeine Wort, den so genannten &#8220;Krankheitsgewinn&#8221;. Ich finde das furchtbar, weil es dem Kranken den Vorwurf macht, seine Erkrankung zum eigenen Vorteil einzusetzen, sich dadurch vor unliebsamen Aufgaben oder vor der Begegnung mit Menschen, die ihnen Angst machen, drücken zu können. &#8211; Was soll man zu diesem Vorwurf auch sagen? Entweder rechtfertigt man sich, und eine Rechtfertigung ist ja auch immer eine Art des Zugebens. Oder man ignoriert es halt, aber dann muss man eben auch damit leben, dass der Vorwurf stehen bleibt.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Ihrer Website habe ich entnommen, dass Sie aktuell an einem neuen Buch schreiben. Ihr Buch &#8220;Drüberleben&#8221; endet mit einem Fast-Selbstmord der Hauptfigur Ida Schaumann. Mal angenommen, Sie schreiben gerade an einer Fortsetzung der Geschichte, dann hätte ich schon einen Titelvorschlag für das nächste Buch. Nach dem &#8220;Brücken-Erlebnis&#8221; denkt Ida nämlich: &#8220;Alles ist aus Glas, und alles ist durchsichtig.&#8221; Das wäre doch ein schöner Titel: &#8220;Alles ist aus Glas&#8221;&#8230;</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Das ist ein schöner Gegensatz zu der Wahrnehmung der Hauptfigur während der ganzen Zeit der Geschichte. Dort hat sie nämlich immer das Gefühl, die Wirklichkeit wie durch ein Milchglas wahrzunehmen. Daher war es eine logische Konsequenz, dass sich, wenn alle Mauern fallen und sich alle Maximen auflösen, auch die Wahrnehmung ändert und zu einer freien Sicht führt, die aber natürlich immer noch beschränkt ist. Es ist immer noch eine wenn auch durchsichtige Glasscheibe zwischen ihr und der Welt, auch weil ich auf keinen Fall einen Roman schreiben wollte, bei dem am Ende alles super ist und Ida vollkommen geheilt aus der Klinik kommt und sich freut. &#8211; Aber um auf Ihren Titelvorschlag zurück zu kommen: Mein neues Buch wird aber keine Fortsetzung von &#8220;Drüberleben&#8221; sein. Zunächst wüßte ich nicht, welche Geschichte man da erzählen sollte; und außerdem stellt sich natürlich auch die Frage nach der Glaubwürdigkeit. Das war mir zu wenig anspruchsvoll.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Also geht es in Ihrem neuen Buch um etwas Anderes. Können und wollen Sie uns schon ein wenig darüber erzählen?</p>
<p>KATHRIN WESSLING: [schüttelt den Kopf] Es ist ein Roman.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Ein Science-Fiction-Roman&#8230;</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Genau! Ein Science-Fiction-Roman mit Vampiren. &#8211; Nein, es wird in der Tat ganz klassische Prosa sein. Ein klassischer Roman, der nichts mit Depressionen und nicht mit Jugendlichen zu tun hat und auch nichts mit jungen Frauen, die sich noch orientieren müssen oder so etwas&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER: Also alte Männer im Wirtshaus, die eine Schiffsreise planen&#8230;</p>
<p>KATHRIN WESSLING: [lacht] &#8230; und die DDR muss ich dann natürlich auch noch irgendwo unterbringen. Nee, das wird alles nicht der Fall sein.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Was ganz Anderes also. &#8211; Hm. Sex muss natürlich auch noch rein! Wir sitzen hier gerade am Goldmann-Stand auf der Messe und schauen auf die hohen Stapel der deutschen Ausgabe von &#8220;Shades of Grey&#8221;.</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Genau: Sex, DDR, Immigration!</p>
<p>RALPH KRÜGER: Die Geschichte spielt demnach in Berlin-Neukölln&#8230;</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Eine türkische Immigranten-Familie in zweiter Generation, bei der die Tochter &#8220;Shades of Grey&#8221; liest, deswegen von der Familie verstoßen wird und dann ihre Identität auf den Straßen von Neukölln sucht. &#8211; Ja, dann haben wir&#8217;s ja fast schon!</p>
<p>RALPH KRÜGER: Das ist ja schon fast die Hälfte des Plots! Dann haben wir noch das zufällige Treffen von Vater und Tochter im Sexshop: Sie arbeitet da, und er ist ein heimlicher Kunde&#8230;</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Genau, die Tochter macht da gerade eine Ausbildung&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER: &#8230; und der Rest der Geschichte findet sich dann, denke ich. &#8211; Sehr schön, ich bin gespannt. &#8211; Mich würde noch eine andere Sache interessieren. Nehmen wir jetzt mal wieder &#8220;Drüberleben&#8221;: Wie schreiben Sie? Wie gehen Sie an ein solches Projekt heran? In diesem speziellen Fall könnte ich mir vorstellen, dass die Herangehensweise relativ einfach war; denn Sie hatten ja die Therapie als Handlungsstrang schon vorgegeben&#8230;</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Es war komischerweise schwieriger, fand ich. Mir fällt es viel leichter, rein fiktional zu schreiben, weil man dadurch diese größere Distanz hat. Deswegen musste auch die Figur Ida Schaumann her, um eine gewisse Distanz aufzubauen. Man schreibt natürlich immer zunächst ein Exposé und eine Leseprobe, und dabei entsteht natürlich auch schon was. Ich schreibe aber auch wirklich ganz viel für die Mülltonne. Am Anfang habe ich sehr viel für die Mülltonne geschrieben &#8211; unfassbar viele Seiten &#8211; mindestens fünfzig, sechzig, siebzig Seiten wieder weggeworfen, und irgendwann habe ich dann angefangen zu designen: jede Szene, jede Sequenz aus der Szene und welche Charaktere darin vorkommen sollen und natürlich auch, was die Prämisse jeder Szene ist. Ich glaube, das ist eigentlich auch das ganze Geheimnis, wie man ein ganzes Buch schreibt, das einen einigermaßen interessanten Plot hat.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Das stimmt wohl. Natürlich gibt es auch die wenigen Genies, die ausgehend von einem Satz oder einem Wort einen ganzen Roman aus den Fingern zaubern können. Da steht der erste Satz und der letzte Satz auf dem Papier, und alles was dazwischen kommt, fließt nur aus dem Kopf aufs Papier.</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Aber auch da gibt es eben eine Struktur, nur steht die nicht auf einem Papier, sondern im Kopf des Autors.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Wenn Sie dann den fertigen Plan vor sich haben, schreiben Sie dann die Szenen wirklich der Reihe nach oder gewichten Sie die Szenen beim Schreiben.</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Ehrlich gesagt, es war die Hölle, das alles am Ende zusammen zu kriegen. Ich wusste zwar, wo was hinkommt; aber bei vielen Abschnitten hat sich später heraus gestellt, dass sie an einer anderen Stelle im Buch besser passen würden, dass das Eine vorweg genommen werden muss, um das Andere zu erklären&#8230; Das war auch die Herausforderung beim Schreiben: Wenn ich einfach nur meine Geschichte aufgeschrieben hätte, dann hätte ich dafür vielleicht drei oder vier Monate gebraucht und dann wäre es auch einfach gewesen, aber ich wollte auch einen guten Plot haben.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Sie haben ja auf ihrer Werbsite schon viele positive Kommentare und Rückmeldungen zu Ihrem Buch erhalten, und die Einträge zeigen, dass es offenbar viele Leser gibt, die sich durch Ihr Buch sehr angesprochen und vor allem auch als Betroffene verstanden fühlen. War der Wunsch zu zeigen, wie solch eine Therapie abläuft die Hauptmotivation für Sie, dieses Buch zu schreiben oder gab es noch andere Gründe?</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Ich denke, die Gewichtung war eine andere. Für mich war es in erster Linie wichtig, eine gute Geschichte zu schreiben. In zweiter Linie war mir wichtig, eine Geschichte zu schreiben, die faktisch von vorne bis hinten richtig ist. Wenn ich jetzt zum Beispiel wie Juli Zeh ein Buch über das Tauchen geschrieben hätte [Juli Zeh: "Nullzeit"], dann hätte ich mich auch mit Tauchlehrern unterhalten und hätte recherchiert. Nun hatte ich natürlich den Vorteil, dass ich schon viel wusste durch meine eigene Erfahrung &#8211; aber auch vieles nicht. Hier war die Motivation natürlich, dass ein betroffener, wenn er das Buch liest, eben gerade nicht das Gefühl hat, dass das ins Lächerliche gezogen wird oder dass es falsche Fakten beinhaltet. Denn das war es genau, was mich selbst an anderen Büchern über Depressionen immer so geärgert hat, wenn ich diese Bücher gelesen habe. Die Krankehiet wirkte dann fast wie so ein schickes Accessoire, das man sich für eine Weile aneignet.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Fast wie eine moderne Attitüde.</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Genau, aber in erster Linie wollte ich wirklich nur eine gute Geschichte erzählen, die auch unabhängig von mir und von allem, was ich dazu sage, funktioniert. Ich glaube, sonst würde es auch nicht so gut ankommen, denn es gibt schon so viele Bücher zu dem Thema, so viele Ich-Erfahrungsberichte und so. Ich denke, der Grund dafür, dass dieses Buch nicht gescheitert ist, ist, dass es eben auch eine gute Geschichte ist.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Mir kommt da immer wieder ein relativ aktuelles Beispiel in den Sinn, wobei es natürlich bei um Burnout geht, der modischen Business-Variante der Depression. Ich denke an das immens erfolgreiche Buch von Miriam meckel &#8220;Brief an mein Leben&#8221;, in dem sie über ihren Burnout und die Zeit danach schreibt. Es ist gut geschrieben, keine Frage, aber es ist ein Buch für den erfolgreichen Leser, der vielleicht selbst in einem anstrengenden Berufsleben steckt und seiner Karriere sowohl seine Zeit als auch seine Nerven und seine Gesundheit opfert. &#8211; Ihr Buch beschreibt hingegen das Leben einer ganz normalen jungen Frau und wird vielen Betroffenen ungleich näher sein als Meckels Geschichte. &#8220;Drüberleben&#8221; wirkt gerade aufgrund der Durchschnittlichkeit des Lebens der Hauptfigur viel authentischer als die Beschreibung der Lasten und Nöte einer erfolgreichen Managerin während ihrer 80-Stunden-Woche.</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Danke! Das freut mich sehr. Ich glaube auch, dass es natürlich für Menschen, die sich in einer ähnlichen Position befinden durchaus interessant ist; aber es ist natürlich ein Mensch, der doch ein ganz anderes Leben hat als die meisten Otto-Normal-Menschen, die einfach mit anderen Problemen zu kämpfen haben als ein Prominenter oder eben als Frau Meckel, die natürlich auch wieder ganz andere Dinge hat, mit denen wir uns Gott sei Dank nicht auseinander setzen müssen. Deswegen halte ich es für wichtig, dass jemand mal darüber schreibt, der eigentlich&#8230; ich tue mich immer so schwer mit dem Begriff &#8220;normal&#8221;&#8230;, der zumindest ein recht gewöhnliches Leben hat.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Na ja, sagen wir lieber einmal &#8220;jemand der <em>noch</em> ein recht gewöhnliches Leben hat&#8221;, denn jetzt werden Sie ja reich und berühmt&#8230;</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Na, gucken wir mal! [lacht] &#8211; Mal gucken, wie das nun so weiter läuft mit der Schriftsteller-Karriere.</p>
<p>RALPH KRÜGER: Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel Erfolg und danke Ihnen für dieses nette gespräch!</p>
<p>KATHRIN WESSLING: Ich danke Ihnen.</p>
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		<title>Kathrin Weßling: &#8220;Drüberleben &#8211; Depressionen sind doch kein Grund, traurig zu sein&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Oct 2012 14:03:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dokumentarisches]]></category>
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		<description><![CDATA[Kathrin Weßling hat ein Buch über ihre jahrelangen Depressionen und ihre klinische Therapie geschrieben. Wenn man das liest, möchte man als Rezensent am liebsten weglaufen. So etwas kann ja fürchterlich peinlich sein &#8211; larmoyant, weinerlich und selbst bezogen, bestenfalls anklagend oder nichts sagend. Kurz, man kann solch einen Text ganz schnell an die Wand fahren. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/wessling-drueberleben-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1277" title="Kathrin Weßling: &quot;Drüberleben - Depressionen sind doch kein Grund, traurig zu sein&quot;" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/10/wessling-drueberleben.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Kathrin Weßling hat ein Buch über ihre jahrelangen Depressionen und ihre klinische Therapie geschrieben. Wenn man das liest, möchte man als Rezensent am liebsten weglaufen. So etwas kann ja fürchterlich peinlich sein &#8211; larmoyant, weinerlich und selbst bezogen, bestenfalls anklagend oder nichts sagend. Kurz, man kann solch einen Text ganz schnell an die Wand fahren.</p>
<p>Deshalb schnell die gute Nachricht zuerst: Kathrin Weßlings Buch ist all das zum Glück nicht, sondern ein wirklich sehr schön geschriebenes und authentisches &#8211; ja, was eigentlich &#8211; Sachbuch oder Roman?</p>
<p>In unserem <a title="Interview mit Kathrin Weßling auf der Frankfurter Buchmesse 2012 über “Drüberleben”" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/1281">Interview mit Kathrin Weßling</a> auf der Frankfurter Buchmesse 2012 ist sie sich selbst nicht ganz sicher, wie ihr Buch einzuordnen wäre. Natürlich erzählt sie eine Geschichte, die in Grundzügen ihre eigene Geschichte ist, jedoch natürlich fiktiv verändert und durch zusätzliche Handlungsstränge dramatisiert wurde. Gleichzeitig beschreibt &#8220;Drüberleben&#8221; aber auch den realen Ablauf einer Therapie gegen &#8220;F.32.2&#8243; (schwere Depressionen ohne psychotische Symptome), ist in diesem Sinne also auch Sachbuch. &#8211; Jedoch vor allem ist es ein gutes und packendes Buch, das den Leser gleich auf der ersten Seite an den Schultern packt und rüttelt und nicht mehr loslässt.</p>
<p>Authentizität erreicht man durch Offenheit und Leidenschaft. Es ist gerade diese Leidenschaft, die Weßlings Text zum Leuchten bringt. Die ungekünstelte Sprache springt mit ihrer Wut und ihrem Zorn geradewegs aus dem Buch in den Kopf des Lesers und lässt dort eine Welt entstehen, die widersprüchlicher kaum sein könnte.</p>
<p>Die hermetische Weltsicht der Depression mit ihrer bleiernen Schwere und den immer wiederkehrenden Selbstanklagen gehen beim Lesen nahe, lassen Vertrautes erkennen und die Schwermut der Ida Schaumann (die Hauptfigur des Romans) so real und hautnah erscheinen, dass man wie gebannt weiter liest.</p>
<p>Dabei zieht das Buch nicht runter &#8211; im Gegenteil: Kathrin Weßling schreibt seit einigen Jahren in einem eigenen <a href="http://drueberleben.wordpress.com/" target="_blank">Blog</a> über ihre Erkrankung (dafür wurde sie zum &#8220;Bloggermädchen 2010&#8243; gekürt), und die Rückmeldungen auf ihr Buch sind gerade von ebenfalls Betroffenen sehr positiv.</p>
<p>Depressive Leser fühlen sich von ihr nicht nur verstanden und richtig wieder gegeben. Viele haben durch die Lektüre von &#8220;Drüberleben&#8221; gerade die furcht verloren, sich als depressiv zu outen und/oder in therapeutische Behandlung zu begeben.</p>
<p>Doch &#8220;Drüberleben&#8221; darf nicht als Insider-Buch für Depressive missverstanden werden. Es ist ein bewegendes Dokument des Kampfes einer jungen Frau gegen ihre Depressionen und als solches ein Buch unserer Zeit und unserer Gesellschaft. Schließlich leiden geschätzte vier bis sieben Millionen Deutsche an Depressionen. Die zahlen schwanken, die Dunkelziffer ist wohl noch deutlich höher. Wir leben in einer kranken Gesellschaft.</p>
<p>Aber was heißt eigentlich &#8220;krank&#8221;? Diese Frage stellt man sich schnell, wenn man in die Klinikwelt eingetaucht ist. Die Figuren der Handlung sind weder besonders auffällig noch schwierig, doch gerade dies trägt zur Authentizität des Buches bei. Depression ist nur eine graduell von anderen Gemütszuständen zu unterscheidende Erscheinung, die das eigene Handeln sinnlos und tonnenschwer oder gar unmöglich macht.</p>
<p>Es war für Kathrin Weßling die natürlichste Sache von der Welt, über ihre Depression zu schreiben. Schon als kleines Mädchen hat sie gern Geschichten erfunden und erzählt, später in kleine Schreibhefte geschrieben. Am Sujet der klinischen Therapie gefiel ihr vor allem das &#8220;Kammerspielhafte&#8221;, die Abgeschlossenheit des Sets und die Überschaubarkeit der handelnden Personen. Unwillkürlich assoziiert man Thomas Manns &#8220;Zauberberg&#8221;, mit dem sich &#8220;Drüberleben&#8221; jedoch bei aller Gelungenheit nicht messen kann (und sicherlich auch niemals wollte).</p>
<p>&#8220;Drüberleben&#8221; ist mit seinen 318 Seiten ein tolles Debüt, eine sprachlich gut und spannend geschriebene Geschichte und das authentische Zeitdokument einer jungen Frau, die sich ihren Frust und ihre Wut aus der Seele schreibt.</p>
<p><strong>Das vollständige <a title="Interview mit Kathrin Weßling auf der Frankfurter Buchmesse 2012 über “Drüberleben”" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/1281">Interview mit Kathrin Weßling</a> auf der Frankfurter Buchmesse 2012 können Sie <a title="Interview mit Kathrin Weßling auf der Frankfurter Buchmesse 2012 über “Drüberleben”" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/1281">hier lesen</a>.</strong></p>
<p>Autor: Kathrin Weßling<br />
Titel: &#8220;Drüberleben &#8211; Depressionen sind doch kein Grund, traurig zu sein&#8221;<br />
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten<br />
Verlag: Goldmann Verlag<br />
ISBN-10: 3442312841<br />
ISBN-13: 978-3442312849</p>
<p><em>Hat Ihnen die Rezension weiter geholfen? – belletristiktipps ist ein unabhängiges Medium für Rezensionen von belletristischen Neuerscheinungen. Damit dies auch so bleiben kann, brauchen wir Ihre Unterstützung: Wenn Sie dieses Buch kaufen möchten, benutzen Sie bitte den folgenden Link zu unserem KULTURBUCHLADEN oder unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer kleinen <a href="https://www.paypal.com/cgi-bin/webscr?cmd=_s-xclick&amp;hosted_button_id=4GPDC4C8K532W" target="_blank">Spende</a>. – Vielen Dank!</em><br />
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		<title>Rainer Maria Rilke: „Die schönsten Gedichte“</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Oct 2012 09:47:16 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben [...]“ &#8211; Wer kennt nicht diese leise Melancholie, die von Rilkes Gedicht „Herbsttag“ ausgeht? Rainer Maria Rilke, 1875 geboren in Prag und 1926 schon mit 51 Jahren in einem Schweizer Sanatorium gestorben, war einer der bedeutendsten, vielleicht der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/rilke-schoenstegedichte-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1293" title="Rainer Maria Rilke: „Die schönsten Gedichte“" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2013/02/rilke-schoenstegedichte.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben [...]“</em> &#8211; Wer kennt nicht diese leise Melancholie, die von Rilkes Gedicht „Herbsttag“ ausgeht?</p>
<p>Rainer Maria Rilke, 1875 geboren in Prag und 1926 schon mit 51 Jahren in einem Schweizer Sanatorium gestorben, war einer der bedeutendsten, vielleicht der bedeutendste deutschsprachige Lyriker.</p>
<p>In der Insel-Taschenbuch „Rainer Maria Rilke &#8211; Die schönsten Gedichte“ sind sie alle versammelt, die schönsten Gedichte, die wir aus jener Epoche kennen, die das „lange 19. Jahrhundert“ genannt wurde, das bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs 1914 dauerte.</p>
<p>Um Rilkes bilderreiche und stimmungsvolle Sprache wirklich genießen zu können, muss man sich die Entstehungszeit der Gedichte vergegenwärtigen. Es war eine Zeit, in der die Wissenschaften, die Künste, die Kultur und die Sprache auf ihrem Höhepunkt waren, bevor alles in den Stahlgewittern des Weltkriegs versank.</p>
<p>Rilke ist aber nicht nur bekanntermaßen ein Meister der Sprache, sondern auch ein Zauberer melancholischer Stimmungen. Seine Gedichte sind die passende Lektüre für goldene Herbsttage und die blauen Stunden, die die Grenze zwischen Tag und Abend bilden.</p>
<p>„Dichten ist für Rilke die Art, die Welt zu erfassen und das Leben zu bewältigen“, betont auch der Klappentext. Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind es insgesamt 124 Gedichte, die man für schlappe fünf Euro erhält. Das macht umgerechnet nicht einmal vier Cent pro Gedicht. Es gibt wenige kulturelle Vergnügungen, in die man besser und günstiger investieren könnte, als in dieses Taschenbuch, was man sich auf den Kaffeetisch oder auf den Nachttisch legen sollte.</p>
<p>Sagen wir es kurz und deutlich: Rilkes „Schönste Gedichte“ gehören auch heute noch, über 80 Jahre nach seinem Tod, in jeden Haushalt.</p>
<p>Autor: Rainer Maria Rilke<br />
Titel: „Die schönsten Gedichte“<br />
Taschenbuch: 178 Seiten<br />
Verlag: Insel Verlag<br />
ISBN-10: 345835753X <a href="javascript:"><img style="border: 0px none; height: 16px; width: 16px; display: inline;" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" alt="" /></a> <a href="javascript:"><img style="border: 0px none; height: 16px; width: 16px; display: inline;" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" alt="" /></a><br />
ISBN-13: 978-3458357537 <a href="javascript:"><img style="border: 0px none; height: 16px; width: 16px; display: inline;" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" alt="" /></a> <a href="javascript:"><img style="border: 0px none; 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		<title>Rainer Maria Rilke: „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ – Faksimile-Ausgabe und Textgenetische Edition des „Berner Taschenbuches“</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Sep 2012 08:36:35 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[„Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ gehören zu den interessanten und kanonischen Texten der literarischen Moderne. Veröffentlicht 1910, ist Rilkes Roman in Tagebuchform vor allem eine Verarbeitung eigener Erfahrungen, die er zu Anfang des 20. Jahrhunderts während längerer Aufenthalte in Paris machte. So stellt der Roman, wie viele andere Werke seiner Zeit, die Großstadterfahrung ins [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/rilke-lauridsbriggefak-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1266" title="Rainer Maria Rilke: „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ – Faksimile-Ausgabe und Textgenetische Edition des „Berner Taschenbuches“" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/09/rilke-lauridsbriggefak.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>„Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ gehören zu den interessanten und kanonischen Texten der literarischen Moderne. Veröffentlicht 1910, ist Rilkes Roman in Tagebuchform vor allem eine Verarbeitung eigener Erfahrungen, die er zu Anfang des 20. Jahrhunderts während längerer Aufenthalte in Paris machte. So stellt der Roman, wie viele andere Werke seiner Zeit, die Großstadterfahrung ins Zentrum der Handlung.</p>
<p>Rilke arbeitete mehrere Jahre an diesem Text. Sein Manuskript hielt er in zwei so genannten „Taschenbüchern“ und in einem „älteren größeren Manuskript“ fest. Das erste Taschenbuch ist bis heute als verschollen; das zweite „Berner Taschenbuch“ – ein handelsübliches Notizbuch im Format 14,4 x 8,2 cm mit karierten Blättern &#8211; befindet sich seit 1953 im Rilke-Archiv.</p>
<p>Jetzt ist im Wallstein-Verlag ein Faksimile-Druck dieses kleinen Notizbuches mit einer begleitenden textgenetischen Edition erschienen. Der Text des Manuskripts setzt ziemlich genau in der Mitte des Romans ein; es handelt sich ja um das Manuskript des zweiten Teils.</p>
<p>Thomas Richter, Franziska Kolp und Irmgard M. Wirtz, die Herausgeber und Editoren dieser Ausgabe, legen eine fachlich überzeugende und längst fällige Faksimile-Ausgabe des „Berner Taschenbuchs“ vor, die wichtige Impulse für die Rilke-Forschung erhoffen lässt.</p>
<p>„Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ sind Rilkes einziger Roman. Die textgenetische Edition gewährt interessante Einblicke in die Arbeitsweise des Autors und den Entstehungsprozess des Romans.</p>
<p>Konsequent wurde das Originalformat des Notizbuches zum Maßstab für die Faksimile-Ausgabe. So hält der Leser &#8220;sein&#8221; Rilke-Manuskript wirklich 1:1 in den Händen. Wer die „Aufzeichnungen“ bereits kennt, wird an dieser zweibändigen Ausgabe am meisten Freude haben, denn er wird nicht nur die bekannten Textpassagen erneut lesen, sondern auch neue kennen lernen, die vom Autor gestrichen oder überarbeitet wurden. Allen anderen sei zunächst die preisgünstige <a href="http://astore.amazon.de/kulturbuchtipps-21/detail/315009626X" target="_NEW">Reclam-Ausgabe</a> des Romans aus voran gehende Lektüre empfohlen.</p>
<p>Herausgeber: Thomas Richter, Franziska Kolp, Irmgard M. Wirtz<br />
Autor: Rainer Maria Rilke<br />
Titel: „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ – Faksimile-Ausgabe und Textgenetische Edition des „Berner Taschenbuchs“<br />
Gebundene Ausgabe: 536 Seiten (2 Bde. Im Schuber)<br />
Verlag: Wallstein<br />
ISBN-10: 3835311255 <a href="javascript:"><img style="width: 16px; display: inline; height: 16px; border: 0px;" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" alt="" /></a> <a href="javascript:"><img style="width: 16px; display: inline; height: 16px; border: 0px;" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" alt="" /></a> <a href="javascript:"><img style="width: 16px; display: inline; height: 16px; border: 0px;" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" alt="" /></a><br />
ISBN-13: 978-3835311251 <a href="javascript:"><img style="width: 16px; display: inline; height: 16px; border: 0px;" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" alt="" /></a> <a href="javascript:"><img style="width: 16px; display: inline; height: 16px; border: 0px;" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" alt="" /></a> <a href="javascript:"><img style="width: 16px; display: inline; height: 16px; border: 0px;" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" alt="" /></a></p>
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		<title>Jane Austen: „Lady Susan“</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Sep 2012 09:02:20 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Im vierten Jahr nach der Französischen Revolution von 1789, während in Deutschland der Klassizismus durch Goethe und Schiller in voller Blüte steht, sitzt eine 18jährige Engländerin im Pfarrhaus eines kleinen Dorfes in der südenglischen Grafschaft Hampshire und schreibt einen Briefroman. Angeregt durch „Pamela“ und „Clarissa“, die ungemein erfolgreichen Briefromane Samuel Richardsons, die bereits vor einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/austen-ladysusan-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1260" title="Jane Austen: „Lady Susan“" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/09/austen-ladysusan.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Im vierten Jahr nach der Französischen Revolution von 1789, während in Deutschland der Klassizismus durch Goethe und Schiller in voller Blüte steht, sitzt eine 18jährige Engländerin im Pfarrhaus eines kleinen Dorfes in der südenglischen Grafschaft Hampshire und schreibt einen Briefroman.</p>
<p>Angeregt durch „Pamela“ und „Clarissa“, die ungemein erfolgreichen Briefromane Samuel Richardsons, die bereits vor einem halben Jahrhundert erschienen waren, und vielleicht auch ausgelöst durch die eigene Lektüre der vor wenigen Jahren in englischer Übersetzung erschienenen „Gefährlichen Liebschaften“ des Franzosen Choderlos de Laclos, schreibt die junge Autorin ihren ersten und einzigen Briefroman – zu einer Zeit, in der diese Form des Romans längst durch neue Formen abgelöst worden war.</p>
<p>„Lady Susan“ ist Jane Austens erster Roman, und er war vielleicht niemals für eine Veröffentlichung vorgesehen. Doch wir verdanken es den unermüdlichen Anstrengungen der Austen-Forschung, dass wir nun diesen kleinen Briefroman auch in einer neuen deutschen Übersetzung in den Händen halten dürfen.</p>
<p>Die Arbeit des Übersetzers ist von dem Vorsatz getragen, dem Original in seiner künstlerischen Form gerecht zu werden und gleichzeitig den Inhalt möglichst nahe bei der erzählten Geschichte zu belassen. Entscheidend ist die Einfühlung des Übersetzers in den Text sowie sein Vermögen, sich in den Autor hinein zu versetzen und seiner ursprünglichen Schreibintention nachzuspüren. Übersetzen ist ein hermeneutischer Prozess mit ungewissem Ausgang. Dass dieser Übersetzungsprozess im Fall von „Lady Susan“ gelungen ist, ist der Übersetzerin Ilse Leisi zu verdanken und darf den deutschen Leser erleichtert aufatmen lassen.</p>
<p>Es ist eine nette kleine Geschichte, die durch die Fokussierung auf die intriganten Züge und die Doppelbödigkeit der Kommunikation dieser wenigen Charaktere unterhält und auch in der eher schwierigen und steifen Vorgaben unterliegenden Form des Briefromans bereits jene distanzierte Erzählinstanz mit dem ironischen Unterton erkennen lässt, die Jane Austen für ihr literarisches Werk weltweit berühmt gemacht hat.</p>
<p>Der Briefroman gibt eine Struktur vor, in der die Geschichte erzählt und die Handlung vorangetrieben werden muss. Schwierige formale Hürden, wie zum Beispiel die Einführung in die Erzählwelt zu Beginn der Geschichte, meistert Jane Austen ohne erkennbare Mühen.</p>
<p>Auch die Geschichte von „Lady Susan“ spielt in jener hermetischen Abgeschlossenheit des englischen Bürgertums, die einerseits durch feste Moralvorschriften und andererseits durch eine über die verfeinerte Kommunikation transportierte sexuelle und erotische Freizügigkeit der Frauen geprägt ist.</p>
<p>Jane Austen ist neben den Bronte-Schwestern und George Eliot die wichtigste Autorin des frühen 19. Jahrhunderts, die für die literarische Ausformung dieses neuen Frauenbildes verantwortlich zeichnet. Ihre Liebesromane werden zu Recht ein fester Bestandteil der Weltliteratur, und „Lady Susan“ lässt bereits die ersten Ansätze ihres erzählerischen Talents erkennen.</p>
<p>„Lady Susan“ ist für Jane-Austen-Fans ein Muss und eine unterhaltsame Lektüre für die Freunde der klassischen englischen Literatur. Jane Austens „Erstling“ von 1793/94 in deutscher Übersetzung von Ilse Leisi.</p>
<p>Autor: Jane Austen<br />
Titel: „Lady Susan“<br />
Taschenbuch: 176 Seiten<br />
Verlag: btb Verlag<br />
ISBN-10: 3442743834 <a href="javascript:"><img style="width: 16px; display: inline; height: 16px; border: 0px;" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" alt="" /></a><br />
ISBN-13: 978-3442743834 <a href="javascript:"><img style="width: 16px; display: inline; height: 16px; border: 0px;" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAsZJREFUeNpkU11IFVEQ/s7u5k/d0jL603wKLBMDpRuIFEQ+BkVGGUgEReBLRSEa+BD0EgVJP74kCElppVbqQxAUFBgJUiISUaQ+iGB2Re/evXd/zplmz+rtoYU55+yZMzPffDMjEi1Xd8GyOlVy+ZDKpAGlQOBPRKLP/JEQLOFBQaZs+LMzb9z5+Sb8ab782f02SUqprEgptQSBJD8IyPMDcj2fXNejTMYjJ+3S3MALGtm7Y8RSi4nqNWV7okgrC5Feo53oP+EYsA7WYVlR3JJ2yowwEvzxr3DfvQVME7nH6yG2l0AxXOfZE7gT4zB3lyP/7HmQYSDgVF2CaYGkjhRMTyF5/Roo7bBRCk5PNzY8H4Ld0Y4Un1UY+XU/0pMTKLh1j1EoKObEiEhi5WIia6wcB/7Cbzh9vQj4XhuzSH6ZGnoFb24WTJEm2QgXTglmZRVyLzTBKCsHFRVBSQn/10+svdKK3NONMCoqQTl52ok3Mw2ppK6KEaWvKUNOfQNind1Yd+eBhkgFGyFKShBru4nC3kHkHDsBFRoUbmIEMkIQellllrjGxLtaWtKQzX1V+l7K6D5YTgJbt0HsLIUMVIRAN4h2oPRj7gQ4gwNcgWJYh+sYqtK6IJlE+tNH5J08w2kIXYXQ1gpJ1HBXiMp8eA9n+CXWd3SBuEjaKesTbc2gzVuQ13BOw9cI2NbSKYQw+ZHz9DFSD+8idvs+zHgNE8lta9tItFxCYCdR2P4IintAcQW4SzUHHIK9hdFdF/6P74h190EUl2ZTcr6MwqiOo+BUIxMospx4jCIk1JKpJFckMKVhIb/1RgQ5jBw65UfWgVoY+2vAY6HTDOvv+h4cRuZzF1rezNTYQn9v3DhyVCsjYxXt6t9ZV4f1vgzgZDJIDPcwB2JUjFUU71pU1GUrqvX02FJ2nDU/QkTznP1fHXHBQ4OLfwUYALhaDRT0WgkEAAAAAElFTkSuQmCC" alt="" /></a></p>
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		<title>Raymond Carver: „Beginners – Uncut – Die Originalfassung“</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 10:05:19 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Rezension Raymond Carver Beginners]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension Raymond Carver Beginners Uncut Die Originalfassung]]></category>
		<category><![CDATA[short story]]></category>
		<category><![CDATA[sozial]]></category>
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		<description><![CDATA[Als Carvers Erzählband „Beginners“ in den frühen 1980er Jahren unter dem Titel „Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden“ auf Deutsch erschien, war schnell klar, dass die amerikanische Short Story alles Anderes als tot war. Im Gegenteil: Carvers lakonischer und knapper Stil wurde zu seinem Markenzeichen und machte ihn quasi über Nacht zum amerikanischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/carver-beginners-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1306" title="Raymond Carver: „Beginners – Uncut – Die Originalfassung“" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2013/02/carver-beginners.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Als Carvers Erzählband „Beginners“ in den frühen 1980er Jahren unter dem Titel „Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden“ auf Deutsch erschien, war schnell klar, dass die amerikanische Short Story alles Anderes als tot war. Im Gegenteil: Carvers lakonischer und knapper Stil wurde zu seinem Markenzeichen und machte ihn quasi über Nacht zum amerikanischen Kultautor seiner Zeit.</p>
<p>Interessant ist an dieser Geschichte, dass die Arbeit seines damaligen Lektors Gordon Lish einen nicht unerheblichen Anteil am Erfolg von Carvers Büchern hatte. Lish kürzte Carvers Originalmanuskripte zum Teil um bis zu 40% und prägte so sehr dessen pointierten und minimalistischen Schreibstil, dass man ohne Übertreibung von einer Co-Autorschaft sprechen könnte.</p>
<p>Raymond Carver war schwer alkoholabhängig und starb bereits mit 50 Jahren 1988 an Lungenkrebs. Man liest, dass er immer wieder unglücklich über die vielen Eingriffe und Kürzungen war, die der Lektor an seinen Texten vornahm. Carver hätte sich „zeitlebens eine Veröffentlichung der ungekürzten Geschichten gewünscht“, heißt es auf dem Klappentext der jetzt bei S. Fischer erschienenen Übersetzung der vollständigen Texte. &#8211; Jetzt gibt es also „Carver – Uncut“ in deutscher Übersetzung, und das Ergebnis ist alles Andere als ernüchternd.</p>
<p>Natürlich lesen sich die Storys in voller Länge anders als in ihrer kondensierten Form, genau genommen, kann man „Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden“ (Gordon Lish, 1981) und „Beginners“ (Raymond Carver, 2012) wie zwei verschiedene Bücher lesen; aber die Geschichten sind und bleiben, was sie schon immer waren: gut geschriebene Short Storys, die den amerikanischen Alltag in seiner scheinbaren Normalität und einer gleich dahinter lauernden Abgründigkeit beschreiben, wie es vor ihm und lange nach ihm kaum ein Autor beschreiben konnte.</p>
<p>Mit der Originalfassung der Geschichten ist nun eine spannende und letztlich auch ein das historische Bild des Autors korrigierendes Buch erschienen. Wer Raymond Carver noch nicht kennt, kann mit „Beginners – Uncut“ einen aktuellen Einstieg in sein Werk erhalten und sich dann in der Zeit rückwärts zu seinen alten Werken begeben; und auch wer den alten Carver kennt und liebt, wird an der neuen und zum Teil völlig anderen Gestalt seiner Short Storys seine wahre Freude haben. &#8211; Also ein Buch für alle, die aufregende und überraschende Geschichte aus dem amerikanischen Alltag der 1970er Jahre mögen – allerdings für Leser unter 18 nicht geeignet.</p>
<p>Autor: Raymond Carver<br />
Titel: „Beginners – Uncut – Die Originalfassung“<br />
Gebundene Ausgabe: 368 Seiten<br />
Verlag: S. Fischer Verlag<br />
ISBN-10: 3100101502<br />
ISBN-13: 978-3100101501</p>
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		<title>Interview mit Arnon Grünberg auf der Leipziger Buchmesse 2012 über &#8220;Mit Haut und Haaren&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Apr 2012 13:35:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[arnon gruenberg interview 2012]]></category>
		<category><![CDATA[arnon grünberg]]></category>
		<category><![CDATA[arnon grunberg mit haut und haaren gespräch]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<category><![CDATA[Interview Arnon Grünberg auf der Leipziger Buchmesse 2012]]></category>

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		<description><![CDATA[RALPH KRÜGER:  Herr Grünberg, auch Ihr neuer Roman &#8220;Mit Haut und Haaren&#8221; ist wieder einmal eine sehr komplexe Gerschichte. können Sie unseren Lesern in ein, zwei Sätzen erklären, worum es in Ihrem neuen Buch geht? ARNON GRÜNBERG: Es geht um Roland Oberstein, einen Ökonom, und um die Geschichten um ihn herum. Da sind viele Frauen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/arnongrunberg2012-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1238" title="Arnon Gruenberg (C) 2012 Ralph Krueger Berlin" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/05/arnongrunberg2012.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>RALPH KRÜGER:  Herr Grünberg, auch Ihr neuer Roman &#8220;Mit Haut und Haaren&#8221; ist wieder einmal eine sehr komplexe Gerschichte. können Sie unseren Lesern in ein, zwei Sätzen erklären, worum es in Ihrem neuen Buch geht?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Es geht um Roland Oberstein, einen Ökonom, und um die Geschichten um ihn herum. Da sind viele Frauen und ein Kind: seine Exfrau Sylvie, seine Freundin Violet; dann lernt er auf einer Konferenz über die Shoa in Frankfurt am Main Lea, seine Geliebte, kennen&#8230; Wenn er dann am Ende des Buches wieder aus den USA nach Holland zurück kehrt, um wieder mehr Zeit mit seinem Sohn verbringen zu können, begegnet er Gwenny, einer jungen Studentin. In meinem ganzen Buch geht es eigentlich um Beziehungen und um die Verknüpfungen, durch die die eine Beziehung die folgende Beziehung hervorruft. Es geht darum, wie diese Beziehungen wie ein Netzwerk sind. Und natürlich geht es um die Ökonomie von Liebesbeziehungen und Freundschaften!</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Roland Oberstein ist ein bekannter Wirtschaftswissenschaftler, und wie er immer wieder gern betont, ist er ein Forscher, wobei die Forschung seine eigentliche Heimat ist. In Ihrem Buch gibt es auch einen sehr schönen und charakteristischen Satz, der diese Geisteshaltung der akademischen Welt verdeutlicht: &#8220;Was ist schon ein Privatleben, wenn man seine Studenten hat und seine Forschung?!&#8221; &#8211; Das ist auch das Credo Roland Obersteins.</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ja, das ist richtig. ich möchte nicht sagen, dass Roland ein typischer Akademiker ist, aber er ist ein typischer Mann, der vor allem in und für seine Untersuchungen und Forschungen lebt. Eigentlich versucht er die ganze Zeit &#8211; und es ist schon eine Ironie, dass ihm das nicht gelingt -, die Leute, die er ja trotzdem braucht, denn sonst würde er auch keine Beziehungen knüpfen oder geschehen lassen, auf einer gewissen Distanz zu halten und seine Arbeitszeit zu verteidigen. Aber das gelingt ihm nicht. Doch er ist jemand, der meint, in und für seine wissenschaftliche Arbeit zu leben.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Im Laufe der Geschichte wissen auch alle Frauen voneinander und kommunizieren auch aktiv miteinander. Das ist ja auch eine erstaunliche Situation, die die Frage nach der Ökonomisierung der Liebesbeziehungen auf eine eindrucksvolle Weise beantwortet.</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ich hatte auch schon, als ich das Buch begann, dass dieser Mann ein Ökonom sein musste. Für diesen Roman musste ich auch eine Menge in der Welt der Ökonomie recherchieren, von der ich noch nicht viel wusste. Das war und ist ein wichtiges Thema für mich.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Wie sind Sie an diese Geschichte heran gegangen? Gab es irgendwelche Vorbilder, an denen Sie sich orientiert haben?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Für einen Schriftsteller spielt alles eine Rolle &#8211; was er miterlebt, was er sieht, was er beobachtet&#8230; Was auch nicht unwichtig war: Ich habe selbst 2005, 2008 und 2009 an verschiedenen Universitäten ein Semester doziert. Ich habe selbst nie studiert, aber auf diese Weise habe ich die Welt der Universitäten aus der Sicht der Dozenten mitbekommen. Damals dachte ich, dass es eigentlich schade sei, dass ich über diese Welt noch nie etwas geschrieben hatte, denn darüberr lohnte es wirklich mal zu schreiben. Was mich dann besonders gereizt hat, war die Tatsache, dass man zwar ein sehr guter Experte auf seinem Fachgebiet, andererseits jedoch sozial vollkommen ohnmächtig sein kann. Das fand ich interessant: intelligent und erfolgreich und trotzdem diese soziale Ohnmacht. Ich dachte immer, die Welt der Schriftsteller sei voller Intrigen; aber die Welt an der Uni, das ist ja mit einiger Übertreibung nur so von Hass und Neid aufeinander erfüllt, das ist ja unheimlich, wie da um Positionen gekämpft wird. Da wird mit Ellbogen und allen Tricks gekämpft. Und gleichzeitig ist man doch an den Universitäten in einer Welt, in der es um höhere Angelegenheiten geht als die eigenen Ambitionen. Oder besser: es sollte nicht um die eigenen Ambitionen gehen; aber es wird auch immer wieder vertuscht und unter dem Tisch geregelt&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Man liest das ja auch immer wieder, um mal ein Gegenbeispiel zu bringen, aus christlichen und kirchlichen Kreisen. Gerade dort, wo man sich der Unterstützung der Höheren Mächte einigermaßen sicher zu sein scheint, geht es doch mitunter sehr menschlich zu.</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Das klingt ja interessant. Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, dass es auch in der Kirche so ablaufen könnte. Jetzt bringen Sie mich auf eine Idee, der ich vielleicht einmal nachgehen sollte&#8230;! (lacht)</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Ich habe auch bei der Vorbereitung auf unser Gespräch auf Ihrer Website gesehen, dass Sie ja neben dem Schreiben eine Menge anderer Dinge machen &#8211; Sie haben unter anderem in einem Speisewagen gearbeitet&#8230;</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ja, das habe ich 2008 in der Schweiz gemacht. Ich finde, diese Sachen machen nicht nur Spaß, sie sind auch für mich wichtig, um wirklich eine andere Welt aus der Nähe kennen zu lernen. Ein Schriftsteller wie Alain de Botton hat ja auch am Londoner Flughafen gearbeitet. Ich glaube, dass es wichtig für einen Schriftsteller ist, wie ich es sein will, dass er nicht nur die literarische Welt sieht, sondern auch einmal woanders hingeht, wo er die Menschen beobachten und lernen kann, wie es dort abläuft.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Herr Grünberg, können Sie in diesem Zusammenhang ein bisschen über sich selbst erzählen: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ich wollte einmal Schauspieler werden. Das ist nicht gelungen. Ich hatte das Gymnasium verlassen, weil ich dachte, warum soll ich das Gymnasium fertig machen, wenn ich Schauspieler werden will? Ich habe dann versucht, an verschiedene Schauspielschulen heran zu kommen, das ist nicht gelungen. Dann habe ich angefangen mit 17 zu arbeiten. Da bin ich dann auch rausgeflogen und habe dann einen eigenen Verlag gegründet. Ich habe immer schon sehr gern gelesen, war dann auch einmal auf der Frankfurter Buchmesse und war ziemlich beeindruckt und habe mir gesagt, ja, Verleger werden, das möchte ich wirklich. Ich habe dann auch einige Bücher verlegt.. Ich glaube, umso weniger man weiß, desto eher versucht man neue Sachen zu machen. Dieser Verlag hat dann Pleite gemacht, ich hatte noch versucht, den Verlag zu verkaufen. Ein holländischer Verleger wollte ihn nicht kaufen, aber hatte mich selbst dann gedrängt und ermutigt zu schreiben. Der war ziemlich wichtig, denn obwohl ich schon vorher meine Stücke und viele Briefe geschrieben hatte, kam ich nie auf die Idee, jetzt schreibe  ich einen Roman&#8230; Aber der hat an mich geglaubt und mich dann stimuliert, meinen ersten Roman (&#8220;Blauer Montag&#8221;) zu schreiben. Der wurde dann ein Erfolg, und seit dieser Zeit im Mai 1994, als er in Holland publiziert wurde, lebe ich von meiner schriftstellerischen Arbeit. Jetzt kann ich mir eigentlich nicht mehr vorstellen, dass ich noch etwas anderes tun werde als Schreiben.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Sie können also schon lange vom Schreiben leben.</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ja, seit dem ersten Romanerfolg lebe ich davon. Aber es geht ja nicht nur um die Ökonomie, sondern es geht auch um das, was ich machen will und seit 15 Jahren mache und auch weitermachen werde.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Und sie leben in New York?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ja, allerdings bin ich auch viel in Amsterdam. 1995 bin ich wegen der Liebe nach New York gezogen und dort geblieben. In der letzten Zeit reise ich sehr viel und bin deshalb nur etwa fünf bis sechs Monate pro Jahr in New York. Aber ich bin jetzt auch viel in Amsterdam, weil meine Mutter dort lebt und ziemlich krank war, und ich möchte mehr Zeit mit meiner Mutter verbringen. Doch ich habe zum Beispiel keine Wohnung in Amsterdam. Wenn ich dort bin, wohne ich in einem kleinen Hotel.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Kommen wir zurück zu Ihrer Hauptfigur, Roland Oberstein. Das ist ja eigentlich ein komischer Typ und doch eine faszinierende Persönlichkeit. Seine Freundin Antoinette sagt, er sei wie ein Fisch, der sich überall geschmeidig durchwindet. Und doch ist er ambivalent. Er wirkt zunächst sehr rational und gut durchstrukturiert, gerade was seine Liebesbeziheungen betrifft. Immer wenn es um Liebe geht, tut er sich schwer, eine eindeutige Stellung zu beziehen und die Gefühle der anderen zu deuten. Er ist in diesem Bereich nahezu autistisch, könnte man sagen. Er hat Schwierigkeiten, eigene Gefühle wahrzunehmen, aber auch, die Gefühle seines Gegenübers zu deuten, fällt ihm nicht leicht.</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Jemand hat Roland beschrieben als einen Menschen, der an einem Asperger-Syndrom leidet. Das passt ganz gut, denn damit hat er wirklich Probleme. Wie oft beim Asperger-Syndrom können diese Leute aber eine Sache ganz besonders gut, sie sind sehr spezialisiert. Aber Roland macht das Gefühlsleben auch Angst, und er weiß auch nicht, was seine eigenen Gefühle in ihm bewirken. Deswegen braucht er auch immer wieder diese Distanz und versucht, sekundär zu reagieren und sich nicht von seienn Gefühlen beherrschen zu lassen.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Was ihm jedoch nicht so ganz gelingt&#8230;</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Nein, es gelingt ihm nicht.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Aber die Eroberung ist für ihn sehr wichtig. Wir haben ja auch gegen Ende Ihres Buches die Figur der Gwenny, die jedoch zu seinem Stolperstein wird.</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: In dieser Frau hat er sich geirrt und das wird ihm zum Verhängnis. Jedoch nicht nur weil er Gwenny und ihr Spiel nicht durchschaut, sondern weil er sich selbst nicht versteht. Roland hat seine eigene Eifersucht nicht im Griff.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Wie gehen Sie mit Ihrem Stoff um? Wie schreiben Sie?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ich habe zunächst eine Idee und eine Hauptfigur. Und dann habe ich Disziplin. Dann kommt der Zeitpunkt, an dem ich sage: Jetzt habe ich genug gesammelt und im Kopf, und jetzt fange ich an zu schreiben. Dann schreibe ich 800-1000 Wörter pro Tag. Wenn ich zwischendurch eine Reise mache, dann gelingt mir das natürlich nicht, und dann bleibt es eben zwei Wochen liegen, aber dann schreibe ich weiter, korrigiere und lese parallel weiter. Solch ein Buch wie &#8220;Mit Haut und Haaren&#8221;, das sind etwa 18 Monate Arbeit, würde ich sagen. Dann kommen natürlich noch die Recherchen dazu, aber das ist ja die eigentlich schöne Arbeit eines Schriftstellers. Ich habe für diesen Roman zum Beispiel mit vielen Ökonomen gesprochen, mit dem Bezirksbürgermeister von Brooklyn &#8211; also mit vielen Figuren des Buches. Ich war auch auf dem Campus für 3-4 Tage zu Gast. Denn ich denke, wenn man gewisse Orte in einem Roman als Schauplätze benutzt, dann sollte es auch alles irgendwie stimmen.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Schreiben Sie dann von A bis Z &#8211; also vom Anfang bis zum Ende &#8211; oder haben Sie vorher eine Gliederung des Stoffes in einzelne Kapitel vorgenommen?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ich schreibe immer von A bis Z. Ich fange an und schreibe dann weiter.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Das ist ja immer wieder eine spannende Frage, denn manche Autoren arbeiten ja völlig strukturiert. Die arbeiten dann mit einer Kapitelübersicht und schreiben dann &#8211; je nachdem &#8211; zum Beispiel ein Kapitel mit letzten Drittel, dann wieder eines aus der ersten Hälfte und so weiter.</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Nein, nein, das könnte ich gar nicht so machen. Das ist ja in etwa so, als ob man einen Film drehte und sagte: So, jetzt machen wir Szene 7 und morgen Szene 24. Das könnte ich so nicht schreiben. Aber natürlich gab es für diesen Roman eine Struktur, und natürlich braucht man auch eine Vorstellung davon, wohin das Ganze gehen soll. &#8211; Das ist dann, wenn Sie so wollen, die &#8220;Ökonomie des Erzählens&#8221;. Aber ich habe noch nie ein Buch von seinem Ende her geschrieben. Schließlich bin ich ja auch mein erster Leser, und ich möchte die Geschichte miterleben. Bevor ich schreibe, weiß ich auch noch nicht alle Details einer Geschichte. Man kann auch zuvor alles richtig geordnet im Kopf haben, und trotzdem ist es etwas völlig Anderes, wenn man es aufschreibt.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Wie sehr verändert sich der Text nach der Rohfassung?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Sehr. Es gibt Kapitel, die sind aus einem Guss geschrieben, aber an vielen Kapiteln habe ich eine Menge geändert.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Wo und in welchen Sprachen wird &#8220;Mit Haut und Haaren&#8221; verkauft?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Die deutsche Übersetzung ist die zweite, danach kommen Frankreich und Italien. Mein Buch ist in 25 Sprachen übersetzt, aber natürlich sind nicht alle meine Bücher in 25 Sprachen übersetzt worden. Bei &#8220;Haut und Haaren&#8221; kommt wahrscheinlich auch noch die USA hinzu.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Was sind Ihre nächsten Projekte?</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ich bin jetzt gerade dabei, einen kleinen Roman zu schreiben, der Ende Mai in Holland erscheinen wird. Im Herbst gehe ich nach Afghanistan, um darüber zu schreiben. Dann schreibe ich ja jeden Tag &#8211; also sechs Mal die Woche &#8211; eine Kolumne für eine holländische Tageszeitung, das geht auch weiter. Und im Sommer habe ich eigentlich immer ein Projekt, wo ich eine Zeitlang in einem neuen Umfeld arbeite, so wie damals im Schweizer Speisewagen. Ich weiß noch nicht genau, was ich in diesem Sommer machen werde, das ist noch offen. &#8211; Vielleicht gehe ich ja zur katholischen Kirche&#8230; (lacht)</p>
<p>RALPH KRÜGER:  In diesem Sinne: vielen Dank, Herr Grunberg!</p>
<p>ARNON GRÜNBERG: Ich bedanke mich auch.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Arnon Grünberg: „Mit Haut und Haaren“</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Apr 2012 13:19:09 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Roland Oberstein ist Wissenschaftler. Die Forschung steht bei ihm an erster Stelle. Als Wirtschafts-wissenschaftler interessiert er sich für die „Geschichte der Blasenbildung“, an der er seit langem schreibt. Daneben findet er durchaus auch die Untersuchung des Völkermords unter wirtschaftwissenschaftlichen Aspekten interessant. Seine Familie hat er der Wissenschaft geopfert. „Was ist schon ein Privatleben, wenn man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/gruenberg-hauthaaren-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1233" title="Arnon Grünberg: „Mit Haut und Haaren“" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/05/gruenberg-hauthaaren.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Roland Oberstein ist Wissenschaftler. Die Forschung steht bei ihm an erster Stelle. Als Wirtschafts-wissenschaftler interessiert er sich für die „Geschichte der Blasenbildung“, an der er seit langem schreibt. Daneben findet er durchaus auch die Untersuchung des Völkermords unter wirtschaftwissenschaftlichen Aspekten interessant. Seine Familie hat er der Wissenschaft geopfert.</p>
<p>„<em>Was ist schon ein Privatleben, wenn man seine Studenten hat und seine Forschung.</em>“ – O-Ton Roland Oberstein. Der Niederländer ist als Dozent auf die Universität von Fairfax berufen worden. Fairfax nahe Washington, ein kleines Kaff, das außer dem Campus nicht viel zu bieten hat. „<em>Wenn das Leben eine Vorbereitung auf den Tod sein sollte, war ein Aufenthalt in Fairfax geradezu ideal.</em>“ Noch einmal O-Ton Roland Oberstein.</p>
<p>Von solch lakonischen Sätzen wimmelt es in Arnon Grünbergs neuem Roman „Mit Haut und Haaren.“ Er erzählt die Geschichte Roland Obersteins, eines mittelalten Mannes aus dem gutbürgerlichen Milieu, der für seine Forschung lebt und dabei zwar seine Familie vernachlässigt und dennoch nicht ganz auf Liebschaften verzichten will.</p>
<p>Seine Ex-Frau Sylvie lebt mit dem Sohn Jonathan in Amsterdam, seine Freundin Violet ebenfalls. Doch er ist in den USA und kommuniziert nur per Handy, E-Mail und Skype mit ihnen. Auf einer Holocaust-Tagung in Frankfurt lernt er Lea kennen, eine Rudolf Höß-Forscherin und Holocaust-Expertin, eine unzufriedene, weil unbefriedigte Ehefrau des amtierenden Bezirksbürgermeisters von Brooklyn.</p>
<p>Irgendwie bekommt man den Eindruck, alle Charaktere dieses Romans haben Wichtigeres zu tun, als sie um ihre Familien und Beziehungen zu kümmern, wollen jedoch keinesfalls auf sexuelle Abenteuer verzichten. Da man sich interessant findet, ist es auch nur eine Frage der Zeit und der Möglichkeiten, bis Roland mit Lea eine Beziehung anfängt.</p>
<p>Jeder betrügt letztlich jeden: Lea betrügt ihren Mann Jason, der sie mit einem schwulen UPS-Boten betrügt. Roland betrügt nicht nur seine Ex-Frau Sylvie, sondern auch seine Freundin Violet, die ihn wiederum mit einem Satellitentelefon-Verkäufer namens Wytse betrügt. Als dann auch noch die junge Studentin Gwenny Roland verführt und die sexuellen Abenteuer auf Facebook stellt, ist Rolands Karriere in den USA beendet.</p>
<p>Das alles liest sich so banal wie im richtigen Leben. Das Leben ist meist nicht hübsch und spannend wie im Film. Letztlich betrügt jeder jeden und vor allem sich selbst. Die große Lüge vom erfüllten Leben, das Arbeit, Partnerschaft und aufregenden Sex als permanentes Spannungsverhältnis aufrecht zu erhalten vermag, wird in Arnon Grünbergs neuem Roman auf unspektakuläre Weise entlarvt.</p>
<p>Die Protagonisten stellen sich selbst ein Bein, sind unachtsam oder einfach nur müde. Bei Roland Oberstein schwingt aber noch eine andere, fast autistische Komponente mit. Er scheint auf seltsame Weise nicht zu Gefühlen fähig, handelt so, wie man doch handeln sollte, und betrachtet sich selbst wie den Akteur eines lebenslangen Theaterspiels.</p>
<p>Was er bei seinen Abenteuern empfindet? Nichts. Auch die Gefühle seines Gegenübers zu deuten, fällt ihm unendlich schwer. Er ist wie abgetrennt von seinen Empfindungen und den Empfindungen der Anderen.</p>
<p>Wie eine tickende Zeitbombe bewegt sich die Hauptfigur des Romans durch das Leben der anderen Protagonisten und richtet seine emotionalen Verwüstungen an. Erst die blutjunge Studentin Gwenny, die ihn wegen einer Wette verführt, hält Oberstein den Spiegel vor. Gegen Ende scheint er langsam wie aus einem langen Traum aufzuwachen. Ob der Neuanfang an andrem Ort gelingt, bleibt offen.</p>
<p>„Mit Haut und Haaren“ ist eine Geschichte unserer Zeit. Die Schauplätze Amsterdam und Fairfax, Frankfurt und New York sind die Kulisse für die Beschreibung eines hoch angesehenen Wissenschaftlers, der ein beruflich erfolgreiches, aber sinnentleertes Leben führt, der das Gefühl für seine Gefühle verloren hat und dadurch eine Menge Schaden in seinem sozialen Umfeld anrichtet.</p>
<p>Dass diese Geschichte eines Anti-Helden trotzdem spannend und lehrreich zu lesen ist, verdankt der Leser dem schriftstellerischen Talent Arnon Grünbergs, dem es immer wieder gelingt, Sympathien für seinen Protagonisten zu wecken und ihn nicht einseitig darzustellen.</p>
<p>680 Seiten sind eine Menge Stoff. Die Hälfte hätte vielleicht auch gereicht, aber die Komplexität des Romans und die Vielzahl von Erzählsträngen erforderten mehr Ausführlichkeit. Trotz des großen Umfangs wird einem „Mit Haut und Haaren“ niemals langweilig, sondern man wird durch seine Neugier immer weiter vorwärts getrieben, bis man am Ende angelangt ist. Dann fragt man sich, wie die Geschichte weitergeht.</p>
<p>Die Antwort muss jeder selbst finden.</p>
<p>Das <a title="Interview mit Arnon Grünberg auf der Leipziger Buchmesse 2012 über “Mit Haut und Haaren”" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/1237">vollständige Interview</a> mit Arnon Grunberg auf der Leipziger Buchmesse 2012 finden Sie <a title="Interview mit Arnon Grünberg auf der Leipziger Buchmesse 2012 über “Mit Haut und Haaren”" href="http://www.belletristiktipps.de/archives/1237">hier</a>.</p>
<p>Autor: Arnon Grünberg<br />
Titel: „Mit Haut und Haaren“<br />
Gebundene Ausgabe: 682 Seiten<br />
Verlag: Diogenes<br />
ISBN-10: 3257068131<br />
ISBN-13: 978-3257068139</p>
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		<title>Interview mit Andrej Kurkow auf der Leipziger Buchmesse 2012 über &#8220;Der Gärtner von Otschakow&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Apr 2012 13:55:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[RALPH KRÜGER:  Herr Kurkow, als wir uns das letzte Mal trafen &#8211; das war vor zwei Jahren, als gerade &#8220;Der Milchmann in der Nacht&#8221; in Deutschland erschienen ist &#8211; erzählten Sie mir, dass Sie gerade an einer neuen Geschichte &#8211; über den &#8220;Gärtner von Otschakow&#8221; &#8211; schreiben. Nun ist das Buch fertig. Wie lange haben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.belletristiktipps.de/images/andrejkurkow2012-b.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1249" title="Andrej Kurkow (C) 2012 Ralph Krüger Berlin" src="http://www.belletristiktipps.de/wp-content/uploads/2012/05/andrejkurkow2012.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>RALPH KRÜGER:  Herr Kurkow, als wir uns das letzte Mal trafen &#8211; das war vor zwei Jahren, als gerade &#8220;Der Milchmann in der Nacht&#8221; in Deutschland erschienen ist &#8211; erzählten Sie mir, dass Sie gerade an einer neuen Geschichte &#8211; über den &#8220;Gärtner von Otschakow&#8221; &#8211; schreiben. Nun ist das Buch fertig. Wie lange haben Sie insgesamt an diesem Buch geschrieben?</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Ungefähr zwei Jahre, aber die ersten Kapitel habe ich schon früher angefangen. Vor vier Jahren habe ich die geschrieben, aber dann schrieb ich etwas Anderes &#8211; nämlich &#8220;Der Milchmann in der Nacht&#8221; &#8211; und danach bin ich dann zurück zum &#8220;Gärtner&#8221; gekommen.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Können Sie unseren Lesern in ein, zwei Sätzen erzählen, worum es im &#8220;Gärtner von Otschakow&#8221; geht?</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Das ist eine mystische und abenteuerliche Geschichte mit einer Zeitreise. Es spielt in der heutigen Ukraine, aber es geht auch um das Leben im Jahre 1957 &#8211; in der kleinen ukrainischen Stadt Otschakow. Ich versuchte einfach, die Atmosphäre und das Leben in zwei verschiedenen Zeiten zu vergleichen. In meiner neuen Geschichte gibt es auch ein Krimi-Element, weil die Hauptfigur zufällig herausfindet, wie sie den Weg in die Vergangenheit antreten kann, indem er eine Milizuniform von 1957 benutzt. Die Uniform hatte er nach einem Abenteuer als ein Geschenk bekommen. Danach reist er regelmäßig in die Vergangenheit und verliebt sich dort in eine Frau, die verheiratet ist, und trifft dort auf einige gefährliche Leute.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Und das ist dann wieder die Verbindung zu dem Gärtner in unserer heutigen Zeit&#8230;</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Genau. Alles beginnt mit einem ungefähr sechzigjährigen Mann, der auf dem Hof von Igor und seiner Mutter auftaucht. Die beiden sind von Kiev weg aufs Land gezogen und wohnen in einem Privathaus. Dieser Mann darf bei ihnen als Gärtner im Schuppen leben und dort zu arbeiten. Igor bemerkt eines Tages, dass der Gärtner ein nichtlesbares Tattoo auf dem Oberarm hat. Er findet dann heraus, dass diese Tätowierung von Stepans Vater gemacht wurde, als Stepan fünf Jahre alt war und eine Botschaft überbringen sollte. Als Stepan jedoch aufgewachsen war, war die Tätowierung herausgewachsen und nicht mehr zu entziffern. Igor ist aber sehr neugierig, macht ein digitales Foto von der Tätowierung, versucht es zunächst selbst zu entschlüsseln, schafft es aber nicht. Doch er hat einen Freund, der Computerspezialist ist, und dem gelingt es, die Tätowierung zu restaurieren. Und mit diesem Text beginnt die Reise, denn auf der Tätowierung war zu lesen: &#8220;Otschakow 1957, Jefim Tschagins Haus&#8221;.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Und so machen sich die beiden auf den Weg nach Otschakow und finden auch das Haus, in dem einst Jefim, der Onkel, gelebt hatte. Und dort in der Wand des verlassenenen Hauses finden Sie ein Versteck, in dem die Uniform und viele wertvolle, gestohlene Sachen aufbewahrt sind.  &#8211; Ich habe mich während des Lesens gefragt, wie Sie auf die Idee mit der Unifrom als Zeitmaschine gekommen sind?</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Eine Uniform ändert immer die Persönlichkeit. Wenn ein Mann schwach ist, liebt er Uniformen, denn eine Uniform verleiht ihm mehr Persönlichkeit und mehr Macht.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  In Ihrer Geschichte sind die Reisen in die vergangenheit parallel montiert. Immer in der Nacht geht die Reise zurück ins Jahr 1957. Doch mit der Zeit verstrickt sich Igor immer mehr in die verwickelte Geschichte Otschakows, die er in den Nächten besucht.</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Igor ist plötzlich in einem Leben mit anderen Regeln engagiert, und er übernimmt diese Regeln und wird auf diese Weise immer mehr ein Teil dieser vergangenen Geschichte.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Das ist wirklich sehr schön geworden. Was machen Sie aktuell? Gibt es neue Projekte?</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Ich habe vor einem Monat einen neuen Roman auf Russisch und Ukrainisch veröffentlicht. Der Roman heißt &#8220;Jimi Hendrix&#8217; Tournee nach Lemberg&#8221;. Das ist ein Roman mit zwei Handlungslinien. Es gibt sechs Helden, aber drei von diesen Helden sind reale Personen mit realen Namen und Adressen &#8211; die waren einverstanden, dass ich sie benutze. Es ist die Geschichte eines Hippies, der ist bis heute Hippie geblieben und war früher einer der Organisatoren der Hippie-Bewegung in der Westukraine. Es geht also um diesen Mann und um einen KGB-Offizier, der für Hippies verantwortlich war. Es gibt auch eine erfundene Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann, der nicht ganz bis zum Ende Medizin studiert hat, aber eine interessante Möglichkeit gefunden, Geld zu verdienen, und einer Frau, die in der Nacht in einer Geldwechselstube arbeitet, dabei jedoch immer lange Handschuhe trägt. Er denkt, dass sie besonders modisch ist, aber sie hat nur eine Geld-Allergie und kann kein Geld berühren. Das ist eine leicht verrückte Geschichte aus Lemberg, aber ich wollte auch einfach mal einen Roman über Lemberg schreiben.</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Und Jimi Hendrix spielt auch eine wichtige Rolle?</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Ja, eine sehr wichtige Rolle sogar! Aber ich möchte nicht jetzt schon alles verraten&#8230;</p>
<p>RALPH KRÜGER:  Dann sind wir gespannt. Aber zunächst wünsche ich Ihnen viel Erfolg mit dem aktuellen Buch &#8220;Der Gärtner von Otschakow&#8221; und danke Ihnen für dieses Gespräch!</p>
<p>ANDREJ KURKOW: Ich danke Ihnen auch.</p>
<p>&nbsp;</p>
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